Anschlagsserie in Syrien Russland hält USA Doppelmoral vor

Mehr als 80 Menschen wurden bei einer Anschlagsserie in Damaskus getötet. Doch die Uno konnte sich nicht auf einen gemeinsamen Text zur Verurteilung der Gewalt einigen. Russland warf den USA deshalb eine Doppelmoral in seiner Syrien-Politik vor.

Anschläge in Damaskus: Mehr als 80 Tote bei der Attentatsserie
Thilo Thielke

Anschläge in Damaskus: Mehr als 80 Tote bei der Attentatsserie


Moskau/Damaskus - Bei der Anschlagsserie in Syriens Hauptstadt Damaskus sind nach neuen Angaben von Aktivisten mindestens 83 Menschen getötet worden. Der Angriff ereignete sich im Zentrum der Stadt, als ein Attentäter eine Autobombe in der Nähe des Sitzes der regierenden Baath-Partei zündete. Dabei kamen demnach 61 Menschen ums Leben, darunter 17 Mitglieder der Regierungstruppen. Es handelte sich demzufolge um das schwerste Attentat in Damaskus seit Beginn des Konflikts 2011.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den folgenschwersten Selbstmordanschlag in Damaskus seit Beginn des bewaffneten Konflikts in Syrien. Er appelliere "an alle Seiten, der Gewalt ein Ende zu setzen und die internationalen Menschenrechte zu achten", teilte sein Sprecher Martin Nesirky am Donnerstag in New York mit.

Doch es gelang den Vereinten Nationen dennoch nicht, sich auf einen Text zur Verurteilung des Anschlags zu einigen. Russland, einer der letzten Verbündeten von Syriens Staatschef Baschar al-Assad, machte die USA dafür verantwortlich, die an der Seite der Rebellen stünden. Moskau warf Washington vor, in der Syrien-Politik mit zweierlei Maß zu messen.

Es sei eine gefährliche Entwicklung, wenn sich die USA vom Prinzip der "bedingungslosen Verurteilung von Terrortaten" verabschiedeten, sagte Außenminister Sergej Lawrow. Auf diesem Prinzip beruhe die Einheit der internationalen Gemeinschaft im Kampf gegen den Terrorismus. Lawrow äußerte sich auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem chinesischen Kollegen in Moskau.

Bei den Anschlägen war auch das Gebäude der russischen Botschaft beschädigt worden. Russland hat als Vetomacht im Sicherheitsrat bislang drei Mal Resolutionen verhindert, mit denen Assad unter Druck gesetzt werden sollte.

Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Die Regierung gab laut syrischem Staatsfernsehen "Terroristen", die al-Qaida nahestehen, die Schuld. Sie kritisierte zudem, dass die Terrororganisation mit Geld und Waffen aus dem Ausland unterstützt würde.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete zudem, dass kurz nach den Explosionen im Zentrum der Hauptstadt Sicherheitskräfte einen mutmaßlichen Selbstmordattentäter mit Sprengstoff im Auto festgenommen hätten.

als/Reuters/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 101 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
nichtsnutz2 22.02.2013
1. ?
Hat Russland jemals das syrische Regime für das bombardieren von ganzen Stadtteilen verurteilt? Nein!
maki1961 22.02.2013
2. ist das was neues?
die usa hat doch immer recht oder sollte ich mich täuschen? ich wundere mich über den kommentar des zdf als bürger von damaskus zitiert werden und sagen die rebellen wollen uns befreien. dürfen die das?
Thom-d 22.02.2013
3.
Zitat von sysopThilo ThielkeMehr als 80 Menschen wurden bei einer Anschlagsserie in Damaskus getötet. Doch die Uno konnte sich nicht auf einen gemeinsamen Text zur Verurteilung der Gewalt einigen. Russland warf den USA deshalb eine Doppelmoral in seiner Syrien-Politik vor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/anschlaege-in-syrien-russland-haelt-usa-doppelmoral-vor-a-884977.html
Was soll es sonst als Doppelmoral oder noch Schlimmerem sein, wenn die USA von Frieden und Menschenrechten heucheln, aber massiv die islamistischen Terroristen unterstützen um die syrische Regierung zu stürzen
Hape1 22.02.2013
4. ...
Zitat von nichtsnutz2Hat Russland jemals das syrische Regime für das bombardieren von ganzen Stadtteilen verurteilt? Nein!
Doch. Aber leider ist der (vernünftige) russische Resolutionsentwurf von einigen Veto-Mächten abgelehnt worden.... "Der Entwurf drängt alle Konfliktparteien zu einem sofortigen Waffenstillstand und ruft zur "dringenden" und "sofortigen" Umsetzung von Annans Friedensplan auf. Er enthält aber keine Forderung nach Sanktionen gegen Regierung oder Opposition in Syrien, wenn der Friedensplan nicht umgesetzt wird. Der Sicherheitsrat wird in dem Text aufgefordert, die Umsetzung der Resolution zu überwachen und "soweit erforderlich weitere Schritte in Betracht zu ziehen"." Syrien: Russland legt ideenlosen Resolutionsentwurf vor | Politik | ZEIT ONLINE (http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-07/russland-syrien-sanktionen) Das nennt man dann in der Tat "Doppelmoral".
aras62 22.02.2013
5. optional
Hier weiss doch keiner - wer wen und was. Gab es so ein Geschrei als die Roten Khmer in Kambodscha Millionen umbrachten. Da schaute die Welt zu. Nur die Vietnamesen griffen ein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.