Terror im Jemen Zahlreiche Menschen sterben bei Anschlägen auf Moscheen

Die Attentäter sprengten sich während des Mittagsgebets in die Luft: Im Jemen sind zwei Moscheen Ziel von Selbstmordanschlägen geworden. Dutzende Menschen wurden getötet. Der "Islamische Staat" bekannte sich zu der Tat.


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Sanaa - Nach den Bombenanschlägen im Jemen wird die Zahl der Opfer immer weiter nach oben korrigiert. Rettungskräfte sprechen inzwischen von mindestens 142 Toten, meldete die Nachrichtenagentur AFP. Al-Masirah TV, der Sender der schiitischen Rebellen, berichtete von 137 Toten. Reuters berichtete von 126 Toten. Mindestens 345 Menschen wurden jemenitischen Medien zufolge verletzt.

Am Freitag hatten Attentäter Selbstmordanschläge gegen zwei Moscheen in Sanaa verübt. Sie werden von Anhängern der schiitischen Huthi-Miliz besucht. Bilder zeigen die verwüsteten Moscheen Badr und Al-Chaschusch, in denen zugedeckte Leichen auf dem Boden lagen. Die Anschläge erfolgten nach demselben Muster, wie die Nachrichtenseite Barakish.net berichtete. Jeweils ein Attentäter sprengte sich bei den Sicherheitskontrollen am Eingang der Moscheen in die Luft, jeweils ein weiterer Extremist stürmte in die Gebäude und zündete Sprengstoffgürtel.

IS-Bekennerschreiben kursiert

Unter den Toten ist auch einer der wichtigsten schiitischen Geistlichen des Landes, wie die Huthis mitteilten. Die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) bekannte sich im Internet zu den Anschlägen. Vier "Ritter" hätten sich in den Moscheen der "Ungläubigen" in die Luft gesprengt, heißt es in einer IS-Botschaft.

Zunächst ließ sich nicht überprüfen, ob das IS-Bekennerschreiben echt ist. Die US-Regierung geht nicht davon aus, dass die Terrormiliz für die Anschläge verantwortlich ist. Es gebe keine Anzeichen für eine Verbindung zum IS, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest. Wahrscheinlicher sei, dass sich die Gruppe zu Propagandazwecken zu den Selbstmordattentaten bekannt habe. Das Schreiben eines angeblichen IS-Ablegers werde derzeit geprüft.

Die Terrormiliz hatte sich in dieser Woche bereits zu dem Attentat auf das Nationalmuseum in Tunis bekannt. Sollte der IS hinter den Anschlägen stehen, wäre es das erste Mal, dass er im Jemen mit einer solchen Tat in Erscheinung tritt.

Bisher galt das arme Land im Süden der Arabischen Halbinsel als Hochburg eines mächtigen Ablegers des Terrornetzwerks Al-Kaida. Der IS und al-Qaida vertreten zwar eine ähnliche Ideologie, sind aber miteinander verfeindet und kämpfen um die Vorherrschaft im globalen Heiligen Krieg.

"Zynischer Versuch, Hass und Gewalt anzuheizen"

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die blutigen Anschläge scharf. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin erklärte, die Tat sei "ein weiterer zynischer Versuch, Hass und Gewalt zwischen den Bevölkerungsgruppen anzuheizen".

Die Huthi-Rebellen liefern sich seit Monaten einen Machtkampf mit Staatschef Abdrabuh Mansour Hadi. Auch mit dem jemenitischen Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida sind sie verfeindet.

Die Huthis hatten in den vergangenen Monaten den Norden des Landes und die Hauptstadt unter ihre Kontrolle gebracht. Vor einigen Wochen setzten sie Hadi und die Regierung ab, sie lösten auch das Parlament auf. Der Präsident floh deshalb ins südjemenitische Aden. Von dort aus zog der international anerkannte Präsident seine Rücktrittserklärung zurück und erklärte die im Süden gelegene Stadt zur neuen Hauptstadt.

Erst am Donnerstag hatten Kampfflugzeuge den Präsidentenpalast in der Hafenstadt Aden bombardiert. Medienberichten zufolge sollen die Angriffe von Verbündeten der schiitischen Huthi-Rebellen geflogen worden sein - Präsident Hadi überlebte die Attacke offenbar unverletzt, weil er an einem sicheren Ort war. Er sprach von einem "gescheiterten Putschversuch".

Zusammengefasst: Der Jemen wurde erneut von Terrorattacken erschüttert. Selbstmordattentäter zündeten in Sanaa vor und in zwei Moscheen Bomben. Die Gotteshäuser werden von s chiitischen Milizen besucht. Mehr als 130 Menschen starben. Die Terrorgruppe "Islamischer Staat" bekannte sich zu Attentaten. Ob das Bekennerschreiben echt ist, ist noch unklar.

heb/Reuters/AP/dpa/AFP



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