Kongo: Tausende Kinder fliehen vor Zwangsrekrutierung

Entwicklungshelfer schlagen Alarm: Aus Angst vor einem Einsatz als Soldaten flüchten immer mehr Kinder aus dem Kongo in die angrenzenden Länder. Oft schlagen sich die Minderjährigen allein durch - und landen krank und unterernährt in Notlagern.

Junge Flüchtlinge in Afrika: Allein über die Grenze Fotos
REUTERS

Addis Abeba - Rettungsorganisationen in Afrika stellen einen beunruhigenden Trend fest. In der Demokratischen Republik Kongo sind laut der Kinderhilfsorganisation World Vision Tausende Kinder auf der Flucht. Sie versuchen so, einer Zwangsrekrutierung durch Rebellengruppen und dem Missbrauch als Soldaten zu entgehen.

In dem zentralafrikanischen Krisenland würden immer wieder Kinder entführt und gezwungen, für bewaffnete Gruppen und Militärs zu kämpfen. Deshalb überquerten zahlreiche junge Menschen mittlerweile ohne ihre Familien und auf sich allein gestellt die Grenzen in die Nachbarländer Ruanda und Uganda.

"Viele junge Menschen, die hier in den Flüchtlingslagern in Uganda ankommen, sind unter 15 Jahre alt. Sie wurden von ihren Eltern getrennt und wissen nicht, wie sie überleben sollen", sagte Stewart Katwikirize von World Vision Uganda.

Auch aus Ruanda berichten Hilfsorganisationen von einer zunehmenden Zahl von Kindern, die in den Camps eintreffen. Viele von ihnen seien krank und unterernährt und benötigten dringend medizinische Hilfe, hieß es. Mehrere Kinder seien bereits gestorben.

"Wir wissen, dass vor kurzem fast 200 Kinder von bewaffneten Gruppen entführt und gezwungen wurden, sich den Kämpfen anzuschließen", erklärte Dominic Keyzer, ein Mitarbeiter von World Vision im Kongo. Viele Kinder hielten sich seither in den Wäldern in Nord-Kivu im Osten des Landes versteckt.

In der Region war es in den vergangenen Monaten wieder verstärkt zu Gewaltausbrüchen gekommen. Regierungstruppen kämpfen dabei gegen Anhänger des früheren Rebellenführers Bosco Ntaganda, der vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag unter anderem wegen Massenvergewaltigungen und des Einsatzes von Kindersoldaten gesucht wird. Weit über 100.000 Menschen sind seit April auf der Flucht.

Konys Miliz entführt fast 600 Kinder

Immer wieder kommt es in Zentralafrika zu Fällen von Zwangsrekrutierung Minderjähriger. Internationales Aufsehen erregte zuletzt der Rebellenführer Joseph Kony. Mit seiner Miliz Lord's Resistance Army (LRA) verbirgt sich dieser seit Jahren im Grenzgebiet von Uganda, Kongo und Südsudan. Inzwischen läuft eine internationale Jagd auf den mutmaßlichen Massenmörder, doch in dem kaum zugänglichen Gebiet entkommt Kony seinen Häschern immer wieder.

Trotz der jahrelangen Flucht gelingt es der LRA offenbar noch immer, im großen Stil Kinder zu entführen und als Soldaten zu missbrauchen. Im Juni war das Ergebnis einer Uno-Untersuchung bekannt geworden. Demnach wurden zwischen Juli 2009 und Februar 2012 mindestens 591 Kinder aus der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik und dem Süden Sudans entführt.

Die entführten Kinder werden als Kindersoldaten, Spione, Wächter, Träger und Köche eingesetzt. Häufig werden sie gezwungen, enge Angehörige und Freunde umzubringen. Nach aktuellen Erkenntnissen verfügt Kony noch über 300 bis 500 bewaffnete Kräfte, rund die Hälfte davon seien Kindersoldaten, so der Uno-Bericht.

jok/dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Solange Kongo Kobalt hat
mischpot 26.07.2012
wird dafür auch von Deutscher Seite gesorgt, daß die Ihnen wohlgesonnenen Machthaber am Drücker sitzen und das ganze von den Blauhelmen überwacht. Menschenrechte sind da scheiß egal oder Herr Niebel? http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/maerkte,did=534000.html http://www.tagesspiegel.de/politik/international/entwicklungshilfe-dirk-niebel-eins-auf-die-muetze/1718134.html http://www.spiegel.de/politik/ausland/massenvergewaltigungen-uno-raeumt-versagen-der-blauhelmsoldaten-im-kongo-ein-a-716307.html http://www.dw.de/dw/article/0,,1681218,00.html
2. unternommen wird nichts
Protuberanzen 26.07.2012
Zitat von sysopEntwicklungshelfer schlagen Alarm: Aus Angst vor einem Einsatz als Soldaten flüchten immer mehr Kinder aus dem Kongo in die angrenzenden Länder. Oft schlagen sich die Minderjährigen allein durch - und landen krank und unterernährt in Notlagern. Angst vor Zwangsrekrutierung: Tausende Kinder im Kongo auf der Flucht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,846524,00.html)
andere Länder, andere Sitten von Demokratie sind Regierende Afrikas Lichtjahre entfernt. Hedgfonds dagegen sind auch dort wohl bekannt. dafür wird versucht Kindern Waffen aufzuzwingen. von Wo ?
3. Wer finanziert denn diesen
spon-facebook-10000208750 26.07.2012
Da beweisbar davon auszugehen ist das es bei 99% aller Kämpfe, ob kleinere lokale oder grössere, um Recourcen für die industrielle Produktion geht, so wundere ich mich schon länger das in den "normalen" Medien keine Informationen gibt welcher Grosskonzern diese Gruppe/Gruppen finanziert? Das diese im freien Raum nur aus stammes-ethischen Motiven agieren ist doch das Märchen des Jahrhunderts! Also, welche seltenen Erden dort z.B. aus dem Boden gegraben werden? Welcher Konzern das vertreibt und wer sich für den Blutzoll und Kindesmissbrauch eigentlich zu verantworten hätte?
4. Eigenes Unvermögen!
F.X.Fischer 26.07.2012
Zitat von spon-facebook-10000208750Da beweisbar davon auszugehen ist das es bei 99% aller Kämpfe, ob kleinere lokale oder grössere, um Recourcen für die industrielle Produktion geht, so wundere ich mich schon länger das in den "normalen" Medien keine Informationen gibt welcher Grosskonzern diese Gruppe/Gruppen finanziert? Das diese im freien Raum nur aus stammes-ethischen Motiven agieren ist doch das Märchen des Jahrhunderts! Also, welche seltenen Erden dort z.B. aus dem Boden gegraben werden? Welcher Konzern das vertreibt und wer sich für den Blutzoll und Kindesmissbrauch eigentlich zu verantworten hätte?
Als ob es vor der industriellen Revolution und deren Bedarf nach Ressourcen weltweit keine Konflikte und (Bürger-)Kriege gegeben hätte, - glauben Sie die Menschen & Völker dieser Welt hätten davor in Friede und Eintracht gelebt!? Der Kampf um Ressourcen (… seien sie industriell oder auch nicht…) ist älter als die Menschheit, - sogar Tiere kämpfen um Jagdgründe, Weiden, Wasserstellen und deren Grenzen, - es braucht zum Entfachen von Ressourcen-Konflikte keine Großkonzerne! Es gibt Länder der Dritten Welt, die durchaus von ihren natürlichen Rohstoffen profitieren, dabei mit Konzernen zusammenarbeiten und daraus Nutzen ziehen und sich entwickeln! Man muß halt nur seinen Staat, Verwaltung, Infrastruktur, Justiz ordentlich aufbauen und für Rechts- & Vertragssicherheit sorgen! Jene Länder der Dritten Welt, die hierbei in den letzten Jahrzehnten erfolgreich waren, sind jene Asiens, die schon vor den Europäern eine jahrhundertealte Hochkultur hatten: China, Vietnam, S-Korea mußten nach 1945 sogar erst die Folgen blutiger Kriege oder hausgemachter Mißwirtschaft überwinden, - Japan stieg nach der Beendigung seiner Isolation 1853 innerhalt von 50 Jahren zur mit Europa gleichberechtigten Nation auf! Die meisten Staaten Afrikas sind weit länger entkolonialisiert, - Liberia & Äthiopien hingegen waren es nie. Wenn sie trotzdem nicht vorankommen, so liegt es nicht an den immer länger zurückliegenden Folgen des Kolonialismus (…auch asiat. Staaten teilten dieses Schicksal!) oder dem Welthandelssystem, sondern an deren eigenem Unvermögen bei der Entwicklung von Gesellschaft, Wirtschaft und Staat!
5. Yoooh
geotie 29.07.2012
Zitat von sysopEntwicklungshelfer schlagen Alarm: Aus Angst vor einem Einsatz als Soldaten flüchten immer mehr Kinder aus dem Kongo in die angrenzenden Länder. Oft schlagen sich die Minderjährigen allein durch - und landen krank und unterernährt in Notlagern. Angst vor Zwangsrekrutierung: Tausende Kinder im Kongo auf der Flucht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,846524,00.html)
Wo sind nun die Waffenlobbyisten? Schaut euch dies an, es ist mit Eure Schuld! Man weiß, dass ein mehr an Waffen noch keinen Frieden gebracht hat, aber trotzdem landen dort immer wieder neue Waffen in dieser Gegend. Name steht natürlich drauf!
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