Anarchistengruppe FAI Militanter Hass auf den Kapitalismus

"Gegen Bankiers, Zecken und Blutsauger": Die Anarchisten, die sich zum versuchten Anschlag auf Banker Ackermann bekannt haben, sind in Italien gefürchtet. Dort geht man von einer neuen Generation von Extremisten aus, die den Kampf auf die internationale Bühne tragen will.  


Hamburg - Die Wortwahl wäre typisch: "Drei Explosionen gegen Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger" werden im handschriftlichen Bekennerschreiben angekündigt, das Ermittler des Landeskriminalamts Hessen beim Brandsatz an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gefunden haben. Unterzeichnet ist das Schreiben nach diesen Angaben von der italienischen "Federazione Anarchica Informale" (FAI), dem informellen anarchischen Bündnis.

Die deutschen Ermittler beschreiben die FAI als "terroristische, linksanarchistische Organisation". Auch der Geheimdienst In Italien stuft das Anarchistenbündnis als terroristisch ein.

Dort ist die Gruppe seit 2003 durch verschiedene Anschläge und Bekennerschreiben bekannt. Ermittler in Italien schätzen die FAI als lose organisiert ein, ohne feste Führer oder starre Ideologie. In Bekennerschreiben der Gruppe zu mehreren versuchten Bombenanschlägen wird durchgehend eine militante Ablehnung des Kapitalismus deutlich.

Die FAI gilt als neue Generation in der Bewegung italienischer Anarchisten, die den internationalen Zusammenschluss sucht. Vor allem mit Zellen in Griechenland soll sie zusammengearbeitet haben.

Briefbombenanschlag auf Schweizer Atom-Organisation

Im Frühjahr dieses Jahres bekannte sich die Gruppe auch zu dem Briefbombenanschlag auf eine Atom-Lobby-Organisation in der Schweiz. Bei der Briefbombe, die zwei Mitarbeiterinnen der Swissnuclear in Olten verletzte, fanden Ermittler ein Bekennerschreiben der FAI.

Damals explodierte zur gleichen Zeit eine Paketbombe in einer Kaserne der italienischen Stadt Livorno. Ein Soldat, der das Paket öffnete, verlor drei Finger. Eine dritte Briefbombe wurde aus Italien an ein Hochsicherheitsgefängnis in Athen geschickt - die Polizei entschärfte sie.

Die FAI hat sich auch zu einer Operation im Jahr 2003 bekannt. Dabei ging es um eine Reihe von Brandsätzen an den damaligen EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet und an Romano Prodi, damals Präsident der EU-Kommission.

Serie von Anschlägen auf Botschaften

Die Anarchistengruppe wird auch mit einer Serie von Bombenbriefen an Botschaften in Rom vor knapp einem Jahr in Verbindung gebracht. Am Tag vor Heiligabend explodierten Briefbomben in den Botschaften der Schweiz und Chiles. Auch in der griechischen Vertretung wurde eine Bombe entdeckt.

Italien hat lange Erfahrungen mit Terrorismus durch linke und anarchistische Gruppen - vor allem durch die Roten Brigaden in den Siebzigern. Auch heute sind noch anarchistische Gruppen bekannt, etwa die 1945 gegründete "Federazione Anarchica Italiana". Die Bewegung lehnt mittlerweile Gewalt ab, doch an ihren Namen hat sich die FAI, der nun der versuchte Ackermann-Anschlag vorgeworfen wird, angelehnt.

mit Material von dpa

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