Anleitung für Verhöre: Britische Armee gibt Foltertipps

Einem Bericht des "Guardian" zufolge verwendet die britische Armee Leitfäden für brutale Verhörmethoden. Darin wird detailliert beschrieben, wie Verdächtige malträtiert werden können - von Schlafentzug bis zu Nacktverhören.

Festnahme eines Irakers durch britische Soldaten (2003): Handbuch für Misshandlungen Zur Großansicht
REUTERS

Festnahme eines Irakers durch britische Soldaten (2003): Handbuch für Misshandlungen

Hamburg - Die geheimen Irak-Protokolle dokumentieren, mit welchen haarsträubenden Methoden das US-Militär im Irak vorging - nun gerät auch die britische Armee immer stärker ins Zwielicht: Laut einem Bericht der Londoner Zeitung "Guardian" haben britische Militärs Leitfäden für brutale Verhörmethoden verfasst, die eklatant den Genfer Konventionen zum Schutz von Kriegsgefangenen widersprechen.

Diese Grundsätze untersagen es, von Gefangenen Informationen unter physischem oder moralischem Zwang zu erpressen. Doch die britische Armee empfiehlt laut "Guardian" in verschiedenen Dokumenten Drohungen und Erniedrigungen als Mittel, um Gefangenen Informationen zu entlocken. Soldaten wird zu Demütigungen geraten und dazu, bei den Befragten Verunsicherung, Orientierungslosigkeit, Anspannung und Angst auszulösen, berichtet das Blatt. Dazu gebe es ganz konkrete Anleitungen, wie dies erreicht werden kann.

Als Beispiel nennt die Zeitung eine Power-Point-Präsentation aus dem Jahr 2005. Darin würden Nacktverhöre empfohlen. "Zieh sie aus", zitiert die Zeitung aus dem Dokument. "Lass sie nackt, wenn sie Aufforderungen nicht befolgen."

Das Blatt nennt weitere Anleitungen aus dem Jahr 2008 und später. Darin wird zu Augenbinden, Ohrstöpseln und Plastik-Handfesseln geraten. Befrager sollten Gefangene zudem nicht länger als vier Stunden am Stück schlafen lassen, heißt es in den Dokumenten demnach weiter. Auch die Drohung mit Isolationshaft wird erwähnt.

Schiffscontainer als geeignete Orte

Die Brisanz der Methoden war den Verfassern der Dokumente offenbar bewusst. Denn sie raten dazu, für Verhöre abgelegen Orte wie Schiffscontainer zu suchen, die sich außer Hörweite befinden. Auch Medien sollten unbedingt ferngehalten werden.

Um die Gefangenen in den Verhören zur Räson zu bringen, wird in den Anleitungen laut "Guardian" auch zur Untersuchung der Genitalien geraten. Zynisches Detail: Neben genauen Anleitungen zu körperlichen Misshandlungen steht dann der Hinweis "Folter ist tabu".

Die Folteranleitungen stammen dem Bericht zufolge aus der Zeit nach 2003, nachdem ein irakischer Hotelpförtner in britischer Haft gestorben war. Seine Leiche wies 93 unterschiedliche Verletzungen auf. Der Fall wird derzeit in Großbritannien untersucht. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte an diesem Dienstag, im Zusammenhang mit diesem Fall seien die Verhörmethoden der britischen Armee offengelegt worden. Weitere Kommentare wollte er nicht abgeben.

Erst kürzlich hatte der "Guardian" mehrere Fälle aufgedeckt, in denen irakische Zivilisten von britischen Soldaten zu Tode gequält worden sein sollen:

  • Ein Mann soll an Bord eines Hubschraubers zu Tode getreten worden sein.
  • Ein Mann soll am Rande eines Verkehrsunfalls erschossen worden sein.
  • Ein 19-Jähriger soll ertrunken sein, als Soldaten ihn in einen Fluss stießen.

Die Vorwürfe stammen möglicherweise von Mandanten des britischen Menschenrechtsanwalts Phil Shiner. Er vertritt mehr als hundert Iraker, die gegen die britische Armee wegen Misshandlungen im Irak-Krieg klagen. Ab November werden diese Klagen vor Gericht verhandelt. Dann werden Shiner und seine Kollegen nachweisen wollen, dass es sich um systematische Misshandlungen handelt, schrieb die Zeitung. Shiner arbeitet auch mit der Internetplattform Wikileaks zusammen, die zuletzt geheime Irak-Protokolle öffentlich machte, die der SPIEGEL analysierte.

mmq/dpa

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insgesamt 76 Beiträge
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1. Den Haag
Chrysop 26.10.2010
Zitat von sysopEinem Bericht des "Guardian" zufolge verwendet die britische Armee*Leitfäden für brutale Verhörmethoden. Darin wird detailliert beschrieben, wie Verdächtige malträtiert werden können - von*Schlafentzug bis zu Nacktverhören. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,725482,00.html
Hier braucht es nun endlich ein unabhängiges Internationales Tribunal zur Verurteilung der Täter und Entschädigung der Opfer und Hinterbliebenen der alliierten Kriegsverbrechen.
2. an Bord eines Hubschraubers zu Tode getreten
werner3 26.10.2010
Ich habe von den Briten nichts anderes erwartet. Die britische und die US-Natur sind sehr verwandt. Tony Blair und G.W.Bush waren wie Brüder. Mehr gibts da nicht zu sagen.
3. Das wenigste, was zu erwarten wäre...
honni34 26.10.2010
Zitat von sysopEinem Bericht des "Guardian" zufolge verwendet die britische Armee*Leitfäden für brutale Verhörmethoden. Darin wird detailliert beschrieben, wie Verdächtige malträtiert werden können - von*Schlafentzug bis zu Nacktverhören. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,725482,00.html
Ich denke, auch ein Austritt Deutschlands aus der NATO wäre zu erwägen, da es sich ja offensichtlich bei der NATO um eine terroristische, menschenrechtswidrige und völkerrechtswidrige Vereinigung handelt. Die Kooperation mit "Partnern", die Angriffskriege auch von deutschem Boden aus führen sowie die grundlegendsten völkerrechts- und menschenrechtlichen Standards nicht beachten, ist übrigens auch nach dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verboten. Ich denke, ein solcher Austritt wäre das einzige und wenigste, was von der deutschen Regierung zu erwarten wäre.
4. Wundert das noch irgendwen?
Jahiro 26.10.2010
Keine wirklich neue Nachricht, bzw. war ja zu erwarten. Schließlich kommen die Soldaten ja nicht alle von alleine auf sadistische Methoden. Das einzige was mich wundert, ist, dass die Bevölkerung der EU dies alles so gelassen hinnehmen. Die USA und U.K. spielen sich weiterhin als "Die Guten" auf und keiner sagt/ schreibt was. Warum werden die Verantwortlichen nicht vor Gericht gezerrt - ich denke da an Bush & Blair als Anfang und von dort aus Top-Down bis zum einfachen Soldaten. Zumindest wird jetzt offenbar, wieviel unsere heutige Gesellschaftsform sich in dieser Hinsicht von jeder anderen der Vergangenheit unterscheidet: Gar nicht.
5. Es ist zum ...
Beteigeuze 26.10.2010
Zitat von sysopEinem Bericht des "Guardian" zufolge verwendet die britische Armee*Leitfäden für brutale Verhörmethoden. Darin wird detailliert beschrieben, wie Verdächtige malträtiert werden können - von*Schlafentzug bis zu Nacktverhören. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,725482,00.html
... kotzen! Der Westen als Hort der Menschenrechte. Die großartige Wertegemeinschaft. Daß das klar ist - und das geht an die Adresse der Verantwortlichen des hiesigen Landes: 1.) Ich verbitte mir, in eine "Wertegemeinschaft" mit Folterknechten und Kriegsverbrechern gestellt zu werden! 2.) Wer sich mit solchen Kreisen macht, ist selbst ein Folterknecht und Kriegsverbrecher! Es reicht! Ab nach Den Haag. Abführen!
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Yannis Behrakis/ Reuters
Heft 43/2010:
Irak - Die Pentagon-Protokolle
Über 100.000 Tote und immer noch kein Frieden. War es das wert?

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