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Anhörung im Fall Lynndie England: Folterbraut oder Sündenbock?

Ihr Name wurde bekannt, als Bilder sie in dem irakischen Skandalgefängnis Abu Ghureib zeigten - etwa mit einem nackten Iraker an der Hundeleine. Jetzt klärt eine Militärkommission, ob der US-Soldatin Lynndie England der Prozess gemacht wird. Die beruft sich auf Anweisungen ihrer Vorgesetzten.

England auf dem Weg zu ihrer Anhörung vor der Militärkommission
AP

England auf dem Weg zu ihrer Anhörung vor der Militärkommission

Fort Bragg - Die 21-Jährige ist eine der Symbolfiguren in dem Skandal, der im Frühjahr weltweit Abscheu und Entsetzen ausgelöst hat. Der schwangeren Soldatin drohen bei einem Schuldspruch mehr als 30 Jahre Haft. England erschien am Dienstagmorgen in Armeeuniform vor dem Gebäude auf dem Stützpunkt Fort Bragg (US-Staat North Carolina).

Zu Beginn der Anhörung sagte Militärermittler Paul Arthur, der die Untersuchungen zu den Misshandlungen in Abu Ghureib leitet, US-Soldaten hätten irakische Gefangene in dem Gefängnis bei Bagdad aus Spaß misshandelt und gefoltert: "Im Grunde war es so zum Spaß und um Dampf abzulassen." Die Fotos seien entstanden, als die Soldaten während einer Nachtschicht "herumgealbert" hätten.

Ein zweiter Sonderermittler, Warren Worth, erklärte in seiner anschließenden Aussage, England habe eigentlich gar nicht in dem Gefängnisblock gearbeitet, in dem die Fotos gemacht wurden. Sie sei sogar darauf hingewiesen worden, dass sie dort nichts zu suchen habe. Zudem habe er keine Hinweise darauf, dass es Folterbefehle von Militärs höheren Ranges gegeben habe.

Die Anhörung ist auf mehrere Tage angesetzt. Sollte die Kommission den Fall an ein Militärgericht verweisen, rechnen Rechtsexperten mit einem Prozess frühestens in diesem Herbst.

Englands Verteidiger wollen geltend machen, dass die Soldatin lediglich Befehle befolgte. Dies hatte England selbst in einem Fernsehinterview im Mai gesagt. Sie sei angewiesen worden, für die Bilder zu posieren. Damit sollten andere Gefangene eingeschüchtert werden, und die Taktik sei auch erfolgreich gewesen.

Fotos, die im Mai um die Welt gingen, zeigen die junge Soldatin unter anderem mit lachendem Gesicht und in Triumphpose vor nackten Gefangenen. Auf einem anderen Bild hält England einen am Boden liegenden Gefangenen wie an einer Hundeleine.

Englands Verteidiger glauben, dass die junge Frau zum Sündenbock gemacht werden soll. Sie wollen unter anderem Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Vize-Präsident Richard Cheney als Zeugen aufrufen. Die Aussicht, dass das gelingt, ist nach Ansicht von Prozessbeobachtern gering.

Anfang Juni waren in der US-Presse mehrere Papiere aus verschiedenen Ministerien aufgetaucht, in denen bestimmte Foltermethoden als legitim bezeichnet wurden. Dies wollen die Verteidiger anführen. Zwar habe England, die einen niedrigen Rang bekleidete, diese Papiere selbst nie gesehen, doch könnten sie eine allgemeine Atmosphäre geschaffen haben, in der Folter nicht als absolut ausgeschlossen galt, meinen die Verteidiger.

Außer England sind sechs weitere Soldaten wegen der Misshandlungen angeklagt worden. Einer von ihnen bekannte sich bereits schuldig und erhielt eine Gefängnisstrafe von einem Jahr. Charles Garner, der Vater von Englands Kind, ist ebenfalls angeklagt.

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