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Angst vor Bodenoffensive: Ausländer flüchten aus dem Gaza-Streifen

Israel hat Hunderten Ausländern die Ausreise aus dem Gaza-Streifen erlaubt - jetzt verlassen sie den umkämpften Landstrich. Die Luftwaffe bombardierte dort am Morgen erneut wichtige Stellungen der Hamas, die Bewohner befürchten eine baldige Bodenoffensive.

Gaza-Stadt - Die ersten von rund 400 Ausländern haben bereits am Freitagmorgen den Gaza-Streifen am Grenzübergang Erez verlassen. Das israelische Verteidigungsministerium teilte mit, dass Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft ausreisen dürften. Die meisten von ihnen sind demnach russischer Abstammung, andere stammen aus den USA, der Türkei, Norwegen, Moldawien, der Ukraine und Weißrussland. Deutsche sind nach Informationen von SPIEGEL ONLINE nicht dabei.

Der Kontrollpunkt wurde nur für kurze Zeit geöffnet. Die Ausländer und die Bewohner des Gaza-Streifens befürchten eine Bodenoffensive der Israelis. Israel hat Panzer und Soldaten zusammengezogen. Der Einsatz droht nach Ansicht von Militärkommentatoren, falls der diplomatische Druck und die Luftschläge Israels nicht zum Stopp der Raketenangriffe militanter Palästinenser auf Israel führen.

Das israelische Militär setzte seine Bombardements gegen die im Gaza-Streifen regierende Hamas derweil auch am siebten Tag in Folge fort. Nach Armeeangaben wurden das Gebäude des militanten Hamas-Flügels, mutmaßliche Raketenstellungen und Waffenlager der islamistischen Palästinenserorganisation bombardiert. Insgesamt seien 15 Ziele angegriffen worden. Bei den Angriffen wurden laut Zeugen in Gaza-Stadt mehrere Menschen verletzt.

Im Gegenzug feuerten militante Palästinenser zuletzt sieben Raketen auf Israel ab. Zwei Raketen trafen zwei Wohngebäude in der südisraelischen Stadt Aschkelon. Zwei Israelis wurden nach Polizeiangaben verletzt. Bei den israelischen Luftangriffen auf Ziele im Gaza-Streifen sind nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde bisher 420 Menschen getötet worden. Weitere 2100 Personen seien verletzt worden.

Nahost-Konflikt
Die Gebiete
Im Grunde dreht sich der Konflikt um das Existenzrecht Israels und die Forderung nach einem eigenen Palästinenserstaat . Es gibt inzwischen palästinensische Autonomiegebiete - den Gaza-Streifen und das Westjordanland . Die Grüne Linie trennt die Gebiete von Israel. Um die israelischen Siedlungen in den umstrittenen Gebieten gibt es immer wieder Streit.
Die Gegner
Dem Staat Israel stehen einzelne Gruppierungen und Institutionen gegenüber: im Gaza-Streifen und Westjordanland die Palästinensische Autonomiebehörde | Hamas | Kassam-Brigaden | Volkswiderstandskomitee (PRC) | PLO | Fatah | Al-Aksa-Brigaden | Islamischer Dschihad | im Libanon die Hisbollah
Geschichte

Die israelische Armee hat Berichte zurückgewiesen, wonach sie zu einer Politik der gezielten Tötung von Hamas-Führern zurückgekehrt sei. Die israelische Luftwaffe greife Häuser an, die zur Hamas-Infrastruktur gehörten und in denen Raketen oder große Mengen an Sprengstoff gelagert würden, sagte eine Armeesprecherin am Freitag.

SPIEGEL ONLINE

Der Sprecherin zufolge hat die Armee auch die Bewohner des Hauses von Top-Hamas-Führer Nisar Rian vor dem Raketenangriff vom Donnerstag gewarnt. Nach palästinensischen Angaben sind Rian, seine vier Frauen sowie elf seiner Kinder bei dem Angriff ums Leben gekommen. Rian agierte als Verbindungsmann zwischen dem militärischen und politischen Flügel der Hamas. Er hatte nach Armeeangaben einen seiner Söhne zu einem Selbstmordanschlag auf eine jüdische Siedlung im Gaza-Streifen abkommandiert. Rian gehörte zum innersten Führungszirkel der Hamas. Nach Informationen des israelischen Rundfunks hatten auch Nachbarn von Rian vor dem Angriff telefonische Warnungen erhalten.

Für Freitag, den die Hamas zum "Tag des Zorns" erklärt hatte, wurde im Westjordanland und in Ostjerusalem mit palästinensischen Protesten gegen Israel gerechnet. Die israelische Polizei mobilisierte deshalb Tausende Sicherheitskräfte. Im Westjordanland gilt seit Mitternacht für 48 Stunden eine Ausgehsperre sowie ein Einreiseverbot. Weitere 300 Palästinenser schweben den Angaben zufolge in Lebensgefahr. Auf israelischer Seite gab es durch Raketenbeschuss bislang vier Tote.

als/dpa/Reuters/AP/AFP

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