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Anschlag auf Gabrielle Giffords: Attentäter bekennt sich "nicht schuldig"

Er soll sechs Menschen getötet und 14 weitere schwer verletzt haben, darunter die US-Politikerin Giffords. Bei seinem ersten Anhörungstermin bekannte sich der mutmaßliche Attentäter Jared Loughner als "nicht schuldig" - jetzt soll zunächst geklärt werden, ob er überhaupt prozessfähig ist. 

Jared Lee Loughner: Der 22-jährige verfolgte äußerlich ruhig den ersten Anhörungstermin Zur Großansicht
dpa

Jared Lee Loughner: Der 22-jährige verfolgte äußerlich ruhig den ersten Anhörungstermin

Tucson - Der Angeklagte plädiert auf nicht schuldig: Der wegen des Attentats auf die US-Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords angeklagte Jared Loughner hat sich beim ersten Anhörungstermin am Mittwoch erneut "nicht schuldig" bekannt. Ihm wird vorgeworfen, bei einem Anschlag auf Giffords am 8. Januar in der Stadt Tucson sechs Menschen getötet und 14 weitere zum Teil schwer verletzt zu haben.

Äußerlich ruhig verfolgte der 22-jährige Jared Loughner vor einem Gericht in Tucson im US-Bundesstaat Arizona die Verlesung der Anklage, die erst kürzlich noch einmal deutlich erweitert worden war.

Die Frage zu seiner Schuld ließ der Angeklagte nicht durch seine Anwälte beantworten, sondern wies selbst jede Verantwortung von sich. Loughner werden insgesamt 49 Anklagepunkte zur Last gelegt, darunter der Vorwurf des sechsfachen Mordes und dreifachen versuchten Mordes. Wegen dieser Kapitalverbrechen droht ihm die Todesstrafe.

Das Gerichtsverfahren könnte sich hinziehen. Ein US-Bundesrichter in Tucson ordnete am Mittwoch an, zunächst die Prozessfähigkeit des mental offensichtlich schwer gestörten Loughner zu überprüfen. Eine Anhörung am 25. Mai solle klären, ob der wegen Mordes angeklagte 22-Jährige geistig zu einem Prozess fähig ist. Der weitere Ablauf des Verfahrens sei bis dahin unklar.

Bezirksrichter Larry Burns stimmte zudem der Veröffentlichung einiger Polizeiakten über die Durchsuchung der Wohnung von Loughner zu. Mehrere Medienunternehmen hatten die Freigabe der Dokumente verlangt. Der Anwalt des Angeklagten hingegen hatte argumentiert, die Veröffentlichung der Akten verletze das Recht seines Mandanten auf einen fairen Prozess.

Loughner war am 8. Januar noch am Tatort, einem Einkaufszentrum in Tucson, gefasst worden. Dort hatte er während eines Bürgertreffs auf die Demokratin Giffords geschossen. Wie durch ein Wunder überlebte sie einen Kopfschuss. Sechs Menschen starben im Kugelhagel, 13 weitere Menschen wurden außer Giffords verletzt. Die demokratische Abgeordnete überlebte einen Kopfschuss und befindet sich in einer Rehabilitationsklinik. Giffords sei auf dem Weg der Besserung und spreche sogar wieder, sagte ihr Sprecher Anfang Februar.

lgr/AFP/dapd/dpa

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1. Fehler
Liberia 10.03.2011
"Loughner werden insgesamt 49 Anklagepunkte zur Last gelegt, darunter der Vorwurf des sechsfachen Mordes und dreifachen versuchten Mordes. Wegen dieser Kapitalverbrechen droht ihm die Todesstrafe." Selbst in den USA kann man wegen des Straftatbestand des "versuchten Mordes" nur dem Tode bestraft werden, wenn 1.) das Verfahren auf Bundesebene abgehalten wird und 2.) ein "terroristisches" Motiv vorliegt. Dieses Verfahren läuft zwar auf Bundesebene, jedoch ist der mutmaßliche Täter (noch) nicht wegen "Terrorismus" nach dem "Antiterrorism and Effective Death Penalty Act" angeklagt. "Nur" die sechs Anklagepunkte des "vollendeten Mordes" sind also bislang qualifiziert, ein Todesurteil nach sich zu ziehen.
2. Wie bitte?
Zephira 10.03.2011
Prozessfähig? Wer fähig ist zu töten, der ist auch dazu befähigt, dass ihm der Prozess gemacht wird.
3. Nicht schuldiger als "seine Waffenbrüder"
Demokrator2007 10.03.2011
Zitat von sysopEr soll sechs Menschen getötet und 14 weitere schwer verletzt haben, darunter die US-Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords. Jetzt hatte der mutmaßliche Attentäter Jared Loughner seinen ersten Anhörungstermin - und bekannte sich als "nicht schuldig". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,750011,00.html
Der Attentäter scheint schwerstens gestört. In diesem Zusammenhang muß sich die amerikanische Gesellschaft die Frage stellen wieviel Verantwortung sie dafür trägt, das solche Irren immer wieder Unheil anrichten und unschuldige ins Unglück stürzen. Solange man in den USA weiterhin legalen Waffenbesitz für (fast) Jederman als das geeignete Mittel für die Verteidigung von Demokratie und Freiheit sieht wird sich dieses Drama immer wieder wiederholen. Meine Verachtung gilt nicht hauptsächlich dem Amokläufer-denn der ist "krank im Kopf", sie gilt "seinen Unterstützern" (Befürwortern, Waffenlobbyisten) die solche Tragödien billigend in Kauf nehmen. Die gehören ins Gefängniss.
4. Prozess eher belanglos
huaqiao, 10.03.2011
Der eigentliche Prozess gegen Loughner ist doch eher unbedeutend. Dass er mentale Probleme hat, war doch schon recht frueh klar, und ob er nun hingerichtet wird oder lebenslaenglich in die Klapse geht, hilft Rep. Giffords nun auch nicht mehr. Wirklich bedenklich ist doch, dass erneut eine solche Bluttat ohne jedliche Konsequenzen hinsichtlich der Waffengesetze in den USA bleibt. Selbst der Bann von Kriegswaffen, unter Reagan eingefuehrt aber von Bush und Obama nicht verlaengert, gilt als unanfassbar. Und auch die Diskussion in den USA bezueglich der Wortwahl im politischen Miteinander ist aus den Medien verschwunden, sicherlich auch wegen der Ereignisse im mittleren Osten und den Protesten in Wisconsin. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der naechste Verrueckte zu einfach an Feuerwaffen kommt und damit fuer neues Blutvergiessen sorgen wird.
5. Reine Formalität
Jack Torrance 10.03.2011
Im Idealfall fasst die Schlagzeile den Kern des betreffenden Artikels kurz und prägnant zusammen. Dass aber bei Artikeln über US-amerikanische Gerichtsprozesse anscheinden immer besonders hervorgehoben muss, dass sich der Angeklagte "nicht schuldig" bekenne, resultiert entweder aus Unkenntnis über die Prozessordnung oder soll wohl - bei besonders schweren Verbrechen wie hier etwa und dann, bei Kenntnis der Bekennungsfunktion, schlicht manipulativ - Empörung beim Leser hervorrufen. Tatsache ist aber, dass die Frage zu Beginn des Prozesses, ob man sich "schuldig" oder "nicht schuldig" bekenne, nichts mit der tatsächlichen Frage nach der Schuld zu tun hat, sondern lediglich bestimmt, ob der Prozess abgekürzt werden kann - "schuldig" - oder eine Beweisaufnahme durchzuführen ist - "schuldig" -. Der Aussagegehalt "bekannte sich 'nicht schuldig' geht also, was die Frage nacht Täterschaft und Schuld angeht, gegen Null. Allerdings wird sich diese "Unsitte" wohl so lange halte, wie auch die Geldstrafe nach der Gesamthöhe statt nach der Anzahl der Tagessätze gemeldet und das Bundesverfassungsgericht "BVG" abekürzt wird.
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Anschlag in Tucson: "Alles geschah innerhalb von Sekunden"

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Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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