Merkels Afrikareise Deutschland und Senegal wollen illegale Migration bekämpfen

Der senegalesische Präsident Macky Sall hat Angela Merkel zugesagt, gemeinsam gegen illegale Einwanderung nach Europa vorzugehen. Der Kampf gegen Schleuser sei "eine Frage der Würde Afrikas".

Angela Merkel und Macky Sall
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Angela Merkel und Macky Sall


Bundeskanzlerin Angela Merkel und der senegalesische Präsidenten Macky Sall haben eine enge Zusammenarbeit ihrer Länder in der Migrationspolitik angekündigt. Das betreffe sowohl den Kampf gegen Schlepper und Schleuser als auch die Schaffung legaler Wege nach Europa, sagten beide am Mittwoch in der senegalesischen Hauptstadt Dakar. Merkel und Sall betonten zudem, die Wirtschaftsbeziehungen ihrer Länder ausbauen zu wollen.

"Wir wollen gegen illegale Migration kämpfen", sagte Sall. Der Kampf gegen die Schleuser sei "eine Frage der Würde Afrikas". Die dortigen Regierungen dürften sich nicht zu Komplizen von Schleppern und Schleusern machen.

Sall forderte zudem von Europa, den Menschen in seinem Land Perspektiven für eine legale Zuwanderung und Arbeitsmöglichkeiten durch Visa zu schaffen. Der senegalesische Staatschef zeigte Verständnis für Bedenken in Europa angesichts hoher Flüchtlingszahlen, er hob jedoch auch hervor: "Europa sollte keine Angst haben vor Migranten."

Von deutscher Seite gebe es "sehr großes Verständnis" für die Forderung nach der Erteilung von Visa, sagte Merkel. Aber gleichzeitig müssten im Senegal Jobs geschaffen werden, um den Menschen eine Perspektive zu bieten.

Merkel und Sall bei der Pressekonferenz
FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Merkel und Sall bei der Pressekonferenz

"Es gibt ein Afrika, das sich auf den Weg gemacht hat"

Senegal blickt auf ein Wirtschaftswachstum von rund sieben Prozent. Salls Regierung schafft es bisher jedoch nicht, genügend Ausbildungs- und Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, um ausreichend Perspektiven für die junge Bevölkerung zu schaffen - Senegal gehört weiterhin zu den ärmsten Ländern der Welt. Daher machen sich auch junge Senegalesen auf den gefährlichen Weg durch die Sahara und über das Mittelmeer Richtung Europa. In Deutschland haben sie jedoch kaum Aussicht auf Asyl: Das westafrikanische Land ist seit den Neunzigerjahren als sicheres Herkunftsland eingestuft.

Sall kritisierte bei der Pressekonferenz, dass Europa in den Medien als ein Kontinent ohne Probleme dargestellt werde, als ein "Eldorado". Es müsse aber auch ein positiveres Bild der Entwicklungen seines Kontinents gezeichnet werden, sagte er: "Es gibt ein Afrika, das sich auf den Weg gemacht hat."

Der Senegal war am Mittwoch die erste Station auf Merkels dreitägiger Westafrika-Reise, die sie bis Freitag noch nach Ghana und Nigeria führen wird. Auch dort dürfte die Migrationspolitik eine bedeutende Rolle spielen.

Bei Merkels Reise soll es auch um die wirtschaftlichen Entwicklung der drei Länder gehen. Die Kanzlerin wird von Unternehmern begleitet, sie kommen unter anderem aus den Bereichen Elektrifizierung, Automatisierung, Digitalisierung, Infrastruktur, Wasserwirtschaft und erneuerbaren Energien. Während Merkel und Sall im Präsidentenpalast vor die Presse traten, unterzeichneten deutsche Wirtschaftsvertreter und die senegalesische Regierung ein Abkommen zur Versorgung von 300 Dörfern mit Solarstrom. Investitionsvolumen: 120 Millionen Euro.

Merkel kündigte an, sich mehr um das wirtschaftliche Potenzial des Senegal bemühen zu wollen. Deutschland müsse noch einiges lernen, um im "Investitionswettbewerb" erfolgreich zu sein, sagte sie. Die Bundesregierung unterstütze neuerdings deutsche Unternehmen stärker bei Investitionen im Senegal. Besonders China, aber auch die Türkei und die Golfstaaten haben in Westafrika bereits deutlich stärker Fuß gefasst.

aar/dpa/AFP/Reuters

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