Abschied vom früheren US-Präsidenten Merkel weinte, als Obama ging

"Sie ist ganz allein", hat US-Präsident Barack Obama nach der Wahl von Donald Trump über Angela Merkel gesagt. Ein neues Buch erzählt von den emotionalen Momenten des ehemaligen US-Präsidenten.

Angela Merkel und Barack Obama bei einem Abendessen im Adlon im November 2016
DPA/ Bundesregierung

Angela Merkel und Barack Obama bei einem Abendessen im Adlon im November 2016


Ein Grund, warum Angela Merkel sich verpflichtet fühlte, sich 2017 noch einmal fürs Kanzleramt zu bewerben, ist angeblich Donald Trump. So zumindest steht es in einem neuen Buch, das Einblick in das emotionale Leben des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama gibt. Über das Buch berichtet die "New York Times", es soll in wenigen Tagen erscheinen. Der Titel: "Die Welt, wie sie ist".

Der Autor Ben Rhodes, einer der engsten Vertrauten des früheren Präsidenten, schreibt darin auch über die seltenen Selbstzweifel, die Obama nach dem Sieg von Trump hatte. "Was ist, wenn wir falsch lagen?" fragte er demnach seine Berater.

"Vielleicht sind wir zu weit gegangen", sagte Obama laut des Berichts. "Vielleicht wollen die Leute einfach auf ihre Stammesidentitäten zurückfallen." Seine Berater versicherten ihm, dass die Amerikaner ihn wiedergewählt hätten, wenn er sich nochmal hätte aufstellen dürfen. Das schien den ersten schwarzen Präsidenten der USA nicht zu überzeugen. "Manchmal frage ich mich, ob ich zehn oder zwanzig Jahre zu früh dran war", sagte er.

Obama und Merkel im November 2016
DPA

Obama und Merkel im November 2016

Obama war von der Wahl Trumps schockiert, er fürchtete um sein politisches Erbe. Als er das Amt, und damit die Macht, an ihn übergeben musste, verglich er seine Situation mit der des Protagonisten im Film "Der Pate": "Ich fühle mich wie Michael Corleone. Ich bin fast entkommen."

Auch internationale Figuren kommen in dem Buch vor, unter anderem Merkel. Die Kanzlerin hatte Obama erzählt, sie wolle sich auch noch einmal fürs Kanzleramt bewerben, weil sie die liberale internationale Ordnung verteidigen wolle. Als sie sich das letzte Mal im Amt sahen, hatte Merkel eine einzelne Träne im Auge. "Sie ist ganz allein", sagte Obama zu Rhodes. Auch sein letzter Anruf galt der Kanzlerin.

In dem Buch geht es auch um die Russlandaffäre. Trotz der auch von ehemaligen Beratern geäußerten Kritik glaubt Obama nicht, dass er viel mehr hätte tun können. Eigentlich hatte er ein Statement der Geheimdienste autorisiert, das vor der Einmischung Russlands warnte. Doch der republikanische Senator Mitch McConnell habe die Veröffentlichung eines von beiden Parteien getragenen Statements verweigert.

Video: Obamas Weg - Der erste schwarze Präsident der USA

Pete Souza/Official White House

höh



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