Telefonat nach Amtsantritt Merkel und Trump betonen Bedeutung der Nato

US-Präsident Donald Trump und Kanzlerin Angela Merkel haben bei ihrem Telefonat Gemeinsamkeiten hervor gehoben: Die Nato sei wichtig, Terrorismus wolle man bekämpfen - und beide wollen sich bald besuchen.

Donald Trump
REUTERS

Donald Trump


Der neue US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben in einem Telefonat die "fundamentale Bedeutung" der Nato für die transatlantischen Beziehungen und die Bewahrung von Frieden und Stabilität betont. Sie bekräftigten zudem die Absicht, "die ohnehin schon ausgezeichneten bilateralen Beziehungen in den nächsten Jahren noch zu vertiefen", heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Beide seien überzeugt, dass "eine gemeinsame Verteidigung angemessene Investitionen in die militärischen Fähigkeiten und einen fairen Beitrag aller Verbündeten zur kollektiven Sicherheit erfordert", hieß es zu dem ersten Gespräch der beiden seit Trumps Amtsantritt. Zuvor hatte sich der neue US-Präsident mehrfach darüber beschwert, die anderen Partner des Verteidigungsbündnisses würden nicht genug für das Militär ausgeben - die Nato sei in ihrer jetzigen Form "obsolet", sagte er erst vor wenigen Tagen.

Trump besucht im Juli Hamburg

Nun hätten Merkel und Trump die enge Zusammenarbeit beider Länder für Sicherheit und Wohlstand hervor gehoben, hieß es zu dem nach Angaben des Weißen Hauses 45 Minuten langen Gesprächs.

Ob in dem Telefonat auch über die Frage der Aufhebung der Sanktionen gegen Russland gesprochen wurde - oder über Trumps Einreisestopp für Menschen aus mehreren muslimischen Ländern, ist offen. Das Gespräch war mit Spannung erwartet worden, weil Trump Merkels Entscheidung, Flüchtlinge aufzunehmen, als "katastrophalen Fehler" bezeichnet hatte.

Merkel und Trump verständigten sich den Angaben zufolge ebenfalls darauf, ihre Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus und den gewalttätigen Extremismus sowie bei der Stabilisierung des Nahen und Mittleren Ostens und Nordafrikas zu intensivieren. Weitere Themen des Gesprächs waren die Beziehungen zu Russland und der Konflikt in der Ostukraine.

Trump und Putin wollen gemeinsamen gegen IS vorgehen

Trump nahm zudem die Einladung der Bundeskanzlerin zum G20-Gipfel in Hamburg im Juli an - und lud sie nach Washington ein: Der US-Präsident habe Merkel "seine Freude ausgedrückt, sie bald in Washington zu begrüßen".

Nach dem Gespräch mit Merkel verständigte sich Trump in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ebenfalls darauf, den internationalen Terrorismus gemeinsam zu bekämpfen. Die Einsätze beider Länder gegen den "Islamischen Staat" und andere Terrormilizen im Syrien-Konflikt sollten künftig koordiniert werden, teilte der Kreml mit.

"Beide Seiten zeigten ihre Bereitschaft, für eine aktive und gemeinsame Arbeit, um die russisch-amerikanische Zusammenarbeit zu stabilisieren und weiterzuentwickeln", hieß es. Weitere Themen des Telefonats seien die strategische Stabilität, das iranische Atomprogramm, die Lage auf der koreanischen Halbinsel und die Ukraine gewesen. Die Präsidenten hätten ihre Stäbe angewiesen, Ort und Zeit eines möglichen Treffens zu klären.

"Der Anruf war ein bedeutender Anfang, die Beziehungen zwischen den USA und Russland zu verbessern, die gelitten haben", teilte das Weiße Haus über das etwa einstündige Gespräch mit. Putin und Trump seien hoffnungsvoll, sich rasch der Terrorismusbekämpfung und anderen gemeinsamen Themen zuzuwenden.

Außer mit Merkel und Putin telefonierte Trump auch mit Japans Regierungschef Shinzo Abe, dem australischen Premierminister Malcolm Turnbull und Frankreichs Staatschef François Hollande.

Hollande mahnte Trump, die internationale Zusammenarbeit beizubehalten. Eine Lösung des Syrien-Konflikts sei ohne die Uno nicht möglich. Er warnte ihn vor Protektionismus: "In einer instabilen Welt voller Ungewissheit wäre eine Hinwendung nach innen eine Sackgasse", sagte der französische Staatschef dem Präsidialamt in Paris zufolge. Hollande nannte das Verteidigungsbündnis Nato demnach "unverzichtbar".

apr/Reuters/AFP/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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pragmat 28.01.2017
1. Europäische Armee
Damit wäre wohl die Europäische Armee erledigt, denn es ist witzlos, eine parallele Struktur zur NATO zu schaffen. Die kostet und bringt nichts über das, was auch die NATO leisten kann. Übrigens, "obsolet" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "veraltet" und nicht "überflüssig". Was Monsieur Hollandes Anmerkung angeht, der Konflikt in Syrien könnte nicht ohne die UNO gelöst werden, so hat sich wohl nicht nur Mr. Trump gewundert. Ich wüßte nicht, dass die UNO eine der Kriegsparteien ist, die Frieden schließen sollen.
Profdoc1 28.01.2017
2. Nee, ....
den Artikel möchte ich garnicht kommentieren. Das sind zunächst die üblichen diplomatischen Geflogenheiten. Interessant ist eher, dass es nicht zu einem Eklat gekommen ist. Soweit, so Standard. Viel schlimmer ist die Tatsache, dass nun nicht 'mal deutsche Politiker in die USA reisen dürfen, weil sich u.a. im Iran geboren wurden und entsprechend einen Pass besitzen. Geht's noch? Also, es reicht jetzt!
freddygrant 28.01.2017
3. Es ist doch ...
... nicht mehr als ein alibihafter Minimalkonses, wenn die beiden (Trump & Merkel) ganz normal bestehende Wirtschafts- und Handelsbeziehungen und den längst installierten "Sicherheitspakt" NATO als ausgezeichnet bezeichnen müssen. Über die schlimmen Folgen des Regierungswechsels in den USA drückt man sich vorerst noch.
burghard42 28.01.2017
4. Da
bin ich aber beruhigt: die Bedeutung der Nato an erster Stelle zu bestätigen ist ja eminent wichtig für mich, insbesondere bei der aktuellen Bedrohung durch die Russen an allen Fronten...... und natürlich auch der freundliche (verdeckte) Hinweis an Schäuble zur Öffnung der Geldschleusen für die notleidende Bundeswehr.... Merkel und Trump auf/in Augenhöhe......wer hätte das gestern noch ahnen können ,wie schnell das doch geht....... Ironie aus Wichtiger wäre doch eher : einen Besuchstermin zu vereinbaren für ein "4 Augen Gespräch"
Erythronium2 28.01.2017
5. rascher Meinungswechsel
Jetzt müsste man nur noch wissen, welche von Trumps Äußerungen länger als eine Woche gelten und welche nicht. Kürzlich wollte Trump, auch gegen den erklärten Willen der Russen, eine Flugverbotszone in Syrien durchsetzen. Jetzt möchte er gemeinsam mit Putin den IS bekämpfen. Kürzlich war die NATO für ihn überflüssig, jetzt ist sie mal wieder wichtig. Es hatte halt schon etwas für sich, dass kaum jemand auch nur ernsthafte Chancen auf das Präsidentenamt hatte, ohne vorher in anderen politischen Ämtern Erfahrung gesammelt zu haben.
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