Angeblicher WikiLeaks-Informant "Ich fühlte mich wie ein Tier im Käfig"

Knapp ein Jahr wurde der Verdächtige unter schikanösen Bedingungen in Haft gehalten. Er fürchtete zu sterben, bis er schließlich verlegt wurde. Bei einer Voranhörung zu seinem Prozess hat der mutmaßliche WikiLeaks-Informant Bradley Manning am dritten Tag erstmals selbst das Wort ergriffen.

Bradley Manning wird zur Anhörung geführt: "Ich hatte ziemlich aufgegeben"
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Bradley Manning wird zur Anhörung geführt: "Ich hatte ziemlich aufgegeben"


Fort Meade - In der Affäre um die Veröffentlichung von US-Geheimdokumenten im Internet ist der mutmaßliche WikiLeaks-Informant Bradley Manning am dritten Verhandlungstag der Voranhörung zum Prozess zum ersten Mal selbst zu Wort gekommen. Manning beantwortete Fragen seines Anwalts David Coombs zur Untersuchungshaft. Der 24-jährige Ex-Soldat wirkte nervös, und seine Stimme zitterte, als er zu reden begann. Manning sagte, er habe sich in der Haft wie ein eingesperrtes Tier im Käfig gefühlt und hätte Angst um sein Leben gehabt. Kurz nach seiner Festnahme im Irak habe er nicht mehr telefonieren dürfen und sei zunehmend verzweifelt gewesen. "Ich begann, völlig aus dem Gleichgewicht zu geraten."

Manning wird vorgeworfen, geheime US-Militärdokumente zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan sowie rund 260.000 vertrauliche Depeschen der US-Diplomatie an die Enthüllungswebseite WikiLeaks weitergegeben zu haben. Er soll die geheimen Daten während seiner Stationierung im Irak von Militärrechnern heruntergeladen haben.

Im Mai 2010 war Manning auf seinem Stützpunkt nahe Bagdad festgenommen worden. Nach seiner Inhaftierung kam er in Kuwait in Untersuchungshaft und wurde im Juli 2010 schließlich nach Quantico im US-Bundesstaat Virginia verlegt.

Manning beantragte vor Gericht, das Verfahren gegen ihn fallen zu lassen, weil er während seiner neunmonatigen U-Haft in Quantico eine illegale Bestrafung erfahren habe. In der Anhörung sagte Manning, er habe schon bald nach seiner Festnahme Selbstmordgedanken gehabt. "Ich habe darüber sicher ein paar Mal nachgedacht", sagte er. "Ich hatte ziemlich aufgegeben. Meine Welt war einfach zusammengebrochen."

Zuvor hatten zwei Psychiater der US-Armee ausgesagt, Mannings harte Haftbedingungen in Quantico seien unnötig und gegen ihren medizinischen Rat gewesen. In Quantico war dem Soldaten die Brille abgenommen worden, um Toilettenpapier musste er bitten. Er durfte nachts keine Unterwäsche tragen und musste auf einer unbequemen Matratze schlafen, die für selbstmordgefährdete Häftlinge konzipiert ist. Ein Uno-Berichterstatter für Folter hatte erklärt, Manning sei in Quantico grausam und unmenschlich behandelt worden.

Nach seiner Haft dort von Juli 2010 bis April 2011 wurde Manning in ein Gefängnis in Fort Leavenworth in Kansas gebracht. Dort wurde ihm bescheinigt, nicht selbstmordgefährdet zu sein. Danach wurde ihm die normale Häftlingsbehandlung zugestanden.

Im Februar dieses Jahres wurde Manning formell angeklagt. Sollte er schuldig gesprochen werden, droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.

kha/AFP/AP

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kneumi 30.11.2012
1. Ohne Unterwäsche schlafen...
Gefangene nackt schalfen zu lassen verstößt m.E. gegen die Menschenwürde. Sehschwachen die Brille wegzunehmen auch. Pfui.
rolandjulius 30.11.2012
2. Wer spricht schon gern von Menschenrechten
Zeig mir das Land wo sie mit den Füssen getreten werden, Du kennst es nicht? Du wirst es kennen lernen!
pfeiffffer 30.11.2012
3. Schau an
kommt er doch noch mal an's Tageslicht. Für B. Hussein Obama muß das ja echt ne Blamage sein, daß jemand, der entgegen der US-Verfassung so gefoltert wurde, jetzt noch vor einem Gericht in der Öffentlichkeit erscheint. Aber er wollte sich ja soooooo dolle für Whisteblower einsetzen, der Messias mit dem Friedensnobelpreis, lmao
mhock 30.11.2012
4. in den Gulag!
´Manning sagte, er habe sich in der Haft wie ein eingesperrtes Tier im Käfig gefühlt und hätte Angst um sein Leben gehabt. Kurz nach seiner Festnahme im Irak habe er nicht mehr telefonieren dürfen und sei zunehmend verzweifelt gewesen. "Ich begann, völlig aus dem Gleichgewicht zu geraten."
antirechthaber 30.11.2012
5. schaut doch mal crazy horse
Wirkt auf mich wie ein Schauprozess aus den frühen kommunistischen Staaten oder aus dem dritten Reich, nur ohne Todesstrafe. Manning ist ein Wistleblower, genau wie die beiden Journalisten, die dem Watergate-Skandal aufgedeckt, und dafür - zurecht - den Pulitzerpreis bekommen haben. Das von Ihm stammende Video "Grazy Horse" musste unbedingt einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Und hat nicht im mindesten militärische taktische oder strategische Pläne in der Region offenbart.- soviel zum angeblichen Geheimnisverrat. Nebenbei bemerkt, er wurde nicht über Wikileaks enttarnt, sondern von Adrian Lamo, dem er sich dummerweise im Chat offenbart hatte. Die Haftbedingungen und die zu erwartende Strafe für ihn sind eine Schweinerei für jeden gerechtigkeitsliebenden Menschen und gegen jede Menschlichkeit. Und so ein Land regt sich über den Iran auf? Das sind also die "Values", aha.
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