Terror in Frankreich Die grausame Professionalität der Attentäter

Viel deutet darauf hin, dass die Attentäter von Paris eine militärische Ausbildung absolvierten. Ihre Sprengstoffwesten wurden offenbar von einem Spezialisten hergestellt.

Französische Polizisten in Paris: "Spezialist, der Umgang mit Sprengstoff gewohnt ist"
AP/dpa

Französische Polizisten in Paris: "Spezialist, der Umgang mit Sprengstoff gewohnt ist"


Die Terroranschläge von Paris waren eine konzertierte Kommandoaktion. Vorbereitung und Durchführung der Attentate waren aufwendig.

  • Mindestens sieben Attentäter waren an den Anschlägen beteiligt. Je größer die Zahl der Täter, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Plan auffliegt, weil es Mitwisser gibt oder weil die Täter im Vorfeld den Verdacht der Sicherheitsbehörden wecken. Zwei Attentäter stammten aus Belgien, einer reiste möglicherweise mit falschem syrischen Pass aus dem Nahen Osten quer durch Europa bis nach Frankreich. Die Terroristen müssen die Anschlagsorte in Paris vor ihren Taten ausgekundschaftet haben. Dass die Verschwörer trotzdem unentdeckt blieben, spricht für ihre Professionalität.

  • Die Schützen sollen äußerst professionell vorgegangen sein. Laut Augenzeugen feuerten sie in der Konzerthalle Bataclan und in den angegriffenen Restaurants sehr ruhig auf ihre Opfer. Das deutet auf eine militärische Ausbildung hin - möglicherweise bei der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) in Syrien oder dem Irak.

  • Die Attentäter verfügten nicht nur über Kalaschnikows, sondern auch über Sprengstoffwesten. "Dafür braucht man einen Spezialisten, der den Umgang mit Sprengstoff gewohnt ist", sagte ein ehemaliger ranghoher Geheimdienstmitarbeiter der Nachrichtenagentur AFP. "Er muss den Sprengstoff herstellen und dafür sorgen, dass der Gürtel oder die Weste des Attentäters nicht so unhandlich wird, dass sich der Terrorist nicht mehr bewegen kann. Und er muss dafür sorgen, dass der Sprengstoff nicht versehentlich explodiert."

  • Nach Angaben von Ermittlern handelte es sich bei dem Sprengstoff um Acetonperoxid, auch bekannt als Apex oder TATP. Das lässt sich zwar relativ leicht aus Haushaltsreinigern zusammenmischen, ist aber hoch entzündlich. "Sie haben diese Westen nicht aus Syrien mitgebracht", sagte der Ex-Geheimdienstbeamte. Es sei viel zu riskant, den Sprengstoff über Tausende Kilometer zu transportieren. Daher sei es sehr wahrscheinlich, dass sich der Bombenbauer in Frankreich oder Europa aufhalte, diese Person aber von Dschihadisten im Nahen Osten ausgebildet wurde.

Videoanalyse: Christoph Sydow über das IS-Bekenntnis

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syd/AFP

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