Anklage wegen versuchter Vergewaltigung IWF-Chef Strauss-Kahn in USA festgenommen

Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds und möglicher Präsidentschaftskandidat der französischen Sozialisten, ist auf dem New Yorker Flughafen festgenommen worden. Er soll versucht haben, ein Zimmermädchen zu vergewaltigen.

AP

New York - Es war 16.40 Uhr am Samstagnachmittag New Yorker Ortszeit, als zwei Polizisten in Zivil die abflugbereite Air-France-Maschine mit der Flugnummer AF 23 nach Paris am New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen betraten und Dominique Strauss-Kahn in der ersten Klasse des Jets festnahmen. Laut "New York Times" leistete der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) keinen Widerstand. Der Einsatz von Handschellen war nicht nötig. Zurzeit wird Strauss-Kahn in einer speziellen Abteilung der New Yorker Polizei für Sexualverbrechen festgehalten.

Die Vorwürfe wiegen schwer. Dominique Strauss-Kahn, der als wahrscheinlichster Kandidat der französischen Sozialisten für die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr gilt, soll versucht haben, ein Zimmermädchen zu vergewaltigen. Am frühen Sonntagmorgen New Yorker Zeit teilte ein Polizeisprecher mit, dass Anklage gegen den 62-Jährigen erhoben werde. Es geht um versuchte Vergewaltigung und sexuelle Belästigung.

Strauss-Kahns Anwälte in den USA teilten unterdessen mit, ihr Mandant werde auf nicht schuldig plädieren. Sein Anwalt in Frankreich, Leon Lef Foster, mahnte zur Besonnenheit: "Wir müssen warten, bis sich die Aufregung etwas gelegt hat. Und dann sehen, ob es wahr ist oder eine Provokation." Es gelte, einen "Medienzirkus" zu vermeiden.

Diese Hoffnung dürfte allerdings enttäuscht werden - angesichts der herausgehobenen Position des Beschuldigten.

Mutmaßliches Opfer: Zwei Attacken in sexueller Absicht

Der Tathergang hat sich nach Medienberichten wie folgt zugetragen: Die "New York Times" berichtet unter Berufung auf Polizeiquellen, dass das 32-Jährige Zimmermädchen ausgesagt habe, sie habe die Suite Strauss-Kahns - Zimmer 2806 im Sofitel - in der Annahme betreten, dass diese leer sei. Laut CNN hatte sie den Auftrag bekommen, die Suite zu säubern. Die Luxus-Suite bestehe aus mehreren Räumen, außerdem einem Foyer, einem Flur und einem Konferenzzimmer. Das Zimmer soll 3000 Dollar pro Nacht gekostet haben.

Der IWF-Chef sei daraufhin jedoch vollständig nackt aus dem Badezimmer getreten und habe sie aufs Bett geworfen. Dann habe er versucht, sie einzuschließen, und sie mit sexueller Absicht attackiert. Nachdem es ihr gelungen sei, sich zu entwinden, habe er sie eingeholt, und neuerlich angegriffen, dieses Mal im Badezimmer. Schließlich sei ihr die Flucht gelungen. CNN berichtet überdies, Strauss-Kahn habe versucht, seinem mutmaßlichen Opfer die Unterwäsche auszuziehen.

Das Zimmermädchen habe nach der Flucht anderen Hotelangestellten von dem Vorfall berichtet, die daraufhin die Notrufnummer der Polizei gewählt hätten. Dominique Strauss-Kahn, so die "New York Times", habe das Hotel offenbar in Eile verlassen und dabei unter anderem sein Handy liegen lassen. Zehn Minuten vor dem Abflug nach Paris wurde er festgenommen.

Heftige Reaktionen in Frankreich

Ein Anwalt Strauss-Kahns sagte der "New York Times", er habe noch keine Gelegenheit gehabt, mit dem Beschuldigten zu sprechen. Die "New York Times" nannte als dritten möglichen Tatbestände das Begehen eines "kriminellen sexuellen Aktes", versuchte Vergewaltigung und Freiheitsberaubung. Ein "krimineller sexueller Akt" kann im Bundesstaat New York darin bestehen, jemandem zu Oralverkehr zu zwingen.

Dominique Strauss-Kahn war zwischen 1997 bis 1999 französischer Finanzminister und ist ein langjähriges führendes Mitglied der Sozialisten. Seit 2007 führt der den IWF. Es war erwartet worden, dass er in den kommenden Wochen öffentlich erklären würde, dass er gegen den amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy antreten will.

Entsprechend heftig fielen die ersten Reaktionen in Frankreich aus. Strauss-Kahns Parteifreundin Ségolène Royal erklärte, die Festnahme sei eine "erschütternde Nachricht". Der Vize-Vorsitzender der konservativen Partei UMP, Renaud Muselier, sagte: "Es ist ein Desaster für unser Land und Frankreichs Image, denn er ist der Chef des IWF; das hier verändert die Ausgangslage für die Präsidentenwahl."

Dürre Worte von IWF

Der IWF bestätigte die Festnahme in einer kurzen Erklärung und beteuerte, dass er uneingeschränkt arbeitsfähig sei. Ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntagnachmittag, zu dem Strauss-Kahn hätte reisen sollen, wurde unterdessen abgesagt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Strauss-Kahn ins Zwielicht gerät. 2008 wurde gegen ihn wegen einer sexuellen Beziehung mit einer ihm untergebenen weiblichen Angestellten beim IWF ermittelt. Der IWF-Vorstand bezeichnete das Verhalten des Chefs damals als "bedauerlich" und Ausdruck einer "schweren Fehleinschätzung". Der Vorstand befand aber, die Beziehung zwischen Strauss-Kahn und seiner Mitarbeiterin habe auf gegenseitigem Einverständnis beruht.

Strauss-Kahn, der in dritter Ehe mit der TV-Journalistin Anne Sinclair verheiratet ist, entschuldigte sich damals in einer E-Mail an alle IWF-Mitarbeiter für sein Verhalten. "Dieser Vorfall ist eine schwere Fehleinschätzung meinerseits, für die ich die volle Verantwortung übernehme", schrieb er. "Zugleich bin ich der festen Überzeugung, dass ich meine Position nicht missbraucht habe." Die Mitarbeiterin, mit der Strauss-Kahn eine Affäre hatte, verließ den IWF und trat eine Stelle bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung an.

yas/Reuters/AFP/dpa



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Glasperlenspiel, 15.05.2011
1. Herr Strauss-Kahn ...
Zitat von sysopDominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds und möglicher Präsidentschaftskandidat der französischen Sozialisten, ist auf dem New Yorker Flughafen festgenommen worden. Er soll versucht haben,*ein Zimmermädchen zu vergewaltigen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,762626,00.html
... war ja in dieser Richtung kein ganz unbeschriebenes Blatt. Aber: 1. Es passt doch zeitlich wunderbar. 2. Warum hat er kein Callgirl gerufen? 3. Wem nutzt das? 4. Warum fällt einem in diesem Zusammengang gleich Herr Assange ein?
mitwisser, 15.05.2011
2. vorrevolutionär
Zitat von sysopDominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds und möglicher Präsidentschaftskandidat der französischen Sozialisten, ist auf dem New Yorker Flughafen festgenommen worden. Er soll versucht haben,*ein Zimmermädchen zu vergewaltigen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,762626,00.html
... unsere geistig-moralische Elite, wie sie leibt und lebt. Und die ist auch noch für unser Geld zuständig.... Vorrevolutionäre Zeiten.
Sapientia 15.05.2011
3. Wie schön, daß es den Konjunktiv gibt.....
Zitat von sysopDominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds und möglicher Präsidentschaftskandidat der französischen Sozialisten, ist auf dem New Yorker Flughafen festgenommen worden. Er soll versucht haben,*ein Zimmermädchen zu vergewaltigen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,762626,00.html
Soll, soll, soll, soll .... Im Endeffekt weiß man über den inneren Tatbestand noch nichts. Nur, daß die Amerikaner im Angesicht von Sozialisten völlig ausfallen. Mal sehen, was wirklich war. Immerhin ist nicht anzunehmen, daß ein 62-jähriger, welcher sich zudem anschickt, gegen Sarkozy anzutreten und hohe Funktionen bekleidet, in seinem Alter noch so viel Zwirn auf der Spule hat, daß er seine gesellschaftliche Stellung wegen einer Zimmerfrau aufs Spiel setzt - wenn überhaupt, dann stinkt das eher nach agent provocateur, um ihn als potentiellen politischen Gegner auszuschalten. Immerhin verfügen 5-Sterne-Hotels über vernünftige Services auch für den Bereich unterhalb der Gürtellinie. Aber wie wir das von Kachelmann ja schon kennen, überschlagen sich jetzt die aufschäumenden Medien, ist Frau Schwarzer schon auf dem Weg nach New York?
seine-et-marnais 15.05.2011
4. Kaum zu glauben
Zitat von sysopDominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds und möglicher Präsidentschaftskandidat der französischen Sozialisten, ist auf dem New Yorker Flughafen festgenommen worden. Er soll versucht haben,*ein Zimmermädchen zu vergewaltigen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,762626,00.html
Das ganze kommt ja fuer Sarkozy sehr gelegen. Der einzige gewichtige Gegenkandidat des PS ist also weg. Was mich irritiert sind die verwandschaftlichen Verhaeltnisse von Sarkozy in den USA. Ob da nicht nachgeholfen worden ist? Sarkozy gilt ja als der Wunschkandidat der Amerikaner und ist amerikanischer als Obama. Er hat Frankreich rein in die NATO geschaft, nach Afghanistan, spielt jetzt den Gehilfen in Libyen und die EU mit Barroso, Sarkozy und Merkel sind ja auch nur die Schosshuendchen von Washington. Wenn jetzt noch, natuerlich rein zufaellig, Marine Le Pen was passiert, ja dann haben wir einen Praesidentschaftskandidaten, den die Mehrheit der Franzosen nicht will, der aber als Kandidat allein auf weiter Flur steht.
Dornröschen2 15.05.2011
5. So ein Kaas!
Also wirklich, wenn interessiert's, dass er eine Frau angebaggert hat!? Das hat keinerlei Zusammenhang mit seinen fachlichen Qualifikationen (die ich nicht kenne). Solche Artikel suggerieren uns nur irgendwelche virtuellen Probleme, und es ist erschreckend, dass sich die *Öffentlichkeit überhaupt damit beschäftigt.
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