Annäherung in Afghanistan Uno will Taliban von Terror-Liste streichen

Es ist ein deutliches Signal für die Annäherung des Westens an die Taliban: Die Uno erwägt, die afghanischen Kämpfer von einer Terrorliste zu streichen, auf der auch al-Qaida aufgeführt ist. So sollen Friedensgespräche in naher Zukunft möglich werden.

Afghanische Taliban-Kämpfer: Deutliche Abgrenzung von al-Qaida gefordert
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Afghanische Taliban-Kämpfer: Deutliche Abgrenzung von al-Qaida gefordert


Hamburg - Seit zehn Jahren stehen die alliierten Truppen in Afghanistan im Krieg mit den Taliban, eine militärische Lösung des Konflikts scheint ferner denn je. Nun mehren sich die Indizien für einen neuen Kurs der westlichen Verbündeten. Die Vereinten Nationen erwägen, die afghanischen Radikalislamisten von ihrer Liste terroristischer Organisationen zu streichen, auf der auch das Terrornetzwerk al-Qaida aufgeführt ist.

Wie Deutschlands Uno-Botschafter Peter Wittig am Dienstag mitteilte, wird ein Gremium in der kommenden Woche darüber entscheiden, Mitglieder der Taliban auf eine gesonderte Liste zu setzen. Damit würde die Uno signalisieren, dass al-Qaida und die Taliban unterschiedliche Ziele verfolgten, hieß es. Die Qaida hat sich dem weltweiten Kampf gegen den Westen verschrieben, während die Taliban ihre Aktivitäten auf Afghanistan beschränken. "Es gibt zwar Verbindungen. Aber in einen Korb stecken muss man al-Qaida und Taliban deshalb nicht", so Wittig.

Der jüngste Vorstoß der Uno gilt Beobachtern als politische Geste, mit der Friedensgespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban angestoßen werden sollen.

Besonders die USA drängen auf eine neue Strategie. Zuletzt hatte US-Verteidigungsminister Robert Gates politische Verhandlungen mit den Taliban noch in diesem Jahr in Aussicht gestellt. Schon im Winter könne "die Möglichkeit einer Art politischer Gespräche oder Versöhnung" an Form gewinnen, sagte Gates am vergangenen Wochenende.

Klare Vorgaben für mögliche Verhandlungen

Allerdings soll es solche Gespräche nur unter Bedingungen geben: Die Taliban müssten ihre Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida kappen, sich zur afghanischen Verfassung bekennen und ihre Waffen niederlegen. Wenn sie diese Forderungen erfüllten, "können sie potentiell eine politische Rolle in der Zukunft des Landes erhalten," sagte Gates. Die Taliban müssten erkennen, dass sie den Krieg nicht militärisch gewinnen können. Derzeit sind etwa 100.000 amerikanische Soldaten am Hindukusch im Einsatz, rund 100 Milliarden Dollar kostet das die US-Steuerzahler pro Jahr.

Weil ein militärischer Sieg in Afghanistan immer aussichtsloser erscheint, gibt es bereits seit langer Zeit die Idee, mit den Radikalislamisten zu verhandeln - und sie womöglich in eine afghanische Regierung einzubeziehen. Die westliche Staatengemeinschaft setzt spätestens seit dem Nato-Gipfel 2009 in Lissabon auf eine politische Lösung. Diese müsse allerdings zwischen den Afghanen vor Ort verhandelt werden.

Berichte über Geheimtreffen mit den Taliban

Der afghanische Präsident Hamid Karzai wirbt offensiv für einen solchen Kurs. Schon länger gibt es außerdem Berichte über Geheimgespräche der afghanischen Regierung mit der Führung der Aufständischen. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass es sogar bereits mehrere Unterredungen zwischen US-Vertretern und einem moderaten Taliban-Vertreter gegeben haben soll.

Eine schrittweise Aussöhnung mit den Taliban würde die Abzugspläne der USA unterstützen. Im Juli wollen sie mit dem Abzug von Soldaten beginnen und die Verantwortung für die Sicherheitslage schrittweise bis 2014 vollständig an die afghanischen Behörden übergeben. Allerdings ist die Gewalt am Hindukusch zuletzt eskaliert, auch in einst relativ friedlichen Regionen wie dem Norden, in dem die Bundeswehr stationiert ist.

jok/APD



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gambio 07.06.2011
1. Kapitulation
Zitat von sysopEs*ist ein deutliches Signal für die westliche Annäherung an die Taliban: Die Uno erwägt, die afghanischen Kämpfer von einer Terrorliste zu streichen, auf der auch*al-Qaida*aufgeführt ist. So*sollen Friedensgespräche in naher Zukunft möglich werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,767156,00.html
das ist nichts anderes als eine verkappte kapitulation. als taliban würd ich jetzt erst richtig loslegen und die besatzer aus dem land verjagen wie einst die vietcongs die amis.
quone, 07.06.2011
2. .
Zitat von sysopEs*ist ein deutliches Signal für die westliche Annäherung an die Taliban: Die Uno erwägt, die afghanischen Kämpfer von einer Terrorliste zu streichen, auf der auch*al-Qaida*aufgeführt ist. So*sollen Friedensgespräche in naher Zukunft möglich werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,767156,00.html
Die UNO? Die werden demnächst wahrscheinlich auch noch die Hamas von der Terrorliste streichen, wenn sie das nicht eh schon getan haben, weil da ja die Steinzeitmoslems mittlerweile das sagen haben. Wen interessiert heute noch die UNO? An Stelle zivilisierter Staaten würde ich da einfach austreten, dann können die da endgültig einen Barbarenverein draus machen und beschliessen was sie wollen.
Progressor 07.06.2011
3. Begrifflichkeiten
Radikalislamist = legt den Koran so aus wie er gedacht war Al Quaida = Radikalislamist der sich an der westlichen Welt für die Unterstützung des menschenverachtenden Zionismus und der Mithilfe an der Unterdrückung des Islam in den arabischen Dikaturen rächen will Taliban = radikalislamistischer afghanischer Freiheitskämpfer
meisterraro 07.06.2011
4. Die Kategorie "Terrorist"
ist schon immer nur dazu dagewesen, Gegner zu diskreditieren und damit die eigenen Kriege zu rechtfertigen. Die Taliban haben schon immer nichts anderes getan, als ihr Land gegen fremde Invasoren zu verteidigen. Deswegen nannte man sie "Terroristen". Diese Einordnung war reine Willkür. Nur weil sie gegen die Invasion von USA und Nato gekämpft haben und ihre Häuser und Felder verteidigt haben, hat man sie in eine Reihe mit Al-Quaida gestellt. Jetzt wird das endlich korrigiert und man sieht ein, dass ohne eine Annäherung mit den Taliban ganz einfach keine Lösung des Konflikts möglich ist. Obama beginnt jetzt doch noch mit dem versprochenen Change.
jupiter999 07.06.2011
5. Kein Kommentar
Tja ,da muss sich jeder seinen Teil über diese heutigen Vereinten Nationen selber denken wenn er das nicht schon bei Jugoslawien , Afrika oder zu anderen Gelegenheiten getan hat. Hätte es diese Vereinten Nationen auch schon vor dem zweiten Weltkrieg gegeben ... er wäre sicherlich verhindert worden .... um JEDEN Preis. Und Neville Chamberlain wäre ihr erster Vorsitzender geworden und die Webdomain von Spiegel Online Forum wäre heute das offizielle Forum des Ministeriums für Propaganda und Volksaufklärung. Thema der Woche : Wie Großdeutschland Europa einte und reinigte. Wöchentliche Kolumne : Jakob Augstein. Im Zweifel Volkstreu. "Wie das Weltjudentum den Weltkrieg auslöste und den nächsten schon plante."
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