Kommentar zu Merkels Moskau-Reise Alle Hektik ist angebracht

Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Hollande reisen kurzfristig nach Moskau, um die Ukraine-Krise zu entschärfen. Das ist Symbolpolitik von der richtigen Sorte. Sie zeigt einen Führungsanspruch, den Europa dringend braucht.

Diplomatisches Duo: Kanzlerin Merkel und Präsident Hollande
REUTERS

Diplomatisches Duo: Kanzlerin Merkel und Präsident Hollande

Ein Kommentar von , Brüssel


Es ist nicht schwer, die seltsamste Art von Krisendiplomatie zu verspotten, die Last-minute-Diplomatie. Es sieht immer etwas unglücklich aus, wenn gestandene Staatsleute wie Kanzlerin Angela Merkel oder Frankreichs Präsident François Hollande urplötzlich für ein paar Stunden in fremden Hauptstädten einschneien, wie am Donnerstag in Kiew und am Freitag bei Russlands Präsident Wladimir Putin.

Kann so ein Krisen-Sprint überhaupt helfen, fragt man sich. Können neue Vorschläge für einen dauerhaften Waffenstillstand in letzter Minute Putin wirklich beeindrucken, nach all den quälend langen Monaten des Konflikts?

Aber derlei Spott ist zu einfach. Selbst wenn die Pendeldiplomatie des diplomatischen Duos Merkel/Hollande nichts Greifbares ergeben sollte, zählt doch die Symbolik. Europas allerhöchste Ebene bemüht sich um Frieden, ja, sie kämpft regelrecht darum.

Das ist in diesen komplizierten Tagen eine unerhört wichtige Botschaft. Sie unterstreicht, dass sich Europa selbst noch ernst nimmt.

Schließlich hat der Kontinent gleich zwei Prüfungen zu bestehen. Die Europäer müssen nach innen ihre Gemeinschaft zusammenhalten, da die ökonomische Krise zu einer politischen zu werden droht, Stichwort: Griechenland.

Und sie müssen nach außen beweisen, dass sie allen internen Konflikten zum Trotz ihre ureigenen Werte weiterhin zu verteidigen bereit sind, Stichwort: Ukraine.

Der Konflikt dort ist bislang ein regionaler

Sollte er global werden, wie es manche Falken in Moskau und Washington herbeifiebern, wäre es für fast alles zu spät. Die aktuellen Gedankenspiele der Amerikaner über Waffenlieferungen an die Ukraine wecken böse Ahnungen.

Denn auch wenn die Amerikaner zu Recht Zweifel an der Einigkeit und Entschlossenheit der Europäer anmelden - eine militärische Lösung für diesen Konflikt gibt es nicht.

Daran zu erinnern, ist jede Last-minute-Diplomatie wert. Aussprechen muss diese Botschaft vor allem die mächtigste Führungsfigur Europas, Angela Merkel (Pardon, Monsieur le Président Hollande).

Freilich kann jede Vermittlung in Sachen Ukraine nur gelingen, wenn nicht gleichzeitig Europa in der Krise zerreißt und Krisenstaaten wie Griechenland nicht in Versuchung gebracht werden, in die Arme russischer Verführer zu fliehen.

Hoffentlich agiert Merkel ähnlich entschieden wie in Sachen Ukraine, wenn es bei den aktuellen Verhandlungen mit Griechenland ebenfalls um Frieden geht, eben um den inneren - darum, die europäische Gemeinschaft zusammenzuhalten.

Zum Autor
Dennis Drenner
Gregor Peter Schmitz ist Europa-Korrespondent bei SPIEGEL ONLINE mit Sitz in Brüssel.

E-Mail: Gregor_Peter_Schmitz@spiegel.de

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