Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Anschläge in Moskau: Putin will Täter "aus der Kanalisation kratzen"

Mit kriegerischen Tönen will der russische Ministerpräsident Putin die verängstigte Bevölkerung aus ihrem Schockzustand reißen. Es sei für die Sicherheitskräfte eine Frage der Ehre, die Drahtzieher der U-Bahn-Anschläge zu fassen. Sie würden sie aus dem Abwasserkanal ans Tageslicht zerren.

Putins TV-Ansprache: "Eine Frage der Ehre" Zur Großansicht
AFP

Putins TV-Ansprache: "Eine Frage der Ehre"

Moskau - Wladimir Putin präsentiert sich als Herr der Lage. Er hat die Sicherheitskräfte seines Landes energisch zur Suche nach den Drahtziehern der Terroranschläge vom Montag aufgefordert. Die "Komplizen und Hintermänner der Tat" hielten sich versteckt und müssten "vom Boden der Kanalisation gekratzt und ans Tageslicht gebracht" werden, sagte Putin im russischen Fernsehen. Dies sei "eine Frage der Ehre für die Sicherheitskräfte".

Die Ermittlungen konzentrierten sich am Tag nach den Anschlägen in der Moskauer U-Bahn auf Rebellen aus dem Nordkaukasus und zwei mutmaßliche Helferinnen der Attentäterinnen. Wie russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Sicherheitskreise berichteten, wurden die beiden Selbstmordattentäterinnen, die sich am Montag im morgendlichen Berufsverkehr in den Haltestellen Lubjanka und Park Kultury in die Luft gesprengt hatten, von zwei Frauen begleitet. Neben den Frauen, die auf Überwachungskameras zu erkennen waren, suchte die Polizei auch nach einem möglichen dritten Helfer.

Die Internetseite Life.ru veröffentlichte Bilder der Attentäterinnen, laut einem Sprecher der Gerichtsmedizin war eine von ihnen zwischen 20 und 25 Jahren alt. Einem Bericht von Interfax zufolge trafen die Frauen am Montagmorgen in einem Privatbus aus dem Nordkaukasus in Moskau ein.

Präsident Dmitrij Medwedew sprach sich für eine Verschärfung der Anti-Terror-Gesetze aus. Um Anschläge in Zukunft zu verhindern, müsse das Hauptaugenmerk auf einer Verbesserung der Gesetzgebung liegen, sagte Medwedew nach einem Treffen mit hochrangigen Justizvertretern. Einige Abgeordnete forderten die Wiedereinführung der Todesstrafe.

Fotostrecke

16  Bilder
Metro in Moskau: Anschläge in der Rushhour
Zu der Tat, bei der 39 Menschen getötet und 83 Menschen teils schwer verletzt wurden, bekannte sich zunächst niemand. Der Chef des Geheimdienstes FSB, Alexander Bortnikow, machte jedoch Rebellen aus dem Nordkaukasus für den Anschlag verantwortlich. Außenminister Sergej Lawrow schloss auch eine Beteiligung von al-Qaida nicht aus. Er brachte eine Verbindung der Täter zu islamistischen Terroristen aus dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ins Spiel. Dort würden viele Anschläge geplant.

Moskau beging einen Trauertag für die Opfer. In der Hauptstadt wehten die Flaggen auf Halbmast, und viele Menschen legten Blumen am Anschlagsort nieder. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden verschärft. In der orthodoxen Christ-Erlöser-Kathedrale wurde ein Trauergottesdienst gefeiert. Am Nachmittag wurden rund 100 Menschen aus der Kirche in Sicherheit gebracht, nachdem kurz zuvor telefonisch eine Bombendrohung eingegangen war. Die Polizei entdeckte jedoch keine Sprengsätze.

US-Präsident Barack Obama bot Medwedew telefonisch die Zusammenarbeit der USA beim Vorgehen gegen die Drahtzieher an. Auch die Außenminister der G-8-Staaten verurteilten die "feigen Attentate".

ler/AFP/apn

Diesen Artikel...
Forum - Anschläge in Moskau - was ist die richtige Antwort auf den Terror?
insgesamt 741 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
spieglfechter 29.03.2010
Zitat von sysopMindestens 37 Tote, viele Verletzte: Nach den Anschlägen in Moskaus Metro schwört Präsident Medwedew Russland auf einen unerbittlichen Kampf gegen Extremisten ein. Was ist die richtige Antwort auf die Terroranschläge?
Die richtige Antwort ist, wie bei den Anschlägen in New York, Bali, Madrid, London, Mumbai ..., die Frage: Cui bono ?
2. ....dann lieber gar nicht, Homer ist sowieso schöner.....
eikfier 29.03.2010
Zitat von spieglfechterDie richtige Antwort ist, wie bei den Anschlägen in New York, Bali, Madrid, London, Mumbai ..., die Frage: Cui bono ?
...ach wissen Sie, dafür ist mir unsere jetzige Staatsform zu wertvoll, um mich hier dazu erniedrigen zu lassen, zwischen den Zeilen schreiben zu müssen, um einen nicht genehmen Gedanken durchzubekommen.... See you....!
3.
jacknife 29.03.2010
Zitat von sysopMindestens 37 Tote, viele Verletzte: Nach den Anschlägen in Moskaus Metro schwört Präsident Medwedew Russland auf einen unerbittlichen Kampf gegen Extremisten ein. Was ist die richtige Antwort auf die Terroranschläge?
Egal von wessen Seite dieser Anchlag ausging (Islamisten aus Tschetschenien, irgendwelche sonstige Separatisten): Die Russen sollten ihre harte Linie beibehalten. Nur so demonstriert man Entschlossenheit gegenüber Terroristen und zeigt ganz unmissverständlich, dass solche feigen Anschläge nicht ungesühnt bleiben.
4. Antwort mit Fragezeichen
Titmouse 29.03.2010
Zitat von spieglfechterDie richtige Antwort ist, wie bei den Anschlägen in New York, Bali, Madrid, London, Mumbai ..., die Frage: Cui bono ?
Soll "cui bono?" eine Antwort sein? Flugs heraus mit Ihre Verschwörungstheorie !
5.
henningr 29.03.2010
Zitat von sysopMindestens 37 Tote, viele Verletzte: Nach den Anschlägen in Moskaus Metro schwört Präsident Medwedew Russland auf einen unerbittlichen Kampf gegen Extremisten ein. Was ist die richtige Antwort auf die Terroranschläge?
Man sollte den NATO-Verteidigungsfall ausrufen, das zweite Mal nach 9/11. Dann den Schuldigen benennen (spätestens einen Tag nach den Anschlägen, mit denen man vorher natürlich nicht gerechnet hat, da U-Bahn-Anschläge an sich total abwegig sind), der natürlich aus einem Land kommt wo man gerne mal einmarschieren würde... Halt! Achso die Russen sind nicht in der NATO? Das ist natürlich doof. Trotzdem: das Theater mit dem abhängigen Untersuchungsaussschuss kann man sich diesmal sparen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Zur Großansicht
Google Earth, Digital Globe


Anschläge in Russland
2010: Terror in der U-Bahn
29. März 2010: In den Moskauer U-Bahn-Stationen Park Kultury und Lubjanka explodieren am Morgen zwei Sprengsaätze - russischen Ermittlern zufolge haben sich zwei junge Selbstmordattentäterinnen aus der russischen Teilrepublik Dagestan in die Luft gejagt. Mindestens 38 Menschen sterben bei den Anschlägen. Zu den Anschlägen bekannte sich eine Rebellengruppe aus dem Nordkaukasus, das sogenannte Kaukasus-Emirat von Doku Umarow.

31. März 2010: Bei einem Doppelanschlag in Kisljar in Dagestan werden zwölf Menschen getötet. Unter den Toten befinden sich zahlreiche Milizionäre, auch der örtliche Polizeichef kam ums Leben.
2009: "Sabotagekrieg" im Schnellzug
27. November 2009: Bei einem Anschlag auf den Schnellzug Moskau-St. Petersburg sterben 26 Menschen. Etwa 100 weitere werden verletzt. Tage später bekennen sich islamistische Extremisten zu der Tat und kündigen einen "Sabotagekrieg" gegen die "blutige Besatzungspolitik" Moskaus im Kaukasus an.

17. August 2009: Ein Selbstmordattentäter sprengt sich in der Stadt Nasran in der russischen Teilrepublik Inguschetien mit 200 Kilogramm Sprengstoff in seinem Kleintransporter in die Luft. Mindestens 25 Menschen sterben, mehr als 200 werden verletzt.
2006: Terror auf dem Marktplatz
21. August 2006: Auf einem Moskauer Markt explodiert eine mit Metallsplittern präparierte Bombe. Zehn Menschen kommen ums Leben, mehr als 50 weitere werden verletzt.
2005: Blutiges Gefecht in Naltschik
13. Oktober 2005: Islamistische Rebellen überfallen die südrussische Stadt Naltschik. In nachfolgenden Gefechten sterben mindestens 137 Menschen, darunter 92 Rebellen, 33 Sicherheitsleute und zwölf Zivilisten.

19. Juli 2005: Bei einem Bombenanschlag auf Milizionäre in Snamenskoje nordwestlich der tschetschenischen Hauptstadt Grosny kommen mindestens 14 Menschen ums Leben, 34 werden verletzt.

12. Juni 2005: In der Nähe von Moskau detoniert auf einem Gleisbett ein ferngezündeter Sprengsatz. Mehrere Waggons eines aus Tschetschenien kommenden Eisenbahnzuges entgleisen. 42 Menschen werden verletzt.
2004: Als der Schrecken nach Beslan kam
1. September 2004: 32 Bewaffnete überfallen eine Schule in Beslan (Nordossetien) und nehmen mehr als 1100 Kinder, Eltern und Lehrer 52 Stunden lang als Geiseln. 331 Opfer und 31 Terroristen sterben.

6. Februar 2004: Eine Bombe in der Moskauer U-Bahn tötet etwa 40 Fahrgäste. Die Polizei spricht von einem Selbstmordattentäter tschetschenischer Herkunft.

24. August 2004: Sprengsätze bringen nahezu zeitgleich zwei russische Verkehrsflugzeuge im Westen Russlands zum Absturz. 90 Menschen sterben.
2002: Geiselnahme im Musicaltheater
27. Dezember 2002: Ein Selbstmordattentäter bringt einen Lastwagen voller Sprengstoff am Gebäude der moskautreuen Regierung in Grosny zur Explosion. Mehr als 60 Tote.

23. Oktober 2002: 41 Tschetschenen überfallen ein Moskauer Musicaltheater und nehmen mehr als 800 Geiseln. Nach drei Tagen stürmt die Polizei das Gebäude. 129 Geiseln sowie alle Terroristen sterben.
Die Metro in Moskau gilt als die schönste der Welt und ist das wichtigste Verkehrsmittel in der größten Stadt Europas. Täglich nutzen etwa neun Millionen Fahrgäste das rund 300 Kilometer lange Schienennetz der U-Bahn. Zu den Stoßzeiten drängen sich die Menschen in den meist veralteten Waggons der zwölf Linien.

Die 180 Stationen sind häufig prunkvoll mit Lüstern, Reliefs und Statuen verziert und mit Marmor verkleidet. Viele Touristen kaufen sich eigens eine Fahrkarte zum Preis von 26 Rubel (ca. 66 Cent), um die in Reiseführern beschriebenen "unterirdischen Paläste" zu bestaunen. Die 1935 eröffnete Metro war ein Prestigeprojekt von Sowjetdiktator Josef Stalin.

Fotostrecke
Moskauer Metro: Stalins unterirdische Paläste

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: