Angeblicher WikiLeaks-Informant: Bradley Manning droht lebenslänglich

"Unterstützung des Feindes": So lautet der Hauptvorwurf gegen Bradley Manning. Der US-Soldat soll die Internet-Plattform WikiLeaks mit Hunderttausenden Geheimdokumenten versorgt haben. Der 24-Jährige, so entschied jetzt eine Richterin, wird sich dafür vor einem Militärtribunal verantworten müssen.

Manning vor einer Anhörung im Dezember 2011: 22 Anklagepunkte Zur Großansicht
AP

Manning vor einer Anhörung im Dezember 2011: 22 Anklagepunkte

Washington - In der Affäre um die Veröffentlichung von US-Geheimdokumenten im Internet ist der mutmaßliche Informant der Enthüllungswebsite WikiLeaks, Bradley Manning, formell angeklagt worden. Bei einer Anhörung auf dem Militärstützpunkt Fort Meade im US-Bundesstaat Maryland wurden am Donnerstag die 22 Anklagepunkte gegen den Obergefreiten verlesen. Der 24-Jährige, so die Richterin, wird sich vor einem US-Militärgericht verantworten müssen. Sollte er schuldig gesprochen werden, droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.

Am schwersten wiegt der Vorwurf der "Unterstützung des Feindes" - ein Kapitalverbrechen. Manning wird zur Last gelegt, Hunderttausende geheime US-Militärdokumente zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan sowie rund 260.000 vertrauliche Depeschen des US-Außenministeriums an Wikileaks weitergegeben zu haben. Die Veröffentlichung der Unterlagen sorgte weltweit für Wirbel.

Manning hat sich bei der Anhörung am Donnerstag nicht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen geäußert. Beobachter schließen daraus, dass sich Ankläger und Verteidiger noch vor dem offiziellen Prozessbeginn auf einen Vergleich einigen könnten. Dies könnte zu einer milderen Strafe führen.

Ein Datum für das Verfahren wurde noch nicht festgelegt.

Manning soll die geheimen Daten während seiner Stationierung im Irak von Militärrechnern heruntergeladen haben. Im Mai 2010 wurde er auf seinem Stützpunkt nahe Bagdad festgenommen. Laut den Ermittlern wurden auf Mannings Computern die Kontaktdaten des Wikileaks-Mitgründers Julian Assange und zahlreiche militärische Dokumente gefunden.

Bei einer Anhörung im Dezember hatte die Verteidigung bereits zur Milde aufgerufen. Durch die Enthüllungen sei kein Schaden entstanden. 30 Jahre Haft für Manning seien daher angemessen. Dem Gericht warfen Mannings Anwälte Befangenheit vor. Dagegen hatte die Anklage den Standpunkt vertreten, es gebe erdrückende Beweise, dass der ehemalige Geheimdienst-Analyst während seines Einsatzes im Irak "konstant, bewusst und methodisch" interne Dokumente aus regierungseigenen US-Computern gezogen habe.

Schon vor Beginn des Verfahrens hatten Unterstützer für Manning mobilisiert. Das "Bradley Manning Support Network" setzt sich etwa für bessere Haftbedingungen für den 24-Jährigen ein. Die deutsche Schriftstellervereinigung PEN dankte ihm demonstrativ "für den Verrat unwürdiger Geheimnisse".

bos/AFP/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Vorverurteilt?
l3_on 23.02.2012
Was Chodorkowskij in Russland ist, scheint Manning in den USA - beide schon vor dem Prozess quasi-verurteilt. So unterschiedlich scheinen die Strafverfolgungen der beiden Laender dann doch nicht zu sein wenn es am Ende darauf ankommt.
2. Ist schon verwunderlich
schnitti23 23.02.2012
Lebenslänglich, und damit ist auch lebenslang gemeint in den USA. Nicht etwa für Mord oder Mehrfachmord, nein, für die Aufdeckung zweifelhafter Machenschaften des US- Militärs. Gleichzeitig werden Mörder in Uniform geschützt, die mutwillig und niederträchtig Menschen im Irak einfach umbrachten. Es wäre zum Lachen, wenn es nicht so ernst gemeint wäre. Das Land, das anderen Freiheit und Demokratie bringen will, stellt sich selber ad absurdum. Eine bigotte Supermacht, die von anderen Ländern als Achse des Bösen spricht und selber den Balken im eigenen Auge nicht sieht.
3. Interessante Anklage
catweezle 23.02.2012
Zitat von sysop"Unterstützung des Feindes": So lautet der Hauptvorwurf gegen Bradley Manning. Der US-Soldat soll die Internet-Plattform WikiLeaks mit Hunderttausenden Geheimdokumenten versorgt haben. Der 24-Jährige, so entschied jetzt eine Richterin, wird sich dafür vor einem Militärtribunal verantworten müssen. Angeblicher WikiLeaks-Informant: Bradley Manning*droht lebenslänglich - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817251,00.html)
Wer ist denn der "Feind" in den USA? Die "Wahrheit"? Dass ein "Bürger in Uniform" die unverblümten Aussagen von "Volksvertretern" veröffentlicht hat? Wenn die USA sich als "Hort der Bürgerrechte und Freiheit" verstehen - dann sollte sich dort nicht der Bote von wahren Botschaften verantworten müssen - sondern die, die im Geheimen Dinge "im Namen des Volkes" kommunizieren oder anordnen. Nicht Manning muss sich verantworten - sondern die, denen er das Deckmäntelchen des "Volksvertreters" entrissen hat. Nicht Manning gehört auf die Anklagebank - sondern die Verlogenheit eines Systems. Oder - man steht einfach zu Wahrheiten - und zu Manning. Dem Mann gehört ein Denkmal gesetzt - weil er die Werte seines Landes, seiner Verfassung, auf die er einen Fahneneid geschworen hat, wirklilich lebt. Und diese "geschriebenen Werte" in der amerikanischen Verfassung finde ich persönlich wirklich gut und erstrebenswert. Traurig finde ich die Umsetzung dieser Werte in das reale Leben!
4. korrekte Anklage
auf ein wort... 23.02.2012
Zitat von sysop"Unterstützung des Feindes": So lautet der Hauptvorwurf gegen Bradley Manning. ...
wenn er es denn war, dann hat Manning Licht ins Dunkel gebracht, in das die 'Lords of War' schon My Lai getaucht lassen wollten. insofern korrekt die Anklage, er hätte dann deren größten Feind unterstützt: die Öffentlichkeit nämlich. Manning ist ein "brave american".
5. Sehe kein Problem
NilsCA 23.02.2012
Zitat von sysop"Unterstützung des Feindes"
Es gibt Regeln der Geheimhaltung überall - wenn Manning eine so gute Tat vollbracht haben soll (Sympathisanten hat er ja), dann soll er eben dafür geradestehen. Ob die Informationen nun der Weltgeschichte geholfen haben oder nicht, ist nicht relevant. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit da direkt abzusprechen, zeigt nur die Vorverurteilung der USA durch die üblichen Schreibtischgutmenschen im Forum.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Chelsea (Bradley) Manning
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 28 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
US-Soldat Bradley Manning: WikiLeaks-Informant erstmals vor Militärgericht

Buchtipp

Marcel Rosenbach, Holger Stark:
Staatsfeind WikiLeaks
Wie eine Gruppe von Netzaktivisten die mächtigsten Nationen der Welt herausfordert.

DVA; 336 Seiten; 14,99 Euro
ISBN 978-3-421-04518-8, Erscheinungstermin: 24.01.2011.

Einfach und bequem: Direkt im SPIEGEL-Shop bestellen.


"Staatsfeind WikiLeaks": Zur Leseprobe