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10. Februar 2013, 15:34 Uhr

Anschläge in Neu Delhi 2001

Hinrichtung von Drahtzieher sorgt für Proteste

Am Samstag wurde Mohammed Afzal Guru in Neu-Delhi gehängt - nun gibt es in Kaschmir massive Proteste gegen die Hinrichtung des mutmaßlichen Hintermanns des Anschlags in Neu-Delhi 2001. Demonstranten verbrannten in der Unruheregion indische Flaggen, Polizisten wurden angegriffen.

Mumbai - Das Todesurteil gegen Mohammed Afzal Guru war höchst umstritten - und wurde dennoch am Samstag in Indien vollstreckt. Die Hinrichtung eines mutmaßlichen Drahtziehers des Anschlags auf Indiens Parlament im Jahr 2001 hat in Kaschmir Proteste ausgelöst. Hunderte Demonstranten versammelten sich am Samstag am Haus der Familie des Gehängten. Auch im pakistanischen Teil der muslimisch geprägten Unruheregion fanden Proteste statt. Menschenrechtsorganisationen verurteilten die Hinrichtung des mutmaßlichen Islamisten.

Bei der Kundgebung am Haus von Gurus Familie seien 36 Menschen, unter ihnen viele Polizisten, verletzt worden, berichtete die indische Nachrichtenagentur PTI. Demonstranten an der Grenze im pakistanischen Teil Kaschmirs verbrannten indische Flaggen und riefen "Nieder mit Indien". Das indische Innenministerium warnte die Polizeibeamten landesweit vor Gewalttaten. In Kaschmir legten die Behörden das Kabelfernsehen und mobile Internetverbindungen lahm.

Bereits vor der Vollstreckung des Todesurteils wurden die Bewohner von Srinagar, der größten Stadt im indischen Teil Kaschmirs, von der Polizei per Lautsprecher aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Obwohl die Ausgangssperre nicht offiziell verhängt wurde, errichtete die Polizei an den wichtigsten Einfahrtsstraßen von Srinagar sowie im Stadtzentrum Absperrungen, um Protestkundgebungen zu verhindern. Über der Stadt kreisten Hubschrauber.

Guru versicherte seine Unschuld

Die Hinrichtung Gurus fand laut Innenministerium im Tihar-Gefängnis am Rande von Neu-Delhi statt. Indiens Präsident Pranab Mukherjee hatte ein letztes Gnadengesuch des 43-Jährigen abgewiesen. Er war wegen Verschwörung und Unterstützung der Angreifer auf das indische Parlament zum Tode verurteilt worden. Bei dem Anschlag im Dezember 2001 hatten fünf Bewaffnete das Parlament gestürmt und acht Polizisten sowie einen Gärtner getötet. Ein verletzter Journalist starb mehrere Monate später. Die Angreifer wurden vor Ort von Sicherheitskräften erschossen.

Der Vorfall hatte Indien und Pakistan an den Rand eines neuen Kriegs gebracht, da Indien den pakistanischen Geheimdienst bezichtigte, die Terroristen unterstützt zu haben. Die beiden Nachbarländer stationierten acht Monate lang schätzungsweise insgesamt eine Million Soldaten an ihrer gemeinsamen Grenze.

Guru hatte stets seine Unschuld beteuert. Laut indischer Justiz war er Mitglied einer islamistischen Gruppe, die gegen die indische Herrschaft in Kaschmir kämpft. Die mehrheitlich von Muslimen bewohnte Kaschmir-Region wird sowohl von Pakistan als auch von Indien vollständig beansprucht. Seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 führten die beiden Nachbarstaaten bereits drei Kriege um das zwischen ihnen aufgeteilte Gebiet.

jok/AFP

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