Anklage im "Ruby"-Prozess: "Systematische Prostitution" in Berlusconis Villa

Plädoyer in Mailand: Berlusconi, die Mädchen und die Partys Fotos
AP

Was geschah auf den Privatpartys in Silvio Berlusconis Villa? Für die Anklage im "Ruby"-Prozess ist es klar: Um Italiens Ex-Premier gab es ein "System umfassender Prostitution" - den jungen Frauen seien neben Geld berufliche Perspektiven versprochen worden.

Mailand - Für die wilden Privatpartys von Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi ist nach Einschätzung der Anklage ein "umfassendes System der Prostitution" organisiert worden. Dabei sei die seinerzeit noch minderjährige Marokkanerin Ruby ein "fester Bestandteil" gewesen, führte Staatsanwalt Antonio Sangermano zu Beginn seines Plädoyers am Montag in Mailand aus.

Der "Ruby"-Prozess gegen Berlusconi ist damit in der Schlussphase. Der Medienzar und Milliardär ist angeklagt, Sex mit minderjährigen Prostituierten gehabt und sein Amt missbraucht zu haben. Ein Urteil in erster Instanz wird am 18. März erwartet. Dabei geht es auch um die damals minderjährige Karima el-Marough, die unter dem Namen "Ruby Rubacuori" (Herzensstehlerin). Sie wurde im Mai 2010 festgenommen, Berlusconi soll über Vertraute auf ihre Freilassung gedrängt haben.

Der Staatsanwalt sagte, es sei falsch, nur von Festessen in Berlusconis Villa Arcore bei Mailand auszugehen, angereichert durch ein paar "burleske Szenen". Dies hatte Berlusconis Seite immer behauptet. Auch der "Cavaliere" selbst sprach stets von "eleganten Abendessen".

Vielmehr habe ein Kreis von Vertrauten und Freunden Berlusconis laut Anklage ein regelrechtes "System" organisiert: Die jungen Frauen seien in bar bezahlt oder mit beruflichen Versprechungen honoriert worden.

Das Plädoyer soll am Freitag fortgesetzt werden. Es wird erwartet, dass Berlusconis Anwälte danach auf Freispruch plädieren. Berlusconi hatte immer seine Unschuld beteuert. Ihm drohen für die ihm zur Last gelegten Anklagepunkte jeweils mehrere Jahre Haft. Ein erstinstanzliches Urteil hat in Italien aber zwei Berufungsinstanzen.

Neben dem "Ruby"-Prozess sieht sich Berlusconi mit weiteren Gerichtsverfahren konfrontiert. Im Oktober wurde er wegen Steuerbetrugs in erster Instanz zu einer Haftstrafe verurteilt. In Italien wird vermutet, dass das politische Comeback des "Cavaliere" auch damit zu tun hat, dass er sich in politischer Verantwortung besser vor dem Verfahren schützen kann. Bald gehen zwei andere Gerichtsverfahren in die Endphase:

  • Im Unipol-Prozess - benannt nach einem Versicherungsunternehmen, dessen Manager in den Fall verwickelt ist - geht es um den Bruch des Amtsgeheimnisses durch den damaligen Regierungschef Berlusconi. Ein Telefonmitschnitt, der einen Oppositionspolitiker zu belasten schien, soll Ende 2005 von Berlusconi über seinen Bruder Paolo und dessen Zeitung "Il Giornale" widerrechtlich in der Öffentlichkeit lanciert worden sein, um der Konkurrenz zu schaden. Denn im April 2006 standen Wahlen an. Die Anklage hat ein Jahr Haft gefordert.
  • Im Mediaset-Prozess kommt der Angeklagte wahrscheinlich am besten weg. Da geht es in zweiter Instanz um Steuerbetrug durch Preismanipulationen in Berlusconis Fernsehkonzern Mediaset. In erster Instanz ist der Medienmogul und langjährige Italien-Regent zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Aber drei Jahre davon fallen unter eine Amnestieregelung aus dem Jahre 2006, als Mitte-Links regierte, nicht Berlusconi. Und das verbleibende Jahr wird wohl auf dem weiteren Weg durch die Instanzen auf der Strecke bleiben. Vermutlich schon in diesem Jahr, die Juristen streiten noch, läuft wohl die Verjährungsfrist aus.

Und dann wurde am vergangenen Donnerstag bekannt, dass nun die Staatsanwaltschaft Neapel gegen Berlusconi wegen Korruption und illegaler Parteienfinanzierung ermittelt. Unter anderem soll er dem Senator Sergio De Gregorio drei Millionen Euro gezahlt haben, damit dieser zur Berlusconi-Partei wechsele.

fab/dpa

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Da haben sich welche...
LK1 04.03.2013
...gesucht und gefunden. Fast wie in einer guten deutschen Durchschnittsehe. Geben und Nehmen, Teilen und Herrschen. Was sollen Unbeteiligte da jetzt kritisieren? ;-)
2. Clown
archontas 04.03.2013
war wohl die Verniedlichung des Jahres, und dabei soll der Steini sogar Klartext geredet haben! Gute Nacht Deutschland wenn Klartext so daher kommt.
3.
Sumerer 04.03.2013
Zitat von sysopWas geschah auf den Privatpartys in Silvio Berlusconis Villa? Für die Anklage im "Ruby"-Prozess ist es klar: Um Italiens Ex-Premier gab es ein "System umfassender Prostitution" - den jungen Frauen seien neben Geld berufliche Perspektiven versprochen worden. Anklage im Ruby-Prozess: "Systematische Prostitution" bei Berlusconi - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/anklage-im-ruby-prozess-systematische-prostitution-bei-berlusconi-a-886857.html)
Vermutlich sind das durchaus interessante Fragen, die kleingeistige Kolporteure schon immer öffentlichwirksam in den Raum stellten. Dazu: Kolportage (http://de.wikipedia.org/wiki/Kolportage) Eine noch interessantere Antwort darauf, haben die minder kleingeistigen Italiener - mit ihrem Votum - formuliert.
4. krass
stefanreprich 04.03.2013
So viele Prozesse auf einmal? Und dann noch schön in der Politik rechtschaffen sein. Genau. Und ich werde Papst. Widerlich solch eine Öffentlichkeitsarbeit.
5.
Sumerer 04.03.2013
Zitat von stefanreprichSo viele Prozesse auf einmal? Und dann noch schön in der Politik rechtschaffen sein. Genau. Und ich werde Papst. Widerlich solch eine Öffentlichkeitsarbeit.
Genau! Stimmt. Solche Formen der Authentizitätsbelobigung sind dem biederen Geist fremd. Die lehnt er vehement und konsequent ab. Konform handelt allerdings nicht die breite Masse. Komisch, geradezu befremdlich!
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