Deutsche Waffenlieferungen: Spekulationen über U-Boot-Deal mit Ägypten

Verkauft Deutschland zwei U-Boote an Kairo? Ein ägyptischer Offizier hat über ein entsprechendes Abkommen gesprochen. Vor allem in Israel sorgt der Bericht für Verstimmung. Die Bundesregierung hält sich bedeckt.

Tel Aviv/Berlin - Ein Bericht über den angeblichen Verkauf von zwei deutschen U-Booten an Ägypten hat in Israel für Irritationen gesorgt. Die Tageszeitung "Jediot Achronot" berichtet am Sonntag unter Berufung auf Regierungskreise von einer "dramatischen Verschlechterung der Beziehungen zwischen Israel und Deutschland". Der neue Oberkommandierende der ägyptischen Kriegsmarine, Osama al-Gindi, hatte demnach am Freitag der staatlichen ägyptischen Tageszeitung "Al-Ahram" gesagt: "Wir haben ein Abkommen mit Deutschland geschlossen, um zwei U-Boote vom allerneuesten Typ 209 zu beschaffen."

U-Boote der Klasse 209 werden von der Kieler HDW-Werft und den Emdener Nordseewerken ausschließlich für den Export gebaut. Rund 60 U-Boote der 209er-Klasse wurden bereits in zwölf Länder exportiert.

Deutschland hat Israel bereits mehrere U-Boote der "Dolphin"-Klasse geliefert, bis 2017 sollen es insgesamt sechs sein. Auch dieser Export gilt als hochumstritten. Nach SPIEGEL-Informationen ist Kanzlerin Angela Merkel den Israelis weit entgegengekommen: Berlin übernimmt demnach nicht nur ein Drittel der Kosten, sondern stundet auch den israelischen Anteil bis 2015.

Deutsche U-Boote "sehr wichtig" für die nationale Sicherheit

Der SPIEGEL hatte auch über eine atomare Bestückung der Boote berichtet. Israel hat den Besitz von Atomwaffen weder zugegeben noch dementiert. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die deutschen U-Boote allerdings als "sehr wichtig" für die Sicherheit seines Landes bezeichnet. "Deutschland hat das Bekenntnis zu Israels Sicherheit gerade durch den Verkauf eines weiteren U-Boots zum Ausdruck gebracht", sagte er Anfang Juni in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung.

Die Beziehungen zwischen Israel und Ägypten haben sich seit dem Sturz von Präsident Husni Mubarak im Februar 2011 deutlich verschlechtert. Israel befürchtet dem Bericht von "Jediot Achronot" zufolge nun, mit seinen Seestreitkräften ins Hintertreffen zu geraten.

Die Bundesregierung wollte sich unter Berufung auf die Geheimhaltungspflicht für die Genehmigung von Rüstungsexporten nicht dazu äußern. "Die Bundesregierung entscheidet über jeden Rüstungsexport auf der Basis der bestehenden Grundlagen", sagte ein Regierungssprecher der Nachrichtenagentur dpa auf Anfrage. Einem U-Boot-Verkauf nach Ägypten müsste der geheim tagende Bundessicherheitsrat zustimmen. Seine Beschlüsse werden erst mit erheblicher Zeitverzögerung im Rüstungsexportbericht veröffentlicht.

juh/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Man darf darauf gespannt sein, ob die Spiegel-Foristen
atherom 02.09.2012
derart zahlreich und aufgeregt gegen U-Boote für Ägypten votieren werden, wie dies im Fall der U-Bootefür Israel der Fall war.
2. U-Boot
holdost 02.09.2012
Dieser mögliche sowie alle deutschen Waffenexporte sind eine Schande!
3.
widder58 02.09.2012
Zitat von sysopVerkauft Deutschland zwei U-Boote an Kairo? Ein ägyptischer Offizier hat über ein entsprechendes Abkommen gesprochen. Vor allem in Israel sorgt der Bericht für Verstimmung. Die Bundesregierung hält sich bedeckt. Angebliche Lieferung deutscher U-Boote nach Ägypten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853473,00.html)
Seltsam, als die Zionisten U-Boote bekamen sorgte das nicht für Verstimmung...
4.
distel61 02.09.2012
Zitat von atheromMan darf darauf gespannt sein, ob die Spiegel-Foristen derart zahlreich und aufgeregt gegen U-Boote für Ägypten votieren werden, wie dies im Fall der U-Bootefür Israel der Fall war.
Dann mache ich mal den Anfang: 1) U-Boote für Israel: ja 2) U-Boote für Ägypten: nein Glasklare Sache.
5. Wiso die Frage?
daisky 02.09.2012
Zitat von atheromderart zahlreich und aufgeregt gegen U-Boote für Ägypten votieren werden, wie dies im Fall der U-Bootefür Israel der Fall war.
anders als die Besatzungsmacht Israel wird Ägypten 1. die U-Boote nicht atomar bestücken 2. die U-Boote ganz abbezahlen
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Waffenhandel
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 36 Kommentare

Geschichte Israels

Knackpunkte der Nahost-Gespräche
Sicherheit
DPA
Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei. Obwohl es in den vergangenen Jahren kaum noch Selbstmordanschläge palästinensischer Terroristen gibt, fühlen sich die Israelis bedroht.

Die israelischen Grenzstädte werden immer wieder von Raketen der radikalislamischen Hamas beschossen. Schlagen diese Geschosse auf israelischer Seite ein, kommt es regelmäßig zu Vergeltungsschlägen auf palästinensischem Gebiet. Die Palästinenser machen ihrerseits Angriffe durch das israelische Militär geltend.

Flüchtlinge
DPA
Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es in den palästinensischen Gebieten und Israels Nachbarländern 4,8 Millionen registrierte palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen.

Die Flüchtlinge beharren auf das Recht, in ihre Heimat im heutigen Israel zurückkehren zu dürfen, Israel verneint dieses Recht und will den Verzicht auf eine Rückkehr in einem Friedensvertrag festschreiben.

Grenzen
DPA
Nach dem Willen der Palästinenser soll ihr Staat die 1967 von Israel besetzten Gebiete Westjordanland, Gaza und Ost-Jerusalem umfassen. Israel beansprucht jedoch Teile dieses Territoriums – entgegen internationalem Recht – für sich. Israel hatte den Gaza-Streifen 2005 zwar geräumt, sein Embargo seit der Machtübernahme der Hamas 2007 aber verschärft.

Israel will zudem an Teilen des Westjordanlands festhalten. Dort gibt es rund 120 jüdische Siedlungen mit etwa 300.000 Israelis. In Ost-Jerusalem leben nach Angaben israelischer Menschenrechtler weitere 200.000. Nach internationalem Recht sind diese Siedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

Jerusalem
AP
Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders umstritten. Israel beharrt auf dem ungeteilten Jerusalem als Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Im Jahr 2000 scheiterte der Nahost-Gipfel an der Jerusalemfrage.
Golan
AP
Syrien dringt darauf, dass die 1967 besetzten Golanhöhen im Rahmen einer Friedenslösung zurückgegeben werden. Von der 1150 Quadratkilometer großen Hochebene hat Israels Armee einen guten Blick nach Syrien und in den Libanon. Umgekehrt könnten die Syrer vom Golan aus große Teile Israels überwachen. Heute leben in dem Gebiet neben rund 20.000 Syrern auch etwa 20.000 jüdische Einwohner.
Scheba-Farmen
DPA
Das 30 Quadratkilometer kleine Gebiet an der Grenze von Syrien, Libanon und Israel ist seit langem umstritten. Die Vereinten Nationen und die USA sind der Ansicht, dass das Territorium als Teil der Golanhöhen zu Syrien gehört. Der Libanon und Syrien haben ihre Ansprüche bislang nicht eindeutig formuliert und wollen den Grenzdisput nach einem israelischen Rückzug klären.
Wasser
REUTERS
Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist. Die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers ist auch ein Streitpunkt im Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf den Golanhöhen.
Fotostrecke
Israels Regierungschefs: Wechselspiel der Macht