Angriffe auf Gaza: Hamas schwört Israel Rache

Im Gaza-Konflikt setzen beide Seiten auf Eskalation: Israelis flogen bisher 800 Luftangriffe, Palästinenser feuerten 600 Raketen ab, Dutzende Menschen starben. Die radikalislamische Hamas droht mit Vergeltung für das Bombardement, Israels Außenminister mit einem gezielten Angriff auf Gazas Premier.

Eskalation in Nahost: Luftangriff auf Hamas-Zentrale Fotos
REUTERS

Gaza-Stadt - Die im Gaza-Streifen herrschende radikalislamische Hamas zeigt sich kämpferisch. Am vierten Tag israelischer Luftangriffe erklärte sie: "Israel wird einen hohen Preis für seine Verbrechen zu zahlen haben. Wir schwören Rache für Tod und Schrecken, die die Besatzer über unsere Menschen bringen." "Die palästinensische Regierung unterstreicht ihre Standfestigkeit und ihre Unterstützung für den palästinensischen Widerstand", schrieb Regierungssprecher Ihab Hussein am Samstagmorgen in einer Nachricht an Journalisten. "Sie steht an der Seite des Volkes, das dieser Aggression ausgesetzt ist."

Israel hat nach eigenen Angaben seit Mittwoch mehr als 800 Ziele im Gaza-Streifen angegriffen. Allein in der Nacht zum Samstag seien mehr 180 Luftangriffe geflogen worden, erklärte das Militär am Morgen. Ins Visier genommen wurden Regierungsgebäude, Einrichtungen der Polizei und Schmugglertunnel. Militante Palästinenser feuerten zeitgleich etwa 600 Raketen und Granaten Richtung Israel. 39 Palästinenser und drei Israelis wurden getötet.

In der Grenzregion zieht das israelische Heer immer mehr Soldaten zusammen, was auf eine bevorstehende Bodenoffensive hindeutet. Im Dezember 2008 hatte Israel das letzte Mal Bodentruppen gegen die militante Hamas im Gaza-Streifen eingesetzt.

Primor warnt vor Eskalation

Der Nahostexperte und israelische Ex-Diplomat Avi Primor warnt vor einer militärischen Eskalation im Gaza-Konflikt. Die Mobilisierung von 75.000 Reservisten und die Stationierung von Panzern im Grenzgebiet zum Gaza-Streifen zeigten, dass die Vorbereitungen für eine Bodenoffensive "sehr ernsthaft sind", sagte Primor am Samstag im Deutschlandradio Kultur.

Verantwortlich für den Ausbruch der Gewalt sieht Primor "extremste fundamentalistische Gruppierungen" im Machtkampf innerhalb des Gaza-Streifens. Die radikalislamische Hamas habe die Gewalt "nicht entfesselt", sagte Primor. Für Israel gehe es darum, dass die Hamas diese Gruppierungen unter Kontrolle bringe.

International richten sich die Hoffnungen auf den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi, auf die Konfliktparteien einzuwirken. Auch US-Präsident Barack Obama telefonierte am Freitag mit Mursi. Seit Mittwoch kamen auf palästinensischer Seite mindestens 39 Menschen ums Leben, darunter 13 Zivilisten. Israel beklagt den Tod von drei Bürgern.

Vor der Hamas hatte bereits auch der israelische Außenminister Avigdor Lieberman Vergeltung für die anhaltenden Raketenangriffe angedroht und selbst eine gezielte Tötung von Ministerpräsident Ismail Hanija nicht ausgeschlossen. "Jedes Mal, wenn die Hamas schießt, wird die Antwort noch heftiger ausfallen", sagte er dem Fernsehsender Channel 2. "Ich rate der gesamten Hamas-Führung, uns nicht auf die Probe zu stellen (...) Keiner dort ist unantastbar - weder Hanija noch sonst irgendjemand."

In der Nacht zum Samstag erschütterte eine gewaltige Explosion das Hauptquartier der Polizei in Gaza. Auch das Haus eines Hamas-Kommandeurs wurde getroffen. Krankenwagen brachten Verletzte vom Ort der Detonation weg. Nach Angaben des Innenministeriums schlugen weitere Raketen in einem Regierungsgebäude und mehreren kleineren Stützpunkten der Sicherheitskräfte der Hamas ein. Zudem sei bei einem Luftangriff eine Moschee zerstört worden, teilten die Behörden im Gaza-Streifen mit. Im Süden des Gaza-Streifens standen nach Angaben des örtlichen Stromversorgers mehr als 400.000 Menschen ohne Elektrizität da, weil Geschosse Umspannwerke trafen.

ler/dapd/dpa

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insgesamt 88 Beiträge
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1. Hamas schwört Israel Rache
eulenspiegel_neu 17.11.2012
Die Hamas wird in dieser Eskalation immer den Kürzeren ziehen. Zudem bringt sie selbst Gutmütige und Wohlwollende auf die Seite Israels hinsichtlich deren Handelns. Leiden wird immmer wieder das normale palästinensische Volk durch Tod und Verstümmelungen - Kinder nicht ausgeschlossen. Warum können sich nicht auf beiden Seiten die friedlichen Kräfte durchsetzen, sondern lassen sich von den Radikalen immer wieder in die Ecke stellen? Es wird Zeit, dass das Weltgewissen etwas dazu sagt. Irritierend wirkt die Haltung Ägyptens, das sich einseitig auf die Seite der Hamas schlägt. Wollen sie wieder einen Krieg mitprovozieren, den sie dann verlieren werden? Auch hier wird das normale, friedfertige Volk nicht gefragt, sondern die Regierung macht etwas anderes. Wo soll das alles nur hinführen ...
2. Die Hamas...
Tungay 17.11.2012
...schwört jeden Tag Rache, die Zerstörung Israels oder wirft Bomben und schickt Selbstmordkommandos. Die Hamas hat ihre Drohkulisse ausgereizt, da ist kein Fleisch mehr am Knochen. Ich hoffe Israel ist in diesem Krieg konsequenter gegen seine Feinde, dieser Dauerterror zum Zwecke der Daueralimentierung durch internationale Hilfe muss ein Ende haben.
3. Egal ob die Aktionen
Hirn mit Ei 17.11.2012
gerechtfertig sind oder nicht, eines sollte man sich doch mal fragen: Schafft es Israel mit dieser Strategie langfristig und dauerhaft zu existieren? In 50, 80 oder 100 Jahren? Es ist doch klar das auf Dauer Gewalt zu keinem positiven Resultat führen kann.
4. Ja, wie immer
Augustusrex 17.11.2012
HAMAS beschießt Israel mit Raketen. Nach mehreren Tagen schießt Israel zurück. HAMAS schwört Rache. Ist klar, same procedure as every year....
5. Rache??
anomie 17.11.2012
Erst beschießen die Israel und wundern sich dann, dass der souveräne Staat sich wehrt? Und jetzt soll es Rache sein? Verlogene Hamas.
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Hamas im Gaza-Streifen: Die heimlichen Gewinner der Krise

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Kampf gegen Hamas: Netanjahus gefährliche Strategie

Fläche: 22.072 km²

Bevölkerung: 7,837 Mio.

Regierungssitz: Jerusalem

Staatsoberhaupt: Schimon Peres

Regierungschef: Benjamin Netanjahu

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Israel-Reiseseite


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Israels gezielte Tötungen: Raketen, Gift und Schokolade
Knackpunkte der Nahost-Gespräche
Sicherheit
DPA
Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei. Obwohl es in den vergangenen Jahren kaum noch Selbstmordanschläge palästinensischer Terroristen gibt, fühlen sich die Israelis bedroht.

Die israelischen Grenzstädte werden immer wieder von Raketen der radikalislamischen Hamas beschossen. Schlagen diese Geschosse auf israelischer Seite ein, kommt es regelmäßig zu Vergeltungsschlägen auf palästinensischem Gebiet. Die Palästinenser machen ihrerseits Angriffe durch das israelische Militär geltend.

Flüchtlinge
DPA
Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es in den palästinensischen Gebieten und Israels Nachbarländern 4,8 Millionen registrierte palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen.

Die Flüchtlinge beharren auf das Recht, in ihre Heimat im heutigen Israel zurückkehren zu dürfen, Israel verneint dieses Recht und will den Verzicht auf eine Rückkehr in einem Friedensvertrag festschreiben.

Grenzen
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Nach dem Willen der Palästinenser soll ihr Staat die 1967 von Israel besetzten Gebiete Westjordanland, Gaza und Ost-Jerusalem umfassen. Israel beansprucht jedoch Teile dieses Territoriums – entgegen internationalem Recht – für sich. Israel hatte den Gaza-Streifen 2005 zwar geräumt, sein Embargo seit der Machtübernahme der Hamas 2007 aber verschärft.

Israel will zudem an Teilen des Westjordanlands festhalten. Dort gibt es rund 120 jüdische Siedlungen mit etwa 300.000 Israelis. In Ost-Jerusalem leben nach Angaben israelischer Menschenrechtler weitere 200.000. Nach internationalem Recht sind diese Siedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

Jerusalem
AP
Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders umstritten. Israel beharrt auf dem ungeteilten Jerusalem als Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Im Jahr 2000 scheiterte der Nahost-Gipfel an der Jerusalemfrage.
Golan
AP
Syrien dringt darauf, dass die 1967 besetzten Golanhöhen im Rahmen einer Friedenslösung zurückgegeben werden. Von der 1150 Quadratkilometer großen Hochebene hat Israels Armee einen guten Blick nach Syrien und in den Libanon. Umgekehrt könnten die Syrer vom Golan aus große Teile Israels überwachen. Heute leben in dem Gebiet neben rund 20.000 Syrern auch etwa 20.000 jüdische Einwohner.
Scheba-Farmen
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Das 30 Quadratkilometer kleine Gebiet an der Grenze von Syrien, Libanon und Israel ist seit langem umstritten. Die Vereinten Nationen und die USA sind der Ansicht, dass das Territorium als Teil der Golanhöhen zu Syrien gehört. Der Libanon und Syrien haben ihre Ansprüche bislang nicht eindeutig formuliert und wollen den Grenzdisput nach einem israelischen Rückzug klären.
Wasser
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Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist. Die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers ist auch ein Streitpunkt im Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf den Golanhöhen.