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Angst vor Atomattacke: Ex-Mossad-Chef drängt Israel zum Angriff auf Irans Nuklearanlagen

Israel hat nach Meinung eines früheren Mossad-Chefs nur noch ein Jahr Zeit, um iranische Atomanlagen zu zerstören. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass das Land Ziel von Nuklearwaffen der Mullahs werden könnte, warnt er.

Jerusalem - Israel müsse auf den schlimmsten aller Fälle vorbereitet sein, fordert Schavtai Schavit, ehemaliger Chef des Auslandsgeheimdienstes Mossad, in der britischen Zeitung "Sunday Telegraph". Damit meint der Geheimdienstler die Gefahr, dass sein Land das Ziel iranischer Atomwaffen werde. Israel habe nur noch ein Jahr zur Zerstörung der iranischen Atomanlagen. Sollten sich Sanktionen als nicht wirksam erweisen, müssten alle Optionen, auch die militärische, auf dem Tisch bleiben.

Iranische Anlage: Aufnahme eines Schwerwasserreaktor-Baus in Arak.
AFP

Iranische Anlage: Aufnahme eines Schwerwasserreaktor-Baus in Arak.

Der Westen verdächtigt Iran, heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Teheran weist dies zurück und betont, die Nukleartechnik lediglich zivil nutzen zu wollen. Der Weltsicherheitsrat beschloss bereits mehrfach Sanktionen gegen Iran.

Einen Angriff auf Iran hatte zuvor in einem SPIEGEL-Interview auch Generalmajor Isaak Ben-Israel ins Kalkül gezogen. "Wenn nötig, werden wir Gewalt anwenden", sagte der Abgeordnete der regierenden Kadima-Partei. "Noch" könne das Problem "auf andere Weise gelöst werden, sagte Ben-Israel dem SPIEGEL. "Erst wenn wir an den kritischen Punkt kommen, werden wir die letzte Option wählen." Militärische Probleme stünden einem Angriff nicht im Wege, sagte der Abgeordnete, der als Luftwaffengeneral 1981 an der Planung des Luftangriffs auf den irakischen Reaktor Osirak beteiligt war: "Vielleicht wird es schwieriger, aber es ist lösbar. Wir könnten es schon heute tun."

Die israelische Luftwaffe habe erst kürzlich ein Manöver abgehalten, "um uns auf den Fall vorzubereiten", dass die Weltgemeinschaft das iranische Atomprogramm "nicht stoppen kann", erklärte Ben-Israel. "Es war nicht die erste Übung, es wird auch nicht die letzte sein." An dem Manöver in der ersten Juniwoche hatten laut "New York Times" mehr als 100 Kampfflugzeuge vom Typ F-16 und F-15 sowie Rettungshubschrauber und Tankflugzeuge teilgenommen.

Der Regierungspolitiker sprach sich für schärfere Sanktionen gegen das Mullah-Regime in Teheran aus. Stärkere Handelsbeschränkungen, Einreiseverbote für Iraner in Europa oder "den Ausschluss Irans von den Olympischen Spielen in Peking" forderte Ben-Israel.

Israel betrachtet den Iran als die größte strategische Gefahr für die eigene Sicherheit. Verteidigungsminister Ehud Barak hatte jüngst in Zeitungsinterviews darauf hingewiesen, dass "alle Optionen auf dem Tisch" seien. Zuletzt hatte Vizeministerpräsident Schaul Mofas für Schlagzeilen gesorgt, als er Iran mit einem Angriff drohte, falls das Atomwaffenprogramm fortgesetzt werde. Diese Äußerungen waren seinerzeit noch als Einzelmeinung und Positionierung im Kampf um den Parteivorsitz in der Kadima-Partei angesehen worden.

Teheran drohte am Wochenende für den Fall eines israelischen Angriffs auf iranische Atomanlagen erneut mit einem Gegenschlag. Israel befinde sich in Reichweite iranischer Raketen, warnte der Chef der Revolutionsgarden, Mohammed Ali Dschafari. Jeden Angriff Israels auf seine Atomanlagen werde Teheran mit einem Raketen-Gegenschlag vergelten, sagte Dschafari laut iranischen Medienberichten. Zugleich drohte der Chef der Revolutionsgarden mit einer Blockade der für die Ölexporte aus der Golfregion wichtigen Ölroute durch den Persischen Golf und die Straße von Hormus.

als/AFP/dpa

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