Angriff auf Militärposten in Pakistan: USA gestehen Fehler ein

Kaum Kommunikation, mangelndes Vertrauen und veraltete Karten: Bei dem Nato-Angriff auf einen pakistanischen Militärposten ist nach einer Untersuchung des US-Verteidigungsministeriums einiges falsch gelaufen. Eine offizielle Entschuldigung des Pentagons gab es aber nicht.

Proteste nach dem Angriff auf pakistanischen Militärposten: US-Flaggen verbrannt Zur Großansicht
AFP

Proteste nach dem Angriff auf pakistanischen Militärposten: US-Flaggen verbrannt

Washington - Knapp einen Monat ist es her, dass bei einem Nato-Angriff auf einen pakistanischen Grenzposten 24 Soldaten starben, nun liegt der Untersuchungsbericht des US-Verteidigungsministeriums vor. Danach sehen die USA Fehler auf beiden Seiten. Diese seien sowohl vor als auch während der Angriffe begangen worden, teilte das Pentagon mit.

Grund für den versehentlichen Luftangriff Ende November seien mangelndes Vertrauen und eine "unangemessene Koordination" zwischen Amerikanern und Pakistanern gewesen. Zudem habe es eine Reihe von Fehlern bei der Kommunikation gegeben, hieß es weiter. US-Truppen hätten unter anderem die falschen Karten verwendet und nicht über die Positionen der pakistanischen Grenzsoldaten Bescheid gewusst, sagte der Leiter der Untersuchung, Brigadegeneral Stephen Clark.

Auch Pentagon-Sprecher George Little führte den Angriff auf "Missverständnisse" zurück. Er verteidigte das Verhalten der amerikanischen Truppen. Sie hätten gedacht, sie würden angegriffen und hätten Verstärkung durch Nato-Luftangriffe angefordert.

Den USA und der Nato zufolge waren internationale Truppen im afghanischen Grenzgebiet zu Pakistan unter Beschuss geraten und Verstärkung durch Nato-Luftangriffe angefordert. In der Mitteilung des US-Verteidigungsministeriums hieß es dazu, die US-Kräfte hätten "angesichts der Informationen, die ihnen derzeit zur Verfügung standen, in Selbstverteidigung und mit der angemessenen Stärke gehandelt, nachdem sie beschossen worden waren".

USA: Kein vorsätzlicher Angriff

Damit wiesen die USA die Darstellung Pakistans zurück. Islamabad hatte den Angriff auf ihre Soldaten als absichtlichen Akt der Aggression kritisiert und als Reaktion die Versorgungsrouten für die Nato nach Afghanistan geschlossen.

Der für die Untersuchungen zuständige Offizier sei außerdem zu dem Schluss gekommen, "dass es keine Absicht gab, Personen oder Orte anzugreifen, von denen man weiß, dass sie zum pakistanischen Militär gehören". Es sei auch nicht beabsichtigt gewesen, "pakistanischen Offiziellen falsche örtliche Informationen zu geben".

Keine Entschuldigung des Pentagon

Die USA drückten zudem ihr "tiefstes Bedauern" über den Verlust an Menschenleben aus und über "den Mangel an angemessener Koordination..., der zu den Verlusten beitrug". Nun müsse alles getan werden, um aus den Fehlern zu lernen, hieß es in der Mitteilung weiter. Eine offizielle Entschuldigung, wie sie Pakistan gefordert hatte, blieb aber aus.

Es wurde erwartet, dass der Untersuchungsbericht die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Islamabad und Washington weiter verschlechtern könnte.

heb/dpa/dapd

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1.
Kaygeebee 22.12.2011
Diese Bastarde im Pentagon! Der angegriffene Posten hat mehrmals versucht mit der NATO (Nordatlantische Terrororganisation) zu kommunizieren und ihnen mitzuteilen dass sie einen pakistanischen Militärposten beschießen. Eine Antwort kam nie zurück, nur mehr Hellfire-Raketen. Der Fehler liegt komplett auf der Seite der NATO und Amerikaner. Einem Land, dessen Soldaten von den Verbündeten getötet wurden, zu sagen dass der Fehler auch bei ihnen liegt ist blanker Hohn und zeugt von der maßlosen Arroganz und Ignoranz. Stellt euch mal vor die pakistanische Armee hätte 30 Minuten einen amerikanischen Posten "aus Versehen" beschossen". Was käme da für ein Geschrei aus Washington.
2. Ende der Debatte, die USA hat gesprochen
joachim_m. 22.12.2011
Man kann es auch anders ausdrücken, die USA haben sich wieder einmal so benommen, wie sie sich immer benehmen, und das haben die anderen zu fressen. Schluss, Punkt, und wer etwas anderes sagt ist Unterstützer von Islamisten.
3. Toll
kalif1978 23.12.2011
Zitat von sysopKaum Kommunikation, mangelndes Vertrauen und veraltete Karten: Bei dem Nato-Angriff auf einen pakistanischen Militärposten ist nach einer Untersuchung des US-Verteidigungsministeriums einiges falsch gelaufen. Eine offizielle Entschuldigung des Pentagons gab es aber nicht. Angriff auf Militärposten in Pakistan: USA gestehen Fehler ein - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805471,00.html)
Bald ist es also geschafft. Die Amis und ihre Sklavenstaaten haben endlich einen neuen "Eisernen Vorhang". Diesmal geht es wenigstens nicht nur um billige Lebenseinstellungen ( Kommunismus oder Nationalismus), sondern um den GLAUBEN. Und durch diese "angebliche" Bedrohung, wird man uns ohne Erklärungen, mit Gesetzen und Verordnungen, dann immer weiter drangsalieren! Wir sind auf dem Weg zum totalitären Feudalismus!
4. ohne
Asirdahan 23.12.2011
Zitat von sysopKaum Kommunikation, mangelndes Vertrauen und veraltete Karten: Bei dem Nato-Angriff auf einen pakistanischen Militärposten ist nach einer Untersuchung des US-Verteidigungsministeriums einiges falsch gelaufen. Eine offizielle Entschuldigung des Pentagons gab es aber nicht. Angriff auf Militärposten in Pakistan: USA gestehen Fehler ein - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805471,00.html)
Wenn man wegen mangelnder Kommunikation und schlechtem Kartenmaterial Freund und Feind nicht unterscheiden kann, dann schießt man eben nicht. Bei den Amerikanern scheint aber leider häufig noch der Brauch des Wilden Westens zu gelten: erst schießen, dann fragen.
5.
am681 23.12.2011
Zitat von KaygeebeeDiese Bastarde im Pentagon! Der angegriffene Posten hat mehrmals versucht mit der NATO (Nordatlantische Terrororganisation) zu kommunizieren und ihnen mitzuteilen dass sie einen pakistanischen Militärposten beschießen. Eine Antwort kam nie zurück, nur mehr Hellfire-Raketen.
Mh, waren sie dabei oder sind das nur Vermutungen oder glauben sie alles was ihn ein diktatorisches Regime sagt? Die Fehler liegen mehr wohl auf beiden Seiten, die USA gibt ihre Fehler jetzt wenigstens zu, was man bei Pakistan nicht erwarten kann. Da stimme ich ihnen. Kaygeebee - KGB? Sie werden wohl alles kritsieren, was die USA/Nato/Westen betrifft.
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Drohnen im Einsatz: Krieg per Mausklick

Fakten über Pakistan
Staatsgründung
REUTERS
Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .
Kaschmir-Konflikt
REUTERS
Seit der Staatsgründung führte Pakistan zwei große Kriege mit dem Nachbarn Indien um die Grenzregion Kaschmir , 1947/48 und 1965. Der Fürstenstaat Kaschmir hatte sich zunächst zu Indien zugehörig erklärt. Der islamische Staat Pakistan beanspruchte das überwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir jedoch für sich und gewann die Herrschaft über den westlichen und nördlichen Teil der Region. Doch auch Indien betrachtete Kaschmir als sein Territorium. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt.

Seit den achtziger Jahren kämpfen im indischen Teil Kaschmirs muslimische Rebellen für die Unabhängigkeit der Region oder einen Anschluss an Pakistan. 1999 kam es wieder zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten, und 2001 standen die Atommächte Indien und Pakistan erneut am Rande eines Krieges. 2004 wurde ein Friedensprozess zwischen Neu-Delhi und Islamabad eingeleitet.

Der pakistanische Geheimdienst ISI steht im Verdacht, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu pflegen. Indien wirft Pakistan die Unterstützung muslimischer Terroristen vor. Auch hinter der Anschlagserie in Mumbai 2008 vermutet Neu-Delhi islamistische Terroristen aus Pakistan.

Islam
AP
Mit der Verfassung von 1956 wurde Pakistan die erste islamische Republik der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig garantiert die Verfassung jedoch Religionsfreiheit. 96 Prozent der Pakistaner sind Muslime, der Präsident muss ebenfalls Muslim sein. Seit der Staatsgründung haben Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen über die Rolle des Islam im Staatsverständnis die Innenpolitik beherrscht.

Immer wieder gab es auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul-Haq die Scharia , die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban -Regime in Afghanistan an und unterstützte es bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 . Während die Zentralregierung in Islamabad zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg avancierte, erstarkte die islamistische Opposition im Land.

Macht der Taliban
REUTERS
In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban , die sich teilweise auf die Hilfe der regionalen Stammesführer stützen. Die Enttäuschung über die korrupte staatliche Justiz und Verwaltung erhöhte die Attraktivität des Islamismus in der Bevölkerung.

Verstärkung erhielten die radikalen Islamisten von afghanischen Taliban aus den Reihen von Mullah Omar sowie Qaida -Kämpfern, die aus Afghanistan geflohen sind. Militante betreiben hier in Waziristan auch Ausbildungslager für international operierende Dschihadisten.

Kampf gegen die Extremisten
dpa
Die pakistanische Armee führte ab 2003 wiederholt Militäraktionen im Nordwesten gegen die Taliban - und Quaida -Terroristen durch. Als Reaktion verübten Terroristen verheerende Anschläge in pakistanischen Städten.

Die Amerikaner versuchen, die islamistischen Extremisten in ihren pakistanischen Verstecken mit ferngesteuerten Präzisionsraketen zu treffen. Doch diese Drohnen -Angriffe sind bei der Bevölkerung äußerst unpopulär und treiben die Menschen in die Arme der militanten Islamisten.

Das pakistanische Militär scheute zunächst die ernsthafte Konfrontation mit den Extremisten. Die Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI haben diese Gruppierungen zum Teil Anfang der achtziger Jahre selbst aufgebaut, um im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan mitzumischen, und haben sie später im Kaschmir-Konflikt eingesetzt. Und noch immer betrachten viele Offiziere die Taliban nicht als ihren eigentlichen Gegner – der wahre Feind sei Indien .

Um die Aufständischen in den Stammesgebieten ruhigzustellen, versuchte schon Präsident Pervez Musharraf , Abkommen mit ihnen zu schließen, und versagte. Im April 2009 scheiterte ein Friedensabkommen, das sein Nachfolger, Staatschef Asif Ali Zardari , ausgehandelt hatte: Die Taliban sollten die Waffen niederlegen und im Gegenzug in der Region Malakand, zu der das Swat-Tal und fünf weitere Distrikte gehören, die Scharia anwenden dürfen. Mit Hilfe des islamischen Rechts können sich die Taliban die Bevölkerung legal gefügig machen - wer sich gegen ihre Herrschaft auflehnt, wird geköpft. Statt einer Feuerpause brachten sie vom Swat-Tal aus mehrere Distrikte unter ihre Kontrolle und rückten bedrohlich nahe an die Hauptstadt Islamabad heran, bis die Armee im Frühjahr 2009 eingriff und die Gebiete zurückeroberte. Im Oktober 2009 begann das Militär außerdem einen Krieg gegen die Taliban in der Region Südwaziristan.

Atomwaffen
REUTERS
1985 wurde in Pakistan erstmals Uran angereichert, seit 1998 besitzt das Land nachweislich Atomwaffen : Nur Tage nach indischen Atomtests zündete Pakistan im Mai 1998 in der Nähe der unbewohnten Chagai-Berge erfolgreich Kernwaffen. Die genaue Zahl der atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein, die an verschiedenen Stellen im Land gelagert und von rund 10.000 Soldaten bewacht werden.

Damit gehört Pakistan neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Indien, Israel und Nordkorea zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht.

Militärbeobachter befürchten, Nuklearwaffen aus dem pakistanischen Waffenarsenal könnten aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen. Diese hätten damit ein Mittel in der Hand, dem Westen ihre Bedingungen zu diktieren. Geschürt wird die Angst vor diesem Horrorszenario dadurch, dass die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Basis in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ausgebaut haben. Im April 2010 rückten sie bis auf 100 Kilometer Entfernung auf die Hauptstadt Islamabad vor, bevor sie vom pakistanischen Militär zurückgedrängt wurden.