Merkel beim Papst "Er hat mich ermutigt"

Angela Merkel zieht mit Rückendeckung von Papst Franziskus in die G20-Verhandlungen und die Diskussion mit Donald Trump. Bei einer Privataudienz sprach das Oberhaupt der Katholiken der Kanzlerin Mut zu.

Angela Merkel mit Ehemann Joachim Sauer (links) bei Papst Franziskus
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Angela Merkel mit Ehemann Joachim Sauer (links) bei Papst Franziskus


Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nach eigenen Angaben Unterstützung von Papst Franziskus für die schwierigen Verhandlungen im Kampf gegen die Armut in Afrika und für den Klimaschutz bekommen. "Er hat mich ermutigt, auf diesem Weg weiterzugehen. Genauso, wie für internationale Abkommen zu kämpfen", sagte Merkel im Vatikan nach einer Privataudienz bei dem Katholiken-Oberhaupt. Sie kündigte an, Afrika werde Schwerpunkt der G20-Verhandlungen Anfang Juli in Hamburg sein. Das habe der Papst begrüßt.

Der Pontifex hatte Merkel nach der rund 40-minütigen Unterredung "für die Arbeit, die Sie für den Frieden tun", gedankt und ihr eine Medaille mit einem Olivenzweig überreicht. Es war die bereits vierte Privataudienz Merkels.

"Insgesamt war es für mich ein sehr ermutigendes Gespräch, den Weg der Gemeinsamkeiten trotz aller Herausforderungen weiterzugehen und zu versuchen, Schritt für Schritt auch Erfolge für die gesamte Weltgemeinschaft zu erzielen", sagte Merkel. In diesem Geist werde die deutsche G20-Präsidentschaft die Vorbereitungen für das Treffen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer weiterführen. Gerade wegen der Abschottungspolitik von US-Präsident Donald Trump und des nahezu gescheiterten G7-Gipfels im Mai in Italien werden schwierige Verhandlungen erwartet.

Zur Herausforderung durch Trump sagte Merkel, die G20-Agenda gehe von einer Welt aus, in der man multilateral zusammenarbeiten wolle. "Eine Welt, in der wir keine Mauern aufbauen wollen, sondern Mauern einreißen wollen, und in der alle gewinnen sollen an Wohlstand, an Reichtum, an Ehre und Würde des Menschen." Der Papst habe sie ausdrücklich ermuntert, Afrika in den Mittelpunkt der Beratungen zu stellen und für internationale Abkommen wie das Pariser Klimaschutzabkommen zu kämpfen. "Wir wissen ja, dass bedauerlicherweise die Vereinigten Staaten von Amerika aus diesem Abkommen austreten", fügte die Kanzlerin hinzu.

Merkel bringt Süßes mit

Merkel und das katholische Kirchenoberhaupt stehen bei vielen Themen inhaltlich eng beieinander, die Beziehung zwischen den beiden gilt als gut. Bereits die Begrüßung war freundlich. "Danke, dass ich wieder hier sein kann", sagte Merkel lächelnd zu Franziskus. Sie trug einen schwarzen Hosenanzug.

Als Geschenk hatte Merkel Süßigkeiten aus der Heimat des Argentiniers dabei, die sie vor wenigen Tagen besucht hatte: den karamellartigen Brotaufstrich Dulce de leche und Alfajores, mit Schokolade umhüllte Kekse. "Das kennen Sie ja", sagte sie. Franziskus überreichte Merkel neben der Medaille drei seiner Lehrschriften.

Mit dem Empfang der Kanzlerin brach Franziskus mit einem ungeschriebenen Gesetz im Vatikan: Eigentlich werden keine Spitzenpolitiker im Wahlkampf empfangen. Der Kirchenstaat ist in solchen Fällen um Neutralität bemüht. Im Anschluss an die Audienz besuchte Merkel die christlich-jüdische Ausstellung "Die Menora" in den Vatikanischen Museen.

fab/dpa/Reuters



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
c.j.oewi 17.06.2017
1. "Er hat mich ermutigt"
Was soll diese Show von Frau Merkel beim Papst in Rom? Frau Merkel ist gerade auf dem besten Weg Mauern (unsichtbare) aufzubauen, um ihre Fehler bei der Flüchtlingspolitik zu vertuschen. Sie geht von einer Welt aus in der alle Menschen gewinnen sollen an Wohlstand, an Reichtum, an Ehre und Würde. Was für eine Farce!!! Entweder ist der Papst schlecht informiert über die Politik dieser Frau oder er ist sehr naiv. Eigentlich werden keine Spitzenpolitiker im Wahlkampf empfangen, weshalb wurde ausgerechnet bei Frau Merkel eine Ausnahme gemacht???
franz.v.trotta 17.06.2017
2.
Hat die Kanzlerin mit dem Hl Vater auch darüber gesprochen, dass sie seit 12 Jahren in Deutschland eine Politik betreibt, durch die die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden? Hat sie von den fast 1 Millionen Obdachlosen gesprochen, die auf Deutschlands Straßen leben? oder davon, dass in Deutschland Kinder immer noch das größte Armutsrisiko darstellen? - Hat sie Verständnis dafür gefunden, dass sie sich von der Willkommenskultur-Kanzlerin zur Abschottungs- und Abschiebekanzlerin gemausert hat? Hat der Hl Vater auch dazu gnädig gelächelt? -- Darüber hätte ich gerne etwas erfahren.
Fragen&Neugier 17.06.2017
3.
Zitat von franz.v.trottaHat die Kanzlerin mit dem Hl Vater auch darüber gesprochen, dass sie seit 12 Jahren in Deutschland eine Politik betreibt, durch die die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden? Hat sie von den fast 1 Millionen Obdachlosen gesprochen, die auf Deutschlands Straßen leben? oder davon, dass in Deutschland Kinder immer noch das größte Armutsrisiko darstellen? - Hat sie Verständnis dafür gefunden, dass sie sich von der Willkommenskultur-Kanzlerin zur Abschottungs- und Abschiebekanzlerin gemausert hat? Hat der Hl Vater auch dazu gnädig gelächelt? -- Darüber hätte ich gerne etwas erfahren.
Es steht ja zu Beginn des Artikels: "nach eigenen Angaben". Der Hl Vater hat sich nach meinem Kenntnisstand nicht dazu geäussert, was er oder die Kanzlerin in der Audienz besprochen haben - wohl kaum Ihre Themen - das behauptet auch die Kanzlerin nicht.
IMOTEP 17.06.2017
4. Bademantel
Jetzt rüstet Merkel auf, moralisch natürlich. Das wird Aufsehen erregen und Eindruck machen. Ganz besonders D.T. wird ihr dafür Respekt zollen. Er wird ihr sagen, das auch er letztens im Vatikan war und dort ein nettes Gespräch mit einem älteren Herrn im weißen Bademantel geführt hat, man hatte Geschenke ausgetauscht, die Frauen waren schwarz kostümiert und alles war Nice. Zu weiterem wird es auf dem Gipfel nicht kommen zu verschieden sind doch ihre Ansichten. Das ist dann nicht Nice und Merkel wird wieder trotz Pabst unbefriedigt sein.
123egal 17.06.2017
5. @1-3
Bitte vergessen Sie Ihre Aluhüte nicht. Belegen Sie doch mal Ihre "Meinungen" mit Belegen, wie dich die soziale Unterschicht vor und nach 2015 entwickelt hat. Stattdessen nur die Platitüden- wie immer. Montag abends reicht wohl nicht mehr aus, sich in Dresden zu treffen...die 5% Hürde ist bald in Reichweite ;)
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