Angriffe im Grenzgebiet Pakistan schließt Nachschubroute der Nato

Es ist ein Zwischenfall mit Folgen: Westliche Kampfhubschrauber sollen pakistanische Grenzsoldaten unter Feuer genommen und drei von ihnen getötet haben, nun reagiert die Regierung in Islamabad. Sie schließt eine wichtige Nachschubroute Richtung Afghanistan, Nato-Konvois dürfen nicht mehr passieren.

Nato-Nachschub in Pakistan: Kein Durchkommen mehr?
AFP

Nato-Nachschub in Pakistan: Kein Durchkommen mehr?


Islamabad - Der Streit zwischen Pakistan und der Nato spitzt sich zu. Anlass ist ein neuer Zwischenfall in der Grenzregion zwischen Pakistan und Afghanistan. Die Darstellungen darüber, was wirklich passiert ist, gehen aber auseinander.

Nach pakistanischen Angaben kamen beim Einsatz zweier Kampfhubschrauber der Nato im Stammesgebiet Kurram mindestens drei Soldaten einer paramilitärischen Einheit ums Leben, drei weitere wurden verletzt. Die Männer waren für den Grenzschutz eingesetzt. Demnach drangen die Helikopter am frühen Donnerstagmorgen in den Luftraum des Landes ein und eröffneten das Feuer auf einen Kontrollposten der Armee in dem Dorf Teri Mangal. Das Gefecht habe 25 Minuten gedauert, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen ranghohen Sicherheitsbeamten, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Ein Isaf-Sprecher stellt das Geschehen gegenüber SPIEGEL ONLINE anders dar. Nato-Soldaten hätten eine Gruppe von Aufständischen ausgemacht, die in der Grenzregion zu Afghanistan mit Mörsern auf ein Camp der Alliierten in der afghanischen Provinz Paktia feuerten, sagte er. "Unsere Soldaten haben Luftunterstützung angefordert, und nach erster Aufklärung gingen die Einsatzkräfte in der Luft davon aus, dass der Gegner sich auf afghanischem Boden befindet." Nach Angaben der beteiligten Soldaten seien die Hubschrauber nicht in pakistanisches Hoheitsgebiet eingedrungen. "Aber nachdem uns das pakistanische Militär darüber informiert hat, dass ihre Kräfte an der Grenze getroffen wurden und drei Soldaten ums Leben gekommen sind und drei verletzt wurden, werden wir den Vorfall gründlich überprüfen", sagte der Sprecher.

Grenzübergang Torkham für Nato-Konvois geschlossen

Nach dem Zwischenfall ließen die pakistanischen Behörden den Grenzübergang Torkham schließen, der sich in der benachbarten Stammesregion Khyber befindet. Über diese Route wird ein Großteil des Nachschubs für die Nato-Truppen in Afghanistan geliefert. Einen direkten Zusammenhang hat die Regierung in Islamabad aber nicht bestätigt. Die Behörden hatten aber vor wenigen Tagen damit gedroht, Nato-Nachschubkonvois keinen Schutz mehr zu gewähren, sollte die Nato weiterhin Angriffe auf pakistanischem Boden durchführen. Eine Reaktion der Nato auf die Maßnahme gibt es noch nicht.

In den vergangenen Tagen hatte es immer wieder Streit zwischen Pakistan und der Nato um Einsätze in der Region gegeben. Am Freitag waren zwei Nato-Kampfhubschrauber in pakistanisches Hoheitsgebiet eingedrungen und hatten dort 30 Aufständische getötet. Die Nato hatte als Begründung für den Einsatz angegeben, die Aufständischen hätten einen afghanischen Kontrollposten in der Provinz Khost angegriffen. Am Samstag kamen bei einem ähnlichen Einsatz vier weitere Militante ums Leben.

Pakistan hatte sich daraufhin derartige Einsätze verbeten und die Souveränität seines Staatsgebiets geltend gemacht. Die Regierung in Islamabad kündigte mögliche "Reaktionen" an, sollten sich derartige Angriffe wiederholen. Die Nato verweist jedoch darauf, dass die Einsätze von ihrem Mandat gedeckt seien. Pakistan sieht sich immer wieder Vorwürfen ausgesetzt, nicht entschieden genug gegen Terroristen im eigenen Land vorzugehen.

kaz/ffr/Reuters/AP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fatherted98 30.09.2010
1. Ohne...
Zitat von sysopPakistan begehrt gegen die Nato auf: Nachdem westliche Kampfhubschrauber drei Grenzsoldaten getötet haben sollen, reagiert die Regierung in Islamabad - sie schließt eine wichtige Nachschubroute in Richtung Afghanistan. Nato-Konvois dürfen nicht mehr passieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,720408,00.html
...Mampf kein Kampf. Also schickt die Jungs/Mädels endlich heim.
Kranken-pfleger 30.09.2010
2. wer hat davon ein Vorteil?
Nach meiner Meinung haben Verletzte, Kranke und Frauen mit Kinder keinen Vorteil.
Querspass 30.09.2010
3. Sagen wir mal so,
die Pakistani müssen mit ihrem Nachbarn klarkommen, wenn in 100 Jahren sich die Nato aufgerieben hat. "Pakistan sieht sich immer wieder Vorwürfen ausgesetzt, nicht entschieden genug gegen Terroristen im eigenen Land vorzugehen."
whitewolfe 30.09.2010
4. Was soll das alles?
Es sollten endlich die Truppen nach Hause geholt werden,der Krieg ist nicht zu gewinnen und unsere Soldaten riskieren ihr Leben umsonst.
wkaiser, 30.09.2010
5. ...
Zitat von fatherted98...Mampf kein Kampf. Also schickt die Jungs/Mädels endlich heim.
Und nicht nur aus dem Grund.... Den Leuten dort ist nicht zu helfen, die ticken einfach anders. Jeder Tote/Verletzte Soldat der ISAF ist absolut sinnlos, weil, wann immer die dort abziehen, ungefähr 10 Minuten später alles wieder so ist, wie vorher. Ab nach Hause!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.