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Angriff in Bengasi: Al-Qaida soll hinter Anschlag auf Botschafter stecken

Von , Beirut

Der tödliche Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi erfolgte offenbar unabhängig von Protesten gegen den umstrittenen Mohammed-Film. Terrorismus-Experten gehen davon aus, dass es sich um eine geplante Attacke von Qaida-Sympathisanten handelte - womöglich ein Racheakt.

Angegriffenes US-Konsulat in Bengasi: Racheakt von Qaida-Sympathisanten? Zur Großansicht
DPA

Angegriffenes US-Konsulat in Bengasi: Racheakt von Qaida-Sympathisanten?

Das Datum lässt aufhorchen. Ausgerechnet am 11. September griffen Extremisten das amerikanische Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi an. Es ist der Jahrestag der Qaida-Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon 2001.

Anscheinend ist das Datum kein Zufall. Experten gehen inzwischen davon aus, dass es sich bei der Attacke auf das US-Konsulat um einen gezielten Racheakt von Extremisten handelt, die mit al-Qaida sympathisieren.

"Der Militärangriff auf das US-Konsulat in Bengasi sollte nicht als Teil der Proteste gegen einen Film gesehen werden, der den Islam beleidigte", schreibt das renommierte Terrorismus-Forschungsinstitut Quilliam Foundation in London. "Wir glauben, dass die Attacke auf das Konsulat ein gut geplanter Terroranschlag war, der einem anderen Zweck diente und der passiert wäre, egal ob es zu einer Demonstration gekommen wäre oder nicht."

Die Quilliam Foundation gilt als gut verdrahtet zum libyschen Extremisten-Milieu: Ihr Leiter, Noman Benotman, gehörte früher selbst zu ihm. Als Dschihadist kämpfte er in Afghanistan und kannte Osama bin Laden persönlich, bevor er dem Dschihadismus abschwor. Nun forscht er zum islamischen Extremismus und kümmert sich um andere Aussteiger.

Mit dem Angriff auf das US-Konsulat sollte offenbar der Tod des Qaida-Vize Abu Jahja al-Libi gerächt werden. Er war bereits im Juni durch einen amerikanischen Drohnenangriff ums Leben gekommen. Doch Qaida-Chef Aiman al-Sawahiri bestätigte erst am Dienstag offiziell dessen Tod in einer Videobotschaft - und rief gleichzeitig darin Libyen auf, den libysch-stämmigen Getöteten zu rächen.

Angriff in zwei Etappen

Offizielle amerikanische Quellen scheinen diese Einschätzungen zu teilen. Dem US-Fernsehsender CNN erklärte ein ungenannter hochrangiger amerikanischer Beamter, dass es sich um eine geplante Attacke gehandelt habe.

Nach Angaben von Augenzeugen fand der Angriff in zwei Etappen statt. Zuerst demonstrierten ein paar Menschen vor dem Konsulat gegen einen Film, der den Propheten Mohammed zeigt - und laut den Protestanten den Islam beleidigt. In einer zweiten Welle sollen etwa 20 Bewaffnete mit Panzerabwehr-Waffen das Konsulat angegriffen haben.

Laut einem US-Beamten, den CNN zitiert, fing das Konsulat an zu brennen. Das Personal sei zwischen den Bewaffneten und dem Feuer eingekesselt gewesen. Bei dem Versuch, sich aufs Dach des Konsulats zu retten, seien der amerikanische Botschafter und die drei anderen Amerikaner, die später ums Leben kamen, vom Rest des Teams getrennt worden. Alle vier seien später im Rauch erstickt, nachdem mehrere Versuche, sie aus dem Gebäude zu befreien, gescheitert waren.

Ein anderer hochrangiger US-Beamter erklärte, dass Washington nun voraussichtlich weitere Überwachungsdrohnen nach Libyen schicken will, um die Täter ausfindig zu machen. Es sollen jedoch keine Angriffsdrohnen eingesetzt werden. Stattdessen wolle man die Aufklärungsergebnisse den libyschen Behörden übergeben, damit diese die Dschihadisten verfolgen könnten.

Washington soll nach Angaben von CNN bereits seit einigen Monaten über dem Osten Libyens Überwachungsdrohnen einsetzen. So sollen mutmaßliche Dschihadisten-Camps aufgespürt werden, die von Qaida-Mitgliedern oder deren Sympathisanten betrieben werden.

Die Extremisten konnten von dem Sturz Muammar al-Gaddafis und dem anschließend mancherorts entstehenden Machtvakuum profitieren. Auch viele Waffen des gestürzten Diktators sind in ihre Hände gelangt.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 59 Beiträge
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1. Überwachungsdrohnen ....
herr_kowalski 12.09.2012
Zitat von sysopDPADer tödliche Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi erfolgte offenbar unabhängig von Protesten gegen den umstrittenen Mohammed-Film. Terrorismus-Experten gehen davon aus, dass sich um eine geplante Attacke von Qaida-Sympathisanten handelte - womöglich ein Racheakt. Angriff auf US-Konsulat in Bengasi war offenbar Anschlag von al-Qaida - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,855501,00.html)
aha, die werden dann die "vermutlichen Täter" festnehmen. Aus der Luft.
2. Qaida
sansiro222 12.09.2012
ist in Ägypten? Hoffentlich wurde nicht durch den von uns unterstützen Friedensprozess ein neues weiteresFreigehege für Terroristen geschaffen. Was für ein Wahnsinn.....
3. Falsche Politik
Malshandir 12.09.2012
Da sieht man es, seit Ghaddafi weg ist, passiert sowas. Der Sturzhat Al Quaida gefördert. Daran sieht man wie kurzfristig nd kurzsichtig der amerikaner ist. Wo waren denn die amerikanischen Spezialkräfte, die Boschaften bewachenß Wo waren denn die geilten Militärschlöge auf die man doch so schnell reagieren könnte.
4. Im Land verhungern
Raus_die_Sau 12.09.2012
Menschen und im Pool baden die Verantwortlichen. Sehr schönes Bild! Danke dafür!
5.
Andreas1979 12.09.2012
Zitat von sysopDPADer tödliche Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi erfolgte offenbar unabhängig von Protesten gegen den umstrittenen Mohammed-Film. Terrorismus-Experten gehen davon aus, dass sich um eine geplante Attacke von Qaida-Sympathisanten handelte - womöglich ein Racheakt. Angriff auf US-Konsulat in Bengasi war offenbar Anschlag von al-Qaida - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,855501,00.html)
An solchen Beispielen, sieht man immer wieder, wie Rückständig die Menschen in diesen Ländern Leben, weil sie keine religiöse Kritik oder ähnlichem tollerant gegenüberstehen. Wir in den modernen Staaten müssen zwar auch oft Sachen ertragen die mit Protesten angegangen werden können, aber halt keiner dafür umgebracht wird und eine ganze Region sich anstacheln lässt, gegen seine Religion zu handeln. Ich finde zwar auch, dass es in der modernen Welt die Achtung der Religion viel zu sehr missachtet wird und ich dies auch nicht gut heißen kann, doch dafür jemanden umbringen, der insbesondere nichts damit zu tun hat ist einfach nur schlimm.
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Wut über US-Film: Gewalt in Kairo und Bengasi

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Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt:
Akila Salih Issa

Regierungschef: Fayez al-Sarraj (nominiert)

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