Merkel bei Trump Handshake und Küsschen

Erst Macron, jetzt Merkel: US-Präsident Trump hat die Bundeskanzlerin in Washington empfangen. Das Verhältnis der beiden ist angespannt, das Treffen wird kurz sein - trotz wichtiger Themen.

AFP

Ein Gespräch, ein gemeinsames Essen und eine Pressekonferenz - mehr nicht: Das zweieinhalbstündige Arbeitstreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fällt gemessen an der Flugzeit zwischen Berlin und Washington ausgesprochen kurz aus. Der Gastgeber gab sich bei der Begrüßung jedoch Mühe, herzlich zu wirken - obwohl er offenbar keine große Lust auf das Treffen hatte.

Trump wartete auf Merkel vor dem Eingang des Weißen Hauses, klatschte kurz in die Hände, als ihr Wagen vorfuhr - und begrüßte sie mit Handshake und Küsschen. Bei einem kurzen Gespräch im Oval Office vor Journalisten beglückwünschte Trump Merkel zu ihrer Wiederwahl und sagte: "Wir haben eine sehr großartige Beziehung."

Das Verhältnis sei von Anfang an großartig gewesen, manche Leute hätten das aber nicht verstanden, fügte er hinzu. Trump bezeichnete Merkel zudem als "außergewöhnliche Frau".

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Visite in Washington: Merkel und Trump - das Treffen

Erwartet wird, dass die beiden Politiker vor allem über fünf Themen reden werden:

  • Die protektionistische Handelspolitik von Trump. Er hat Zölle auf die Einfuhr von Aluminium und Stahl verhängt. Die EU wurde nach Protesten vorerst bis zum 1. Mai davon ausgenommen. Merkel will bei Trump für eine dauerhafte Befreiung werben.
  • Das Atomabkommen mit Iran. Trump droht damit, den Deal aufzukündigen. Die Bundesregierung bemüht sich um eine Beibehaltung des Vertrags.
  • Auch über den Syrienkonflikt dürften die beiden sprechen.
  • Der Bau der Nord-Stream-2-Gaspipeline von Russland durch die Ostsee. Kritiker in den USA bemängeln, Westeuropa werde dadurch zu abhängig vom Kreml.
  • Die deutschen Militärausgaben, die Trump für zu niedrig hält. Gegenwärtig liegen diese mit 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts unter den zwei Prozent, die das Weiße Haus von allen Nato-Partnern einfordert.

Der neue US-Außenminister Mike Pompeo hat bereits am Freitag in einer Sitzung die Nato-Außenminister dazu aufgerufen, konkrete Pläne vorzulegen, wie die Mitgliedstaaten das sogenannte Zwei-Prozent-Ziel des Militärbündnisses erreichen wollen. Es wird von den USA so interpretiert, dass alle Alliierten spätestens 2024 zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben müssen.

Angespanntes Verhältnis zwischen Merkel und Trump

Nur wenige Tage vor Merkel war mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron ein weiterer hochrangiger Politiker aus Europa bei Trump zu Gast. Macron hielt sich drei Tage lang zu einem formellen Staatsbesuch in Washington auf. Merkel und Macron telefonierten zur Vorbereitung des Besuchs der Kanzlerin vorab miteinander.

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State Dinner in Washington: Ganz großes Gedeck

Der Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanischen Beziehungen, Peter Beyer, warnte vor zu hohen Erwartungen an den Besuch Merkels. "Es wäre schon als Erfolg zu werten, wenn der amerikanische Präsident zuhört und klar wird, dass die Europäer Seite an Seite stehen", sagte der CDU-Politiker.

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Merkel und US-Präsidenten: Früher war mehr Leichtigkeit

Bei Merkels erstem Treffen mit Trump im März 2017 hatte der US-Präsident teils abweisend gewirkt. In den Wochen danach telefonierten die beiden mehrfach, aber in den vergangenen Monaten hat sich das Verhältnis zwischen ihnen eher noch verschlechtert.

dop/AFP/dpa



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
TOKH1 27.04.2018
1. Was soll bitte bei einem Treffen
eines "was kümmert mich meine Meinung von eben"-Präsidenten und einer "es darf sich nichts verändern"-Kanzlerin herauskommen? Bitte klärt mich auf? Selbst wenn ER IHR etwas verspricht, wird es spätestens zum Abflug nach Germany keine Bedeutung mehr haben. Alles wird "wonderfull" and "gread" sein. Fertig.
mimas101 27.04.2018
2. Ähh
auf dem zweiten Bild sieht Trump plötzlich eher wie ein wohlerzogener Ehemann aus der der Hausfrau gerade aus dem Mantel hilft und drauf wartet das sie ihm die Erlaubnis erteilt Hausschlappen beim Bodenwischen tragen zu dürfen. Bei den Zöllen (EWG-Sache) muß man die weitere Entwicklung abwarten, auch die US-Wirtschaft läuft Sturm gegen Trump. Die 2% vom BIP Militärausgaben waren der dümmste anzunehmende Hintertreppenwitz der Geschichte gewesen, besser wäre gewesen ein Verteilerschlüssel und die Festlegung eines Mindestequipments. Was die Gaspipeline betrifft: Kann die USA störungsfrei eine Energieversorgung von Europa durch die USA garantieren? Nein sage ich da nur. Offensichtlich befürchten die US-Ölkonzerne nur das hier eine Konkurrenz aus Putins Reich erwächst und die Renditen an der Wall Street dann gefährden. Beim deutschen Exportüberschuß wird man Dee Tee halt mal klar zu machen haben das der nicht so hoch wäre wenn die US-Wirtschaft weltweit gleichwertiges bieten könnte und das auch noch frei von Spionagetechnik ist. Der Rest - ziemlich kleine Fische halt. .
Atheist_Crusader 27.04.2018
3.
Trump wertet bekanntlich seine persönliche Meinung von Staatschefs höher als das Gewicht ihrer Argumente. Von daher darf bezweifelt werden, dass Merkel etwas erreichen kann, was Macron nicht geschafft hat. Andererseits musste man dem Mann auch immer wieder erklären, dass die EU einen Handelsblock bildet und er nicht bloß mit nur einem Mitglied Abkommen schließen kann. Also wer weiß? Vielleicht kommt er ja nachher zu dem Schluss, dass das doch nicht bloß einen Handelskrieg mit den "bösen Deutschen" auslösen würde. Was die Militärausgaben angeht: da hat Deutschland bereits zugesagt (wie auch der Rest der NATO), diese Vorgaben bis 2024 zu erfüllen. Aber da wird wohl kaum Kommunikation möglich sein, da Merkel gerne auch Dinge in diese Zahlen mit einfließen lassen möchte die eher ins diplomatische Ressort fallen (klassische deutsche Post-WW2 Realitätsverweigerung) - und Trump zwischendurch immer mal wieder glaubt, dass NATO-Mitglieder Geld direkt an die USA zahlen müssten. Zum Thema Syrien wird gar nichts passieren. Die USA sind zu allem bereit (oder auch mal zu gar nichts, je nach Tageslage), Deutschland kriegt es ja kaum hin ernsthaft mitzureden. Das sind zwei völlig unterschiedliche Gewichtsklassen.
OhMyGosh 27.04.2018
4. Trumps DIS
Der intelligente Beobachter der politischen Welt wird sich schon fragen, welcher der vielen Persönlichkeiten Trumps im Gespräch mit Angela Merkel dieses Mal agieren wird.
freizeitverkaeufer 27.04.2018
5. Zuerst mal Schluss mit Trump-Bashing. ..
...in der deutschen Qualitätspresse. Dann sollte unsere untersetzte Freiheitsstatue auch mal begreifen, dass man die Hand die einen füttert nicht unbedingt schlagen sollte. Die USA ist schließlich unser Exportmarkt No.1 weit vor Frankreich oder China. Statt also Freiheitsoden anzustimmen und als letzte liberale Bastion im Westen zu gerieren, sollte Merkel sich bewusst machen wer die deutsche Freiheit mit seiner militärischen Macht seit Jahrzehnten absichert. Außerdem hat Amerika erstklassige Produkte vom -funktionierenden- Herkules-Transporter bis zur F15, die bereits fliegt. Ganz im Gegensatz übrigens zum geplanten Airbus-Dassault - Jäger vom welschen Nachbarn, dem nächsten deutschen Rüstungs-Milliardengrab. Genau von dem Frankreich, das die Deutschen schon beim Eurofighter im Regen stehen ließ und stets darauf bedacht ist die deutschen Transferleistungen in der EU zu erhöhen und dabei noch selbst als Hoffnungsttäger der EU aufzutreten. Wie gut wäre unser bester Verbündeter seit dem 2. Weltkrieg -und das sind die USA zweifelsohne- wohl gestimmt, wenn Deutschland ein kompetenter und fähiger Aliierter wäre anstatt sich von Mal zu Mal hinter der EU zu verstecken und sich dafür von den eigenbedachten EU - Partnern regelmäßig über den Tisch ziehen zu lassen. Manchmal wünschte ich beim BDI wäre man ein wenig klüger, dann könnte man Merkel sicher auch besser beraten.
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