Absage für Camp David Putin schwänzt G-8-Gipfel

Diese Absage kommt unerwartet: Wladimir Putin wird nicht am Treffen der G-8-Staaten in der Nähe von Washington teilnehmen. Er müsse erst sein Kabinett aufstellen, teilte er US-Präsident Barack Obama am Telefon mit. Stattdessen wird Premier Dmitrij Medwedew anreisen.

Russlands Präsident Putin (Archivbild): Absage an Obama und die G8
AP

Russlands Präsident Putin (Archivbild): Absage an Obama und die G8


Washington/Moskau - Das Zusammentreffen von Wladimir Putin und Barack Obama wird mit Spannung erwartet - nun muss sich die Welt noch ein wenig länger gedulden. Der frisch vereidigte russische Präsident hat seine Teilnahme am G-8-Gipfel am 18. und 19. Mai in den USA überraschend abgesagt.

Er bedauere es, dass er wegen seiner Verpflichtungen im Zuge der Regierungsbildung in Moskau nicht zu dem Treffen in Camp David (US-Staat Maryland) kommen könne, sagte Putin nach Angaben des Weißen Hauses am Mittwoch in einem Telefonat mit US-Präsident Obama. Der Kreml bestätigte Putins Absage zunächst nicht.

An dem G-8-Treffen werde stattdessen Russlands Ministerpräsident Dmitrij Medwedew teilnehmen. Obama habe Verständnis für Putins Entscheidung geäußert, hieß es. Ein Ausweichtermin ist jedoch bereits gefunden. Die beiden Staatschefs hätten vereinbart, sich am Rande des G-20-Gipfels zu treffen, der am 18. und 19. Juni in Los Cabos (Mexiko) stattfindet.

Putin hatte während seiner Kampagne für das Präsidentenamt scharfe Kritik an den USA geübt. Besonders die Einrichtung eines Nato-Raketenschirms hatte zuletzt für erhebliche diplomatische Spannungen zwischen den Ländern gesorgt. Bis 2020 soll das Abwehrsystem schrittweise ausgebaut werden, um in der Endphase das gesamte europäische Nato-Territorium zu schützen. Russland hatte gedroht, gegen eine solche Raketenabwehr notfalls auch militärisch vorzugehen.

Erst die Absage - dann gegenseitiges Lob

Offiziell bemühen sich beide Länder derzeit jedoch um einen versöhnlicheren Ton. Dem Weißen Haus zufolge vereinbarten Obama und Putin in dem Telefonat, die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern "auf der Basis gemeinsamer strategischer Interessen" weiter auszubauen.

Beide hätten die konkreten Fortschritte in den Beziehungen gewürdigt, die in den vergangenen drei Jahren - seit Obamas Amtsübernahme - erzielt worden seien. Das gelte etwa für Fragen der nuklearen Sicherheit, der Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen und für Afghanistan.

Eigentlicher Anlass des Telefonats war laut Mitteilung des Weißen Hauses der 67. Jahrestag des Sieges über das Nazi-Deutschland. Putin war am Montag für eine dritte Amtszeit als russischer Präsident vereidigt worden. Sein Vorgänger Medwedew wurde am Dienstag ins Amt des Ministerpräsidenten gewählt.

jok/dpa/AP/Reuters/dapd



Forum - Präsidentschaftswahl in Russland - ist Putin noch der Richtige?
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Seite 1
duk2500 26.02.2012
1. Stärke und Stabilität
Russland braucht nach dem Desaster des Kommunismus und den Chaos der Übergangszeit jetzt Stabilität und eine starke Führung zur weiteren politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Daran hat der Westen leider kein Interesse. Befremdlich auch wie viele westliche Intellektuelle die nie oder nur halbherzig die kommunistischen Diktaturen kritisierten, jetzt lautstark gegen bestimmte und notwendige Eigenarten der "gelenkten Demokratie" protestieren.
Finnländer 26.02.2012
2.
Bringen Sie doch erstmal ihre Fakten zusammen: 35.000 waren das Ziel. Ihr Aufmacher auf der Titelseite: ---Zitat--- Mit etwa 35.000 Menschen war die Kundgebung in Moskau die größte des Landes. ---Zitatende--- Die Veranstalter sprechen von 30.000, die Polizei von 11.000 Teilnehmern. Es werden also wohl um die 15.000 gewesen sein.
LaRussophobe 26.02.2012
3. 3
Zitat von sysopWladimir Putin wird aller Vorraussicht nach neuer Präsident Russlands. Trotz der seit Monaten anhaltenden Proteste gegen ihn und das politische System, welches sich unter ihm in den vergangenen 12 Jahren etabliert hat. Was denken Sie - ist Putin der Richtige, um Russland in den kommenden Jahren zu führen? Oder ist eine Erneuerung des Landes mitsamt der politischen Institutionen überfällig?
Ja, überfällig. Denn Putins dritte Amtszeit steht unter einem anderen Stern als der vom Ölpreis gepushte Einstieg des ehemaligen Geheimdienstlers vor zwölf Jahren. Inzwischen sind Staat und Infrastruktur zerfallen und die Korruption zerfrisst die verbliebenen Reste. Die überfällige Modernisierung in Armee, Bildungs- und Gesundheitswesen wurde schon in satten Zeiten versäumt. Und die von Putin nun installierte Elite wird sich um sie trotz gegenläufiger Rhetorik auch in den nächsten Jahren nicht kümmern. Russland droht der weiter beschleunigte Abstieg in Richtung Dritte Welt. Putins nächste Amtszeit steht unter dem Stern des Zerfalls: Die neue Dritte Welt - taz.de (http://www.taz.de/!78808/)
M67 26.02.2012
4. Lachnummer
Diese Anzahl der Demonstranten bei einer 11 Millionenstadt wie Moskau ist einfach nur lächerlich. Was soll dieser Bericht eigentlich bedeuten. Kohl war 16 Jahre Bundesknzler der BRD, darüber regt sich keiner auf. Laßt doch endlich Russland in Ruhe und kümmert Euch um die Ungerechtigkeiten in diesem Lan, da haben wir alle Hände voll zu tun. Einfach nur langweilig das ewige Gezedere.
michaelslo 26.02.2012
5. Der Übereifer des Westens
Zitat von sysopWladimir Putin wird aller Vorraussicht nach neuer Präsident Russlands. Trotz der seit Monaten anhaltenden Proteste gegen ihn und das politische System, welches sich unter ihm in den vergangenen 12 Jahren etabliert hat. Was denken Sie - ist Putin der Richtige, um Russland in den kommenden Jahren zu führen? Oder ist eine Erneuerung des Landes mitsamt der politischen Institutionen überfällig?
hat den Wunsch zum Vater des Gedankens. Eine starke Persönlichkeit - der richtige Mann für dieses Riesenreich - ist gut für Russland, schlecht für den Westen. Eine Marionette wäre dem Westen lieber. Jedwede "Proteste werden so aufgebauscht, als ob diese von Wladiwostok bis Smolensk reichen würden. Die ständigen Kritiker Putins sollten die Wahlbeteiligung in der BRD beachten - darauf kann der Westen nicht stolz sein.
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