Angeblicher CIA-Spion: Iran fordert USA mit Todesurteil heraus

Er gilt in Iran als Spion und "Feind Gottes", dafür soll er mit dem Leben büßen - ein Gericht in Teheran hat den US-Bürger Hekmati zum Tode verurteilt. Die Entscheidung belastet die angespannten Beziehungen zwischen den USA und Iran noch weiter. Die Amerikaner ziehen jetzt eine "rote Linie".

Teheran - Amir Mirsa Hekmati muss um sein Leben fürchten. Ein iranisches Gericht hat den 28-jährigen US-Bürger, der auch die iranische Staatsbürgerschaft besitzt, zum Tod verurteilt. Teherans Vorwurf: Der frühere Soldat der US-Marineinfanterie soll zunächst eine militärische Spezialausbildung genossen und dann eine geheimdienstliche Tätigkeit für die USA in Iran aufgenommen haben. Wie das staatliche iranische Radio am Montag berichtete, soll Hekmati versucht haben, Iran als Unterstützer des Terrorismus darzustellen. Ein Revolutionsgericht befand ihn der "Zusammenarbeit mit einem feindlichen Staat, Zugehörigkeit zur CIA und Terrorismus-Verbindungen" schuldig.

In seinem Urteilsspruch bezeichnete das Teheraner Revolutionsgericht Hekmati außerdem unter anderem als "Mohareb", was Feind Gottes bedeutet.

Unklar ist, wann das Urteil gefällt wurde. Nach iranischem Recht hat Hekmati nach der Urteilsverkündung 20 Tage Zeit, um Berufung einzulegen.

Das US-Außenministerium forderte die Freilassung Hekmatis. Zudem solle Schweizer Diplomaten Zugang zu dem Gefangenen gewährt werden, hieß es aus Washington. Die Schweiz vertritt die Interessen der USA in Iran, die beiden Ländern unterhalten keine diplomatischen Beziehungen.

Hekmatis Vater, ein College-Professor in Flint (Michigan), hatte zuletzt erklärt, dass sein Sohn unschuldig sei. Sein Sohn, einst Übersetzer beim US-Militär, sei nach Iran gereist, um seine Großmütter zu besuchen. Die Familie habe zudem große Schwierigkeiten, einen Rechtsbeistand für den verhafteten Sohn zu organisieren. So habe man mindestens zehn Anwälte in Iran angefragt - in allen Fällen seien die Bemühungen ergebnislos geblieben. Ihr Sohn habe bislang lediglich einen Pflichtverteidiger, der von der iranischen Regierung eingesetzt worden sei.

Hekmati war im Dezember von Iran festgenommen und damals im Staatsfernsehen präsentiert worden. Vor laufenden Kameras sagte Hekmati, er sei von der CIA getäuscht worden, um den iranischen Geheimdienst auszuspionieren. Er habe aber Iran nicht schaden wollen, fügte der ehemalige US-Soldat hinzu.

Teheran hat in der Vergangenheit mehrfach angebliche Spione aus den USA oder Israel enttarnt und deren Geständnisse im Fernsehen gezeigt. Der Wahrheitsgehalt derartiger Berichte lässt sich oft kaum überprüfen. So hatte Iran im Juli 2009 drei US-Bürger verhaftet und ihnen Spionage vorgeworfen. Die US-Bürger hatten dagegen erklärt, lediglich als Wanderer im irakisch-iranischen Grenzgebiet unterwegs gewesen zu sein. Schließlich wurden sie freigelassen und konnten in ihre Heimat zurückkehren.

Washington nennt "rote Linien"

Die Todesstrafe gegen Hekmati stellt die wegen des andauernden Atomstreits ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Washington und Teheran vor eine neue Belastungsprobe: Die USA schickten am Sonntag eine ungewöhnlich deutliche Warnung an die Adresse der Führung in Teheran. Iran überschreite eine "rote Linie", wenn man Atomwaffen entwickeln oder wichtige Schifffahrtswege blockieren sollte, sagte Verteidigungsminister Leon Panetta.

Die iranische Führung hatte einen Tag zuvor bekanntgegeben, eine neue Anlage zur Anreicherung von Uran in Fordo in Betrieb zu nehmen. Die unterirdische Anlage sei so gebaut worden, dass der Feind sie weder angreifen noch zerstören könne, erklärte der Chef des iranischen Atomprogramms, Fereydoun Abbasi-Davani, nach Angaben des staatlichen Senders PressTV. Außerdem kündigte ein Armeegeneral "ein groß angelegtes Manöver in naher Zukunft an, um der Welt das Können der Streitkräfte zu demonstrieren". Die Soldaten sollten üben, die Straße von Hormus so schnell wie möglich für den internationalen Schiffsverkehr zu schließen, sagte ein einflussreicher Abgeordneter nach Angaben von PressTV.

"Unsere rote Linie ist, dass Iran keine Nuklearwaffen entwickelt", sagte US-Verteidigungsminister Panetta am Sonntag dem Sender CBS. Eine Blockade der für die globalen Öltransporte lebenswichtigen Meerenge von Hormus sei ebenfalls nicht zu tolerieren. "Das ist eine weitere rote Linie, und wir werden entsprechend reagieren", sagte er.

US-Generalstabschef Martin Dempsey fügte hinzu, dass Iran durchaus die Möglichkeit habe, die Straße von Hormus für eine Zeit zu sperren. "Wir haben jedoch in Vorkehrungen investiert, dass wir einen solchen Fall abwehren können", betonte der General.

Auf die Frage nach möglichen Vorbereitungen der USA, gegen Atomwaffen Irans vorzugehen, sagte Dempsey, er wolle sich nicht zu Einzelheiten äußern. Seine Aufgabe sei jedoch, über alle Risiken einer militärischen Option im Bilde zu sein und "in manchen Fällen Aktivposten in Stellung zu bringen, die diese Optionen in einem zeitnahen Rahmen möglich machen". Solche Aktivitäten liefen derzeit.

Der Westen verdächtigt Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms heimlich Nuklearwaffen produzieren zu wollen. Teheran bestreitet das, arbeitet aber seit Jahren nicht ausreichend mit den Atomwächtern in Wien, der Internationalen Atomenergiebehörde, zusammen.

In der neuen Anlage in Fordo könne Uran auf 3,5 Prozent und vier Prozent sowie auf 20 Prozent angereichert werden, sagte der Chef des iranischen Atomprogrammes. Das reicht für die Stromerzeugung und für Medizintechnik, aber nicht für Atomwaffen.

Am Neujahrstag hatte Teheran bereits einen weiteren Durchbruch für sein umstrittenes Atomprogramm verkündet: Erstmals soll es es iranischen Wissenschaftlern gelungen sein, einen eigenen Kernbrennstab zu fertigen.

Natur-Uran enthält nur zu etwa 0,7 Prozent das spaltbare Isotop 235. Zur Verwendung in Kernkraftwerken muss dessen Konzentration auf zwei bis fünf Prozent erhöht werden. Von hochangereichertem Uran spricht man bei 20 und mehr Prozent. Für die Verwendung in Kernwaffen wird Uran auf etwa 90 Prozent angereichert.

hen/dpa/Reuters/dapd

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insgesamt 25 Beiträge
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1. Wenn Hekmati ein Feind Gottes
ReneMeinhardt 09.01.2012
buw. Allahs wäre, dann würde Gott das ganz schnell regeln können. Da er es aber offensichtlich nicht tat, kann er kein Feind sein. Oder ist Gott doch nicht allmächtig?
2. Rechtsstaatlichkeit
angnaria 09.01.2012
Zitat von sysopEr gilt in Iran als Spion und "Feind Gottes", dafür soll*er mit dem Leben büßen -*ein Gericht in Teheran hat den US-Bürger Hekmati zum Tode verurteilt. Die Entscheidung*belastet die angespannten Beziehungen zwischen den USA und Iran noch weiter. Die Amerikaner*ziehen*jetzt eine "rote Linie". Angeblicher CIA-Spion: Iran fordert USA mit Todesurteil heraus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,807975,00.html)
In den USA würde ihm umgekehrt das selbe erwarten - oder er würde als Irregular Combatant eingestuft und bis zum St. Nimmerleinstag nach Guantanamo verfrachtet werden (waterboarding inclusive) was vermutlich auf lange Sicht noch um einiges schlimmer wäre. Außerdem ist davon auszugehen, dass das Urteil nicht vollstreckt wird, sondern im Zuge eines diplomatischen Geschäfts ein Austausch erfolgt.
3. Der guckt ja Scheisse aus, und kommt auch mit Psychoschulter.
marcuspüschel 09.01.2012
Aber lassen wir Adams Äpfel mal beiseite... Wie doof muss man sein um als amerikanischer Soldat im Iran Besuche zu machen?
4. Damit
intermomo52 09.01.2012
Zitat von angnariaIn den USA würde ihm umgekehrt das selbe erwarten - oder er würde als Irregular Combatant eingestuft und bis zum St. Nimmerleinstag nach Guantanamo verfrachtet werden (waterboarding inclusive) was vermutlich auf lange Sicht noch um einiges schlimmer wäre. Außerdem ist davon auszugehen, dass das Urteil nicht vollstreckt wird, sondern im Zuge eines diplomatischen Geschäfts ein Austausch erfolgt.
kann man dieses Forum einfach schliessen. Es ist alles gesagt.
5. xxx
Schleswig 09.01.2012
Zitat von sysopEr gilt in Iran als Spion und "Feind Gottes", dafür soll*er mit dem Leben büßen -*ein Gericht in Teheran hat den US-Bürger Hekmati zum Tode verurteilt. Die Entscheidung*belastet die angespannten Beziehungen zwischen den USA und Iran noch weiter. Die Amerikaner*ziehen*jetzt eine "rote Linie". Angeblicher CIA-Spion: Iran fordert USA mit Todesurteil heraus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,807975,00.html)
Ohne die Amerikaner würde der kriminelle Mullah Iran den Europäern noch ganz etwas anders sagen und androhen, und sie würden dann ganz betroffen schweigen.
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