Anschläge in Jakarta: Die blutige Spur der Jemaah Islamiah

Von Julia Walker

Experten sind sich einig: Hinter den blutigen Anschlägen in Jakarta steckt die Terrorgruppe Jemaah Islamiah. Die Islamistengruppe gilt als größter Ableger von al-Qaida in Südostasien - und hat das nötige Know-how für Attentate dieser Dimension.

Hamburg - Die Terroristen von Jemaah Islamiah (JI) kämpfen seit Jahren für ein Ziel: Die Beseitigung der gewählten Regierungen in Südostasien und die Errichtung eines islamischen Großstaates - bestehend aus Indonesien, Malaysia, die Süd-Philippinen, Süd-Thailand, Singapur und Brunei.

Die radikalen Islamisten schlossen sich 1993 unter der Führung der Geistlichen Abdullah Sungkar und Abu Bakar Bashir aus mehreren Gruppen zusammen. Der Name Jemaah Islamiah steht für "Islamische Gemeinschaft".

Jemaah Islamiah gilt nicht nur als der größte Ableger der Dschihadisten von al-Qaida im Südostasien. Die Gruppe unterhält angeblich auch enge Kontakte zu den internationalen militanten Islamistengruppen Abu Sayyaf und zur Islamischen Befreiungsfront auf den muslimischen südlichen Philippinen. Die Mitglieder und die Organisation der JI sind relativ unbekannt. Doch ihre Stärke ist die tiefe Vernetzung mit der Geschichte des Islamismus in Indonesien, der mit rund 190 Millionen Gläubigen größten Muslimnation der Welt. Viele der JI-Mitglieder waren früher in der Darul-Islam-Bewegung ("Haus des Islam") aktiv, die seit den fünfziger Jahren für die Errichtung eines islamischen Staates in Indonesien kämpft. Die Abgrenzungen und Überscheidungen beider Gruppen sind selbst für Experten schwer auszumachen.

Jemaah Islamiah ist für eine lange Blutspur in den vergangenen Jahren verantwortlich: Von 2002 bis 2005 gab es in Indonesien zahlreiche Attentate, für die die JI verantwortlich gemacht wurde. Bei drei Bombenanschlägen auf der Ferieninsel Bali 2002 kamen 202 Menschen ums Leben, darunter auch sechs Deutsche. Seitdem wurden zahlreiche Extremisten verhaftet. Auch der ideologische Kopf der Organisation, Abu Bakar Bashir, wurde festgenommen, später aber freigesprochen.

2003 starben zwölf Menschen bei Anschlägen auf das Marriott-Hotel in Jakarta. 2004 bekannte sich JI zu Anschlag auf die Botschaft Australiens in Jakarta. Ein Selbstmordattentäter jagte einen Lieferwagen in die Luft und tötete elf Menschen. Bei einem dreifachen Anschlag auf Restaurants auf Bali 2005 kamen 20 Menschen um.

Die indonesische Polizei verhaftete 400 der geschätzten 4000 Mitglieder der Terrororganisation, auch in Malaysia und Singapur wurden Hunderte Anhänger festgenommen. 2008 wurden drei militante Islamisten für die Anschläge auf Bali hingerichtet.

Seit mehreren Jahren hatte es in Indonesien keine Anschläge mehr gegeben - bis jetzt. Auch die Präsidentschaftswahl Anfang des Monats verlief friedlich.

In einem australischen Bericht zur Sicherheitslage vom Donnerstag heißt es, die Jemaah Islamiah könnte zu neuen Anschlägen bereit sein. Der Direktor des Instituts für Strategische Politik, Carl Ungerer, sagte im australischen Rundfunk, moderate Elemente hätten in jüngster Zeit dafür plädiert, sich auf politische Ziele zu konzentrieren - einen streng islamischen Staat. Das sei vom harten Kern aber immer stärker in Frage gestellt worden. Die Hardliner täten die moderaten Mitglieder als Nato ab - No Action, Talk Only (etwa: keine Aktionen, nur Gerede). "Nicht alle Mitglieder der Organisation sind einverstanden mit den Anschlägen", sagte auch der indonesische Analyst Noor Huda Ismail im Fernsehen. "Die Hardliner wollen zeigen, dass sie in der Lage sind, alle Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen."

Für den Terrorexperten Rohan Gunaratna steckt sie JI zweifellos hinter den Bomenanschlägen vom Freitag. "Die einzige Gruppe, die zu Angriffen auf westliche Ziele willens und in der Lage ist, ist Jemaah Islamiah", erklärte er. Trotz des harten Durchgreifens der indonesischen Sicherheitskräfte in den vergangenen Jahren sei sie "immer noch eine sehr fähige Terrororganisation". "Sie verüben oft zwei Anschläge gleichzeitig und nehmen Ziele mit Ausländern ins Visier", sagte Gunaratna. Die Anschläge könnten ein Racheakt für die Hinrichtung der Bali-Bomber im vergangenen November sein.

Mit Material von Reuters, dpa und AP

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