Anschlag auf Atomwissenschaftler Iran beschuldigt USA und Israel des Mordes

Eine ferngesteuerte Bombe hat in Teheran einen Atomwissenschaftler getötet - Irans Regierung bezichtigt die USA und Israel, hinter dem Mord an dem Professor zu stecken. Bei ersten Untersuchungen habe man Zeichen von deren "Boshaftigkeit" gefunden, so ein Sprecher des iranischen Außenministers.


Teheran - Irans Außenminister erklärte nach Angaben des Staatsfernsehens Irib, es gebe Anzeichen dafür, dass Israel und USA mit dem Mord an dem Atomwissenschaftler Massud Ali-Mohammadi in Teheran zu tun haben. Bei der ersten Untersuchung des Anschlags habe man Anzeichen dafür gefunden, dass das "Dreieck der Boshaftigkeit - das zionistische Regime, Amerika und ihre angeheuerten Agenten" - hinter dem Terror-Akt stehen, so nach Angaben des Fernsehens ein Sprecher des iranischen Außenministers.

Solche Terror-Akte und die "physische Eliminierung" der Atomwissenschaftler des Landes würden sicherlich nicht den wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt Irans stoppen, sondern die Entwicklung im Gegenteil beschleunigen, so der Sprecher weiter. Irans Generalstaatsanwalt Abbas Jafari Dolatabadi erklärte laut Irib: "In Anbetracht der Tatsache, dass Massud Ali-Mohammadi Physiker und Atomwissenschaftler war, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Mossad und die CIA in seine Ermordung verwickelt sind. "

Unterdessen wies die größte iranische Oppositionsgruppe im Exil, der Nationale Widerstandsrat, eine Verwicklung in den Anschlag auf den Wissenschaftler zurück. Die Anschuldigungen der iranischen Führungen seien eine "große Lüge", so ein Sprecher.

Zuvor hatten bereits iranische Medien den USA und Israel vorgeworfen, den Atomwissenschaftler durch einen Bombenanschlag getötet zu haben. Massud Ali-Mohammadi sei durch einen ferngezündeten Sprengsatz gestorben, meldete der staatliche Sender Irib am Dienstag ohne Angabe von Quellen. "Als Folge der von zionistischen und amerikanischen Agenten gelegten Bombe wurden zwei Autos und ein Motorrad schwer beschädigt und die Fenster in den umgebenden Wohngebäuden zerstört", so Irib.

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Teheran: Attentat auf Atomwissenschaftler
Der amtlichen Nachrichtenagentur Irna zufolge könnten noch weitere Menschen bei der Detonation getötet worden sein. Die halbamtliche Nachrichtenagentur Isna berichtete, die Teheraner Staatsanwaltschaft habe den Tod des Wissenschaftlers bestätigt.

Auf der Website des staatlichen Fernsehens hieß es, der Professor sei einem "Terroranschlag von Gegenrevolutionären und Elementen der Arroganz" zum Opfer gefallen. Die Sicherheitskräfte hätten Ermittlungen aufgenommen. Die Art der Explosion deute möglicherweise auf eine Urheberschaft der oppositionellen Volksmudschahidin hin. Die Nachrichtenagentur Bora News nannte Mohammadi einen "hochrangigen Atomwissenschaftler". Einem Bericht des englischsprachigen Senders Press-TV zufolge hatte er die iranische Revolution 1979 unterstützt. Ob der 50-Jährige mit dem umstrittenen iranischen Nuklearprogramm in Verbindung stand, war zunächst nicht bekannt.

Die iranische Atompolitik wird im Westen mit Argwohn betrachtet. Vorwürfe, das Land strebe nach Atomwaffen, werden von der Regierung in Teheran stets zurückgewiesen. Iran erlebt derzeit eine der schwersten innenpolitischen Unruhen seit der Revolution 1979. Hintergrund sind gewaltsame Proteste der Opposition, die von Fälschungen bei der Präsidentenwahl im Juni spricht. Die iranische Regierung wirft der Opposition Verbindungen zum Ausland vor

anr/APN/dpa/AFP/Reuters



Forum - Irans Atomprogramm - wie gefährlich ist es wirklich?
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spieglfechter 16.12.2009
1.
Zitat von sysopMit Raketentests und einer harten Haltung im Atomstreit provoziert Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Westen. Trotz Sanktionsdrohungen rückt er nicht von seinem Nuklearprogramm ab - auf jeden diplomatischen Fortschritt scheint ein Rückschlag zu folgen. Wie groß ist die Gefahr wirklich?
Es besteht tatsächlich die Gefahr, daß Israel sein nukleares Monopol verliert. Diese mögliche Veränderung der Machtbalance kann Israel natürlich nicht gefallen. War sonst noch was ?
sayada.b. 16.12.2009
2.
Zitat von sysopMit Raketentests und einer harten Haltung im Atomstreit provoziert Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Westen. Trotz Sanktionsdrohungen rückt er nicht von seinem Nuklearprogramm ab - auf jeden diplomatischen Fortschritt scheint ein Rückschlag zu folgen. Wie groß ist die Gefahr wirklich?
Leider kann es wohl niemand so genau einschätzen, wie groß die Gefahr weiklich ist, da Herr A. jedes gegebene Wort und jede Zusage in kürzester wieder zurück nimmt und mit genau dem Gegenteil droht. Siehe Urananreicherung im Ausland... Somit tendiert die Glaubwürdigkeit des gegenwärtigen Regimes gegen Null. Und wer will schon A-Waffen in den Händen dieses Fanatikers sehen?
lebenslang 16.12.2009
3.
wenn es vorher ausgeschaltet wird, ist es nicht gefährlich, soviel ist sicher.
sayada.b. 16.12.2009
4.
Zitat von lebenslangwenn es vorher ausgeschaltet wird, ist es nicht gefährlich, soviel ist sicher.
Durch Verhandlungen? Gut! Durch Zerstörung? Sehr bedenklich! Gewalt erzeugt wieder Gewalt...
Axel Warburg, 16.12.2009
5. Gewalt erzeugt Gewalt
Zitat von sayada.b.Durch Verhandlungen? Gut! Durch Zerstörung? Sehr bedenklich! Gewalt erzeugt wieder Gewalt...
sayada, die Kombination aus den Drohgebährden und der Entwicklung von Nuklearwaffen IST Gewalt und wird Gewalt erzeugen. Wenn einer Dir erklärt, dass Du bald tot sein wirst, die Waffe zieht, und nicht bereit ist, sie augenblicklich abzulegen, dann ist Deine Gewalt gegen ihn als Notwehr gedeckt, z.B. wenn Du die Waffe aus seiner Hand wegschießt.
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