Nach Anschlag in Ankara Erdogan kündigt entschlossenen Kampf gegen Terroristen an

Der türkische Präsident Erdogan will noch stärker gegen Terroristen vorgehen. Das kündigte er nach einem Autobomben-Anschlag in Ankara an. Mindestens 34 Menschen wurden getötet, mehr als hundert verletzt.


Der türkische Staatschef hat nach einem erneuten Anschlag in Ankara bekräftigt, das Attentat werde den Kampf gegen den Terrorismus nicht stoppen. Die Türkei werde viel mehr noch stärker gegen Terroristen vorgehen, kündigte Recep Tayyip Erdogan an. Die Bevölkerung solle den Kampf nicht fürchten, so Erdogan weiter, "er wird erfolgreich enden, wir werden die Terroristen in die Knie zwingen".

Bei dem Autobomben-Anschlag im Zentrum der türkischen Hauptstadt wurden den Angaben zufolge am Sonntagabend mindestens 34 Menschen getötet und 125 Menschen verwundet. 19 Verletzte befänden sich in einem kritischen Zustand, sagte Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoglu nach einem Sicherheitsgipfel der Regierung.

Unter den Toten seien ein oder zwei Selbstmordattentäter, die sich in einem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug in der Nähe einer belebten Bushaltestelle in die Luft sprengten, so Müezzinoglu.

Erdogan erklärte weiter, sein Land sei aufgrund der Instabilität in der Region in den vergangenen Jahren verstärkt von Anschlägen betroffen. Nun griffen Terroristen unschuldige Bürger an, da sie den Kampf gegen die türkischen Sicherheitskräfte verloren hätten.

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Ankara: Zerstörte Busse, ausgebrannte Wagen

Die Explosion ereignete sich am zentralen Kizilay-Platzes, der ein belebter Knotenpunkt des Nahverkehrs ist. In der Nähe befinden sich viele Geschäfte, auch das Botschaftsviertel ist nicht weit entfernt. Innenminister Efkan Ala sagte, der Anschlag habe sich gegen Zivilisten gerichtet.

Zunächst hat sich niemand zu der Tat bekannt. Innenminister Ala sagte, die Ermittlungen hätten erste Erkenntnisse gebracht. Einzelheiten nannte er allerdings nicht. In Sicherheitskreisen hieß es, ersten Erkenntnissen zufolge sei die PKK oder eine ihr verbundene Gruppierung für den Anschlag verantwortlich. Die prokurdische Partei HDP verurteilte die Attacke.

Unterstützung von Nato und EU

Die EU und die Nato sicherten der Türkei ihre Unterstützung im Kampf gegen den Terror zu. Die Europäische Union sei bereit, dazu die internationale Kooperation noch weiter auszubauen, teilten die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und EU-Kommissar Johannes Hahn am Sonntagabend mit. EU-Ratspräsident Donald Tusksprach dem Land sein Mitgefühl aus. "Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien."

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte: "Alle Alliierten stehen solidarisch an der Seite der Türkei und sind entschlossen, Terrorismus in all seinen Formen zu bekämpfen." Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. Die Vereinten Nationen stünden in dieser schwierigen Zeit an der Seite des türkischen Volkes und seiner Regierung, heißt es in einer Erklärung.

Erst vor knapp einem Monat waren in Ankara bei einem Autobomben-Anschlag einer Splittergruppe der PKK 30 Menschen ums Leben gekommen. Gut einen Monat zuvor, am 12. Januar, hatte sich in Istanbul ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, zwölf deutsche Touristen kamen ums Leben. Diese Tat wurde der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zugeschrieben. Bereits seit dem Sommer gilt in der Türkei wegen einer Reihe tödlicher Anschläge die höchste Alarmstufe.

Vor zwei Tagen hatte die US-Botschaft vor einem möglichen Anschlag in Ankara gewarnt und US-Bürger dazu aufgefordert, die betroffenen Viertel der Stadt zu meiden.

Innenstadt von Ankara

sun/Reuters/dpa/AFP/AP



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