Anklage in Amerika: Fall Strauss-Kahn schockiert Frankreich

"Donnerschlag", "schreckliche Nachricht": Die gegen Dominique Strauss-Kahn erhobenen Vorwürfe wegen versuchter Vergewaltigung schlagen Wellen in Frankreich. Eben noch der potentielle Herausforderer von Präsident Sarkozy, ist die Polit-Karriere des IWF-Chefs nun zerstört.

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Angeschlagener IWF-Chef Strauss-Kahn: "Er kann nicht mehr Kandidat sein"

Paris/Berlin - Die Sex-Affäre um Dominique Strauss-Kahn, den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), sorgt international für Wirbel und Erschütterung. Vor allem in Frankreich ist das Entsetzen über den angeblichen Vergewaltigungsversuch Strauss-Kahns groß. Der 62-Jährige galt als Hoffnungsträger der französischen Sozialisten (PS). Man glaubte, mit ihm Präsident Nicolas Sarkozy bei der Wahl im kommenden Jahr ablösen zu können.

Doch nun scheint Strauss-Kahn aus dem Spiel - egal ob sich die Vorwürfe gegen ihn bewahrheiten oder nicht. "Es ist vorbei", drückt der Sarkozy-Parteifreund und konservative Abgeordnete Bernard Debré am Sonntag als einer der Ersten das aus, was viele denken: Der Sozialist Dominique Strauss-Kahn kann nach einer Anklage in New York wegen versuchter Vergewaltigung wohl nicht mehr französischer Präsident werden.

Auch in sozialistischen Kreisen gilt DSK, wie der IWF-Chef in Frankreich kurz genannt wird, als nicht mehr haltbar. "Er kann nicht mehr Kandidat für die Vorwahlen sein", so Jacques Attali, der Berater des früheren sozialistischen Präsidenten François Mitterrand.

Strauss-Kahn seinerseits wies nach seiner Festnahme alle Anschuldigungen zurück. Sein Mandant werde auf nicht schuldig plädieren, so DSK-Anwalt Benjamin Brafman. Mit der Anklageerhebung werde noch am Sonntag gerechnet. Entschiedene Rückendeckung bekommt Strauss-Kahn von seiner Frau Anne Sinclair, eine beliebte franko-amerikanische Journalistin. Sie glaube "nicht eine Sekunde" an die Anschuldigungen gegen ihren Mann, wird sie vom französischen Fernsehsender "BFM" zitiert.

Es sah alles so gut aus für DSK

Bisher sah für die Präsidentschaftswahl 2012 alles so gut aus für die Sozialisten. DSK, der am Samstag von der New Yorker Polizei aus dem Flugzeug abgeführt wurde, weil er ein Zimmermädchen sexuell belästigt haben soll, führte in allen Umfragen. So sah der "Journal de Dimanche" in seiner jüngsten Erhebung den Sozialisten als Sieger über den amtierenden Staatschef. Angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise galt der ehemalige Professor für Ökonomie, fließend in Englisch und Deutsch, für 2012 als Hoffnungsträger der Opposition.

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IWF-Chef Strauss-Kahn: Festnahme auf dem Flughafen
Spätestens für Ende Juni wurde seine Bewerbung für die Vorwahlen der sozialistischen Partei im Herbst erwartet. Von da an hätte sich der 62-Jährige in den Wahlkampf stürzen können, um den Franzosen zu beweisen, wie nahe er ihnen trotz seiner Jahre in Washington beim IWF noch ist. Schon bei den letzten Präsidentenwahlen zählte DSK zur Riege der aussichtsreichsten PS-Kandidaten. Bei den innerparteilichen Vorwahlen unterlag der altgediente "Elefant" jedoch schließlich gegen die charismatische Ségolène Royal.

Nun werden wohl Ex-PS-Chef François Hollande und Parteichefin Martine Aubry die Kandidatur unter sich ausmachen. Hollande arbeitet sich seit Wochen in den Umfragen nach oben. Und Aubry wollte ihre Kandidatur eigentlich von DSK abhängig machen: Nur einer der beiden sollte sich bei den Vorwahlen zur Abstimmung stellen.

Kein Wunder also, dass Aubry die Nachrichten aus New York als "Donnerschlag" bezeichnet. Es sei nun an der sozialistischen Partei, vereint und verantwortungsvoll zu agieren. Ex-Präsidentschaftskandidatin Royal sagte, so lange die Vorwürfe nicht bewiesen seien, habe Strauss-Kahn wie jeder andere Bürger das Recht auf die Unschuldsvermutung. Sie sei in Gedanken vor allem bei seiner Familie. Auch Hollande spricht von einer "schrecklichen Nachricht", mahnt zur Zurückhaltung. Damit ist er ausnahmsweise einer Meinung mit Regierungssprecher François Baroin, der daran erinnert, dass erst einmal die Unschuldsvermutung gelte.

Sarkozys gefährlichster Widersacher

Ganz anders sieht das Marine Le Pen, die Chefin der rechtsextremen Partei Front National (FN). Die Zweitplatzierte in den Präsidentschaftsumfragen schlachtet das Ereignis aus: "Er hat sich als Kandidat für das höchste Amt im Staat in Verruf gebracht", bemerkt die 42-Jährige. Ganz Paris kommentiere seit Monaten die "leicht krankhaften" Züge, die Strauss-Kahn bei seinem Umgang mit Frauen an den Tag lege. Bekannt ist zumindest eine Affäre, die 2008 mit einer Mitarbeiterin hatte.

Nur einer hat sich bisher nicht geäußert: Präsident Sarkozy. Er hatte Strauss-Kahn 2007 zum IWF weggelobt, in der Hoffnung, dass sein Rivale durch die fünfjährige Amtszeit an der Spitze der Finanzinstitution 2012 nicht gegen ihn antreten kann. Die New Yorker Sex-Affäre befreit Sarkozy nun aber wohl endgültig von seinem wichtigsten Widersacher. Jetzt ist alles wieder offen. "Die Präsidentenwahl ist noch lange, lange nicht entschieden. Der amtierende Präsident hat noch lange nicht verloren", sagt Mitterrand-Berater Attali.

Klar ist: Selbst wenn wenn der Vergewaltigungsvorwurf nicht stimmt, bleibt ein Makel an Strauss-Kahn haften. "Auch wenn die Anschuldigungen im besten Fall unbegründet sind, also manipuliert wurde, treibt diese Affäre einen Keil zwischen DSK und die Franzosen und es ist absolut unmöglich, dass er ins Rennen geht", sagt der Politikexperte Stéphane Rozès. Es werde für ihn auch "schwierig werden, seine Verantwortung im IWF auszuüben".

Der IWF selbst verwies alle Anfragen an Strauss-Kahns Anwalt. Die internationale Finanzbehörde sei weiter voll handlungsfähig, hieß es. Zum Zeitpunkt seiner Festnahme war DSK auf dem Weg nach Europa, wo er am Sonntag Kanzlerin Angela Merkel treffen sollte, um mit ihr über die Schuldenkrise Griechenlands zu sprechen. Am Montag und Dienstag war er in Brüssel erwartet worden, wo die EU-Finanzminister das Rettungspaket für Portugal beschließen wollen. Der IWF steuert ein Drittel des Milliarden-Rettungspakets für Griechenland bei. Strauss-Kahns geplante Gespräche in Berlin und Brüssel galten als Indiz für den Ernst der Lage um das vom Staatsbankrott bedrohte Land.

Nach Angaben der Polizei in New York wurde Strauss-Kahn am Samstagabend auf dem Flughafen John F. Kennedy kurz vor dem Start einer Air-France-Maschine nach Paris von Beamten aus der ersten Klasse geholt und festgenommen. Er soll sich nach Aussage eines 32-jährigen Zimmermädchens in seiner Hotelsuite nackt auf diese gestürzt und sie zum Oralsex gezwungen haben.

Das Dienstmädchen sagte der Polizei zufolge aus, sie habe gegen 13 Uhr Ortszeit die große Suite des IWF-Chefs betreten, weil sie zum Saubermachen gerufen worden sei. Strauss-Kahn sei nackt aus dem Badezimmer gekommen, habe sie durch einen Flur verfolgt und in ein Schlafzimmer gezogen. Dort habe er sie sexuell bedrängt. Sie habe sich ihm entwunden, worauf er sie in ein Badezimmer gezerrt und zum Oralsex gezwungen habe. Dabei habe er versucht, ihr die Unterwäsche auszuziehen. Der Frau sei es wieder gelungen, freizukommen und aus der Suite zu fliehen, die 3.000 Dollar die Nacht kostet. Sie habe Kollegen von dem Vorfall berichtet und diese hätten die Polizei alarmiert.

sef/AFP/dpa/dapd

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1. ...
LouisWu 15.05.2011
Zitat von sysop"Donnerschlag", "schreckliche Nachricht": Die Anklage wegen versuchter Vergewaltigung gegen Dominique Strauss-Kahn schlägt Wellen in Frankreich - und zerstört die politische Karriere des IWF-Chefs. Eben noch der potentielle Herausforderer von Präsident Sarkozy, ist die Zukunft des Sozialisten ungewiss. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,762664,00.html
Er scheint zwei Probleme zu haben. Zum Ersten eine fatale Neigung zu triebgesteuertem Verhalten, zum Zweiten die Unfähigkeit, trotz mehr als ausreichenden finanziellen Mitteln seine sexuelle Triebabfuhr nicht entsprechend organisieren (lassen) zu können. Mindestens das Zweite disqualifiziert ihn eigentlich für höhere Aufgaben....
2. Vorverurteilung
unente, 15.05.2011
Das ist das große Problem. Es ist noch nichts bewiesen und schon kann der seine Karriere knicken. Der steht jetzt nackt vor der Welt und kann sich kaum glaubwürdig verteidigen. Alles nur, weil in einem "Luxushotel" die Angestellten angeblich nicht wissen, wo ihre VIP-Gäste sind und deshalb jederzeit durch die Zimmer latschen. Klingt absolut logisch!
3. Jau!
Seifert 15.05.2011
Zitat von sysop"Donnerschlag", "schreckliche Nachricht": Die Anklage wegen versuchter Vergewaltigung gegen Dominique Strauss-Kahn schlägt Wellen in Frankreich - und zerstört die politische Karriere des IWF-Chefs. Eben noch der potentielle Herausforderer von Präsident Sarkozy, ist die Zukunft des Sozialisten ungewiss. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,762664,00.html
Da kann man mal sehen,wohin Sparsamkeit führt! Anstatt ein paar Dutzend Euronen für eine Gunstgewerblerin auszugeben,wollte Monsieur zwischen Tür und Angel die Gratisdienstleistung!Zwar mag ja Geiz auch geil sein,aber der Herr Strauss-Kahn war es auch und schon ist die schöne Karriere dahin. Es stimmt schon: wenn der.... steht,ist der Verstand im Eimer!
4. wenns qualmt brennts auch irgendwo
fofinha 15.05.2011
Zitat von unenteDas ist das große Problem. Es ist noch nichts bewiesen und schon kann der seine Karriere knicken. Der steht jetzt nackt vor der Welt und kann sich kaum glaubwürdig verteidigen. Alles nur, weil in einem "Luxushotel" die Angestellten angeblich nicht wissen, wo ihre VIP-Gäste sind und deshalb jederzeit durch die Zimmer latschen. Klingt absolut logisch!
5. Strauß-Kahn
heidehans 15.05.2011
Es scheint Mode zu werden, dass man sich eines unliebsamen Konkurrenten oder mißliebigen Widersachers dadurch entledigt, dass man eine Frau findet,die angeblich von ihm vergewaltigt wurde. Sobald eine Frau schreit "Vergewaltigung" ist der Mann total erledigt,wird sofort verhaftet auch wenn die Frau sich wie im Fall Kachelmann nur rächen will.
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Der IWF
Die Institution
Gegründet wurde der Internationale Währungsfonds (IWF) zusammen mit seiner Schwesterinstitution Weltbank im Juli 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods. Der in Washington ansässige Fonds wacht als Sonderorganisation der Vereinten Nationen über die Währungspolitik seiner 186 Mitgliedsländer. Jedes Land muss entsprechend seinem Anteil an der Weltwirtschaft eine Einlage leisten und verfügt über entsprechende Stimmrechte. Die reichsten Länder haben damit den größten Einfluss.

Die Arbeit des IWF
Der IWF tritt vor allem bei Finanz- und Wirtschaftskrisen öffentlich in Erscheinung. Indem er einzelne Staaten unterstützt, soll er vor allem verhindern, dass sich Krisen ausbreiten und ganze Regionen oder gar das gesamte internationale Finanzsystem treffen. Der Fonds kann mit kurzfristigen Krediten die Defizite in Entwicklungs- und Schwellenländern ausgleichen. Zudem leistet er Mitgliedstaaten technischen Beistand für den Umbau von Institutionen und bei der Gestaltung von Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Häufige Kritik
Die Bedingungen, die an die Vergabe der Gelder geknüpft werden, stoßen in den betroffenen Ländern und bei Globalisierungskritikern allerdings oft auf Unmut. Verordnet werden von der Institution aus Washington meist radikale Einschnitte in die Staatshaushalte, die Öffnung der Märkte und Privatisierungen. Diese jedoch verschärfen die Krisen nach Ansicht der Kritiker oft noch weiter. Nach Reformen ist inzwischen vorgesehen, dass der IWF verstärkt die sozialen Auswirkungen von Krisen und Hilfsmaßnahmen beachtet.

Die Direktorin
Seit Ende Juni 2011 steht die frühere französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde an der IWF-Spitze. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten.
Wer wählt den Direktor?
Das Exekutivdirektorium des IWF besteht aus 24 Direktoren. Fünf von ihnen werden von den Mitgliedstaaten mit den größten Quoten ernannt, die verbleibenden vertreten jeweils mehrere Mitgliedsländer. Je mehr ein Land einzahlt, desto höher ist seine Quote. Deshalb haben die USA einen Stimmanteil von fast 17 Prozent, Japan von etwas mehr als sechs und Deutschland knapp unter sechs Prozent. Die USA verfügen über eine Sperrminorität. Denn zentrale Beschlüsse im IWF - wie auch die Wahl des kommenden Geschäftsführenden Direktors - müssen mit einer Mehrheit von 85 Prozent getroffen werden.

Die Direktoren wählen den Geschäftsführenden Direktor. Er ist für das Tagesgeschäft, die Organisation und die Personalpolitik des Fonds zuständig. Der Direktor wird vom Exekutivdirektorium kontrolliert, dieses kann ihm die Amtsführung entziehen. Grundsatzentscheidungen werden vom Gouverneursrat des IWF und vom International Monetary and Financial Committee getroffen, die bei den Herbst- und Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank zusammenkommen.
Informelle Vereinbarung
Die USA und Europa haben sich informell darauf verständigt, wichtige Posten untereinander aufzuteilen. So stellen die USA traditionell den Direktor der Weltbank, während der Geschäftsführende Direktor des IWF von einem EU-Mitgliedsland gestellt wird. In den Statuten ist diese Regelung nicht verankert. Besonders die Schwellenländer dringen seit Jahren darauf, dass das informelle Abkommen gekippt und der Posten des Direktors ausgeschrieben wird.
Bedingungen für Hilfe
Der IWF arbeitet mit dem Land ein Programm aus, das konkrete Vorgaben zur Überwindung der Krise umfasst, zum Beispiel Vorgaben zur Haushaltspolitik. Die Kreditlinien werden üblicherweise in mehrere Tranchen gestückelt, deren Auszahlung an das Erreichen von Zwischenzielen gebunden ist. Üblich sind Kreditlaufzeiten von bis zu drei Jahren, die bei schweren Krisen aber verlängert werden können. Das angeschlagene Land legt seinen Sparplan im Detail offen. Bei Bedarf sind nachträgliche Änderungen möglich.