Von Raniah Salloum, Beirut
Die Situation auf der Halbinsel Sinai scheint sich zu verschärfen. Als Reaktion auf die Attacken militanter Islamisten auf Einrichtungen an der Grenze zu Israel hat das ägyptische Militär am Donnerstag seine Truppen in der Region offenbar verstärkt. Die Einheiten gingen vor allem in der Extremisten-Hochburg Scheich Suwaid und im Grenzort Rafah nahe dem palästinensischen Gaza-Streifen in Stellung, wie Augenzeugen berichten.
Mit Kampfflugzeugen, Helikoptern und Panzern macht Ägypten auf der Halbinsel derzeit Jagd auf Extremisten. Den zweiten Tag in Folge kam es nahe dem Grenzposten Rafah zu Schusswechseln. Dort sollen sich Kämpfer verschanzt haben, die Kairo für den Anschlag am Sonntagabend verantwortlich macht, bei dem 16 ägyptische Grenzschützer getötet wurden.
Die Offensive ist für Ägyptens neuen Präsidenten Mohammed Mursi die erste große Herausforderung. Der Muslimbruder geht damit ein großes Risiko ein. Entweder verärgert er die eigene Basis. Oder er stärkt seine Gegner. Mursi muss auf dem Sinai vier Faktoren berücksichtigen:
Bisher hat sich Mursi geschickt aus der Affäre gezogen. Er vermied schlicht, sich auf irgendetwas festzulegen. Indem er den Sinai als Vorwand nahm, um führende Mitglieder des alten Sicherheitsapparats zu feuern, gelang ihm sogar ein Überraschungscoup.
Entscheidend dürfte nun sein, ob es Mursi weiterhin gelingt, über die Täter auf dem Sinai zu schweigen. Bisher hat sich keine Gruppe zu der Attacke bekannt. Ägyptens Sicherheitsapparat und die israelische Regierung machen Dschihadisten verantwortlich. Die Muslimbruderschaft und die Hamas beschuldigen Israel. Mursi hat bisher keine Stellung dazu bezogen.
Doch gerade diese Frage birgt für ihn die größte Brisanz: Macht er Dschihadisten für den Angriff verantwortlich, stößt er seine eigene Basis vor den Kopf. Beschuldigt er Israel, gerät er in eine direkte Konfrontation mit dem Militärrat, der die Extremisten für den Anschlag verantwortlich macht. Diese Auseinandersetzungen kann Mursi nur verlieren.
Mit Material von dpa
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