Handbuch für den Kriegsfall Litauen bereitet Bevölkerung auf russischen Einmarsch vor

"Brechen Sie nicht in Panik aus": Die litauische Regierung erteilt ihren Bürgern Ratschläge für den Fall eines russischen Angriffs. Sie sollen Widerstand leisten - auch mit Cyberattacken.

Litauische Soldaten: Angst vor einem Einmarsch Russlands
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Litauische Soldaten: Angst vor einem Einmarsch Russlands


Vilnius - Die litauische Regierung hat Angst vor einem russischen Angriff und will jetzt die Bürger des Landes mit Verhaltenstipps für den Kriegsfall versorgen. "Behalten Sie einen klaren Kopf und brechen Sie nicht in Panik aus", schreibt das Verteidigungsministerium in einem Handbuch. "Schüsse direkt vor Ihrem Fenster bedeuten nicht das Ende der Welt."

Im Falle einer Invasion sollten sich die Litauer über Twitter und Facebook organisieren und versuchen, Cyberattacken gegen den Feind zu starten. Außerdem sollten die Bürger den Besatzern mit Demonstrationen, Streiks oder zumindest Bummelstreiks bei der Arbeit Widerstand leisten. So heißt es in dem Handbuch, das das Verteidigungsministerium ab kommender Woche in Bibliotheken auslegen und bei Militärveranstaltungen verteilen will.

Litauen war bis zu seiner Unabhängigkeit im Jahr 1991 Teil der Sowjetunion, danach suchte es schnell Anschluss an westliche Bündnisse. 2004 wurde der baltische Staat Mitglied in EU und Nato.

Neubauten sollen nur noch mit Luftschutzkeller genehmigt werden

Seit der Eskalation der Ukraine-Krise sind die Litauer jedoch zunehmend besorgt, dass Russland nach der Annexion der Krim auch in ihr Land einmarschieren könnten. Erst im Dezember hielt Russland in seiner Exklave Kaliningrad, die an Litauen grenzt, ein Manöver mit 9000 Soldaten und 55 Kriegsschiffen ab.

"Das Beispiel Georgiens und der Ukraine, die beide Teile ihres Territoriums verloren haben, zeigt uns, dass wir eine ähnliche Situation hier nicht ausschließen können und dass wir darauf vorbereitet sein sollten", sagte der litauische Verteidigungsminister Juozas Olekas der Nachrichtenagentur Reuters. Litauen hat die Rekrutierung für die Armee und die paramilitärische Reserve seit Beginn der Ukraine-Krise in die Höhe gefahren.

"Als Russland seine Aggression in der Ukraine startete, haben unsere Bürger hier in Litauen verstanden, dass unser Nachbar nicht nett ist", fügte Olekas hinzu. Die litauische Regierung prüft derzeit, Neubauten nur noch mit einem Luftschutzkeller auf dem Gelände zu genehmigen.

Russland hatte die ukrainische Halbinsel Krim im März vergangenen Jahres annektiert. Außerdem wirft der Westen der Führung in Moskau vor, die prorussischen Separatisten in der Ostukraine mit Waffen und Truppen zu unterstützen und damit den Konflikt immer weiter anzuheizen. Moskau streitet das ab.

anr/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 94 Beiträge
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Seite 1
qewr 15.01.2015
1. Und die NATO?
Kann sich Vilnius nicht auf dieses Bündnis verlassen?
fatherted98 15.01.2015
2. Au weia...
...die sind ja total von der Rolle. Litauen ist Nato Mitglied und Teil der EU...ein Einmarsch würde quasi einen Weltkrieg bedeuten...kann man wirklich so "naiv" sein...oder ist das eine politsch gewollte Panikmache?
flieger75 15.01.2015
3. Die spinnen - die Litauer
Das ist doch alles nur Kriegstreiberei! Das eigene Volk so denken, dass der böse Russe schon vor der Tür steht. Das soll eine Stationierung von mehr Nato-Soldaten im Land rechtfertigen.
greatduffman 15.01.2015
4.
Ob die litauische Bevölkerung weiß wie lächerlich das ist? Das beste ist das mit den "Cyberangriffen". Satire wird immer besser.
lupidus 15.01.2015
5.
Zitat von fatherted98...die sind ja total von der Rolle. Litauen ist Nato Mitglied und Teil der EU...ein Einmarsch würde quasi einen Weltkrieg bedeuten...kann man wirklich so "naiv" sein...oder ist das eine politsch gewollte Panikmache?
Theoretisch ! Glauben Sie ernsthaft jemand würde für Litauen einen Weltkrieg riskieren ?
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