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Österreich: Bildungsministerin im Hymnen-Shitstorm

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SPÖ-Politikerin Heinisch-Hosek: "Der übelste Fall von Online-Massenmobbing"

Österreichs Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek wird im Internet beschimpft. Der Grund: Sie kritisierte Volksmusikstar Andreas Gabalier, weil dieser einen alten Text der Nationalhymne gesungen hatte.

Wien - Als österreichische Bildungsministerin hat Gabriele Heinisch-Hosek einen besonderen Bildungsauftrag. Den hat sie nach Meinung vieler Österreicher mit einer Belehrung des Volksmusikers Andreas Gabalier nun aber deutlich übererfüllt.

Gabalier hatte am vergangenen Wochenende beim Formel-1-Rennen im österreichischen Spielberg einen alten Text der Nationalhymne gesungen, der die Alpenrepublik als Heimat "großer Söhne" preist. In der aktuellen Fassung heißt es aber "Heimat großer Töchter und Söhne". Die Ministerin hatte ein Foto mit dem richtigen Text als "kleine Lernhilfe" für den 29-Jährigen gepostet. Dafür wurde die SPÖ-Politikerin von der Netzgemeinde mit drastischen Kommentaren beschimpft.

"Wie behindert bist du eigentlich?", "Bitte halt die Fresse", "Geh ham Gabi", "Heul doch"- Das sind noch die höflicheren Beleidigungen, die sich die Ministerin gefallen lassen muss. "Das ist der übelste Fall von Online-Massenmobbing, den ich in Ö. bisher gesehen habe. Auch Politiker*innen haben eine Menschenwürde", twitterte der als höchst politikerkritisch bekannte ORF-Fernsehmoderator Armin Wolf am Freitag.

Gabalier sieht Aufregung gelassen

Die Reaktionen auf das Posting hätten viel Licht und Schatten in einem extremen Ausmaß gebracht, erklärte eine Sprecherin des Ministeriums: "So viel Unterstützung und Likes wie noch nie, gleichzeitig aber auch eine massive Welle an Kritik." Das zeige, dass die neue Version der Bundeshymne nach wie vor ein Thema sei, das enorm polarisiere. Das Parlament hatte 2011 eine Änderung des Textes der Nationalhymne zum 1. Januar 2012 beschlossen, um auch die großen Frauen in der Geschichte des Landes wertzuschätzen.

Gabalier sieht die Aufregung gelassen. "Den Text der österreichischen Bundeshymne lernte ich mit acht Jahren in der Schule im Sachkundeunterricht und ich sehe keine Veranlassung, ihn anders zu singen", erklärte er in einer Pressemitteilung. "Wer sich mit mir und meinen Liedern, vor allem auch den Texten schon einmal auseinandergesetzt hat, dem dürfte es nicht entgangen sein, dass ich vor Frauen den allerhöchsten Respekt habe."

syd/dpa

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