Anden-Krise Venezuela steht mit zehn Panzer-Bataillonen an der Grenze zu Kolumbien

Venezuela droht dem Nachbarland Kolumbien: Die von Staatspräsident Chávez entsandten zehn Panzer-Bataillone sind an der Grenze angekommen. Um die Kriegsgefahr zu verringern, hat sich die Organisation Amerikanischer Staaten in den Konflikt eingeschaltet.


Caracas - Der venezolanische Aufmarsch scheint massiv: Verteidigungsminister Gustavo Rangel teilte mit, außer den zehn Panzer-Batallionen seien auch Einheiten der Luftwaffe, der Marine und des Heeres mobilisiert worden.

Ruhe vor dem Sturm? Venezolanische Soldaten an der Grenze zu Kolumbien
DPA

Ruhe vor dem Sturm? Venezolanische Soldaten an der Grenze zu Kolumbien

Hintergrund der Krise ist ein Angriff Kolumbiens auf ein Rebellenlager in Ecuador, bei dem das Militär in das Nachbarland eingedrungen war und den ranghohen Anführer der linken Farc-Rebellen, Raúl Reyes, getötet hatte. Ecuador und das verbündete Venezuela ließen daraufhin Truppen an der Grenze aufmarschieren und brachen ihre diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien ab. Venezuelas Präsident Hugo Chávez hatte gedroht, ein kolumbianisches Eindringen in sein Land als "Kriegsfall" zu werten.

Angesichts dieser Eskalation läuft die Diplomatie auf Hochtouren. Ein Krieg in Südamerika soll verhindert werden. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hat sich inzwischen in die Bemühungen um eine friedliche Beilegung der Spannungen zwischen Kolumbien, Ecuador und Venezuela eingeschaltet. Die Gespräche sollten nach OAS-Angaben in Washington wieder aufgenommen werden, nachdem eine Dringlichkeitssitzung nach zehnstündiger Debatte in der vergangenen Nacht unterbrochen worden war.

Ecuador warf Kolumbien bei der OAS-Sitzung "geplante und vorsätzliche Souveränitätsverletzung" vor. Die ecuadorianische Vertreterin María Salvador forderte, dass sich die amerikanischen Außenminister noch vor dem 11. März bei einem Dringlichkeitstreffen mit der Lage befassen. Außerdem verlangte sie die Einsetzung einer Untersuchungskommission der OAS. Die 34 Mitgliedstaaten konnten sich in der Nacht zunächst nicht auf eine gemeinsame Erklärung zu den Spannungen einigen.

Kolumbien soll sich öffentlich entschuldigen

Der kolumbianische OAS-Botschafter Camilo Ospina stimmte dem ecuadorianischen Vorschlag für ein Außenministertreffen zu und wiederholte die "öffentliche Entschuldigung" der kolumbianischen Regierung bei Ecuador. Zugleich verlangte er von den Regierungen in Quito und Caracas eine "Erklärung" im Hinblick auf ihre mutmaßlichen Verbindungen zu Farc-Rebellen.

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva warf Kolumbien in São Paolo vor, die territoriale Souveränität Ecuadors verletzt zu haben. Bogotá hätte das Nachbarland erst um Erlaubnis für den Militäreinsatz fragen müssen. Lula rief die Beteiligten zu einer friedlichen Lösung auf.

Ecuadors Staatschef Rafael Correa war bereits gestern zu einer Rundreise durch mehrere Länder der Region aufgebrochen, um Unterstützer für seine Position zu gewinnen. Vor seinem Aufenthalt in Brasilien drohte Correa in Peru, er sei entschieden, "bis zur äußersten Konsequenz" zu gehen. Weitere Stationen der Reise waren Venezuela, Panama und die Dominikanische Republik. Kolumbien hat dagegen die Rückendeckung der Vereinigten Staaten: US-Präsident George W. Bush sagte Bogotá gestern seine "volle Unterstützung" zu und verurteilte die "Akte der Provokation" durch Venezuela.

Auch Spanien will in der Krise vermitteln. Darauf verständigte sich der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos in Telefongesprächen mit seinen beiden Amtskollegen. Ziel der Gespräche sei die Wiederherstellung "normaler Beziehungen zwischen zwei Bruderstaaten", sagte Moratinos dem Rundfunk.

asc/Reuters/AFP/dpa



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