Anschlag auf Kopten in Ägypten Papst verlangt besseren Schutz für Christen

Es war offenkundig ein Selbstmordattentat: Bei einem Anschlag im ägyptischen Alexandria starben in der Silvesternacht mindestens 17 Menschen, vorwiegend Christen. Papst Benedikt XVI. forderte in seiner Neujahrsansprache, Gewalt gegen seine Glaubensgenossen zu unterbinden.

REUTERS

Rom/Kairo - Der Papst fand deutliche Worte. Nach dem Anschlag auf koptische Christen im ägyptischen Alexandria hat Benedikt XVI. die Regierungen in aller Welt dazu aufgefordert, die Christen besser zu schützen. Der Papst mahnte "konkretes und dauerhaftes Engagement" gegen Intoleranz und Diskriminierung an. Worte allein reichten nicht aus, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche bei der Neujahrsmesse im Petersdom in Rom. Bei dieser "schwierigen Mission" dürfe man sich weder entmutigen noch einschüchtern lassen. Die Menschheit dürfe angesichts von Gewalt nicht resignieren und sich nicht an Konflikte gewöhnen, die zu Opfer führten und die Zukunft der Völker gefährdeten.

In einer Kirche im Viertel Sidi Beschr der Stadt Alexandria im Norden Ägyptens war eine halbe Stunde nach Mitternacht eine Bombe explodiert. Nach Angaben des ägyptischen Innenministeriums handelte es sich dabei wahrscheinlich um das Werk eines Selbstmordattentäters. Der Sprengsatz sei mit Metallteilen gefüllt gewesen, um möglichst viele Menschen zu töten. Die Terroristen hätten etwa hundert Kilogramm Sprengstoff benutzt, meldete die Nachrichtenagentur dpa.

Auch nahe gelegene Moschee beschädigt

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Äußerungen des ägyptischen Gesundheitsministers starben bei dem Anschlag, der sich am Ende der koptischen Neujahrsmesse ereignete, mindestens 17 Menschen sowie der Täter. Andere Medien berichten von mindestens 21 Todesopfern. 43 weitere Menschen seien verletzt worden. Die Kirche sowie eine nahe gelegene Moschee sind von der Explosion beschädigt worden. Zunächst hatten Behörden und Augenzeugen von einer Autobombe gesprochen.

Bis zum Vormittag des Neujahrstages bekannte sich noch keine Terrorgruppe zu dem Anschlag. Ägyptische Behörden beschuldigten "ausländische Elemente" der Tat, ohne diese jedoch näher zu bezeichnen. Kürzlich hatte eine Gruppe, die Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida hat, Christen im ganzen Nahen Osten gedroht, dass sie Ziele von Angriffen werden könnten.

Unruhen zwischen Christen und Muslimen

Hunderte Christen versammelten sich unmittelbar nach der Explosion zu Protesten auf den Straßen. Christen und Muslime bewarfen sich nach Augenzeugenberichten mit Steinen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Unruhen zu beenden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle zeigte sich bestürzt über den Anschlag und erklärte: "Ich verurteile diesen Akt der Brutalität gegen Menschen, die bei einer Messe friedlich das neue Jahr begehen wollten, auf das Schärfste."

Nur etwa zehn Prozent der insgesamt 79 Millionen Ägypter sind Christen. Staatschef Husni Mubarak rief Christen und Muslime dazu auf, gegen die "Kräfte des Terrorismus" Geschlossenheit zu demonstrieren. Alle Ägypter sollten sich gegen jene wenden, die die Sicherheit des Landes, seine Stabilität und die Einheit der Bürger bedrohten, erklärte er nach Angaben der amtlichen ägyptischen Nachrichtenagentur Mena.

Die Zahl der Gewalttaten zwischen den religiösen Gruppen ist Menschenrechtsgruppen zufolge zuletzt angestiegen. Im Januar hatten muslimische Fanatiker vor einer Kirche in Oberägypten acht koptische Christen und einen muslimischen Polizisten erschossen. Im November kam es zu Zusammenstößen, als Christen gegen den Baustopp einer Kirche in einer Vorstadt von Kairo protestierten. Ein Christ kam ums Leben, mehrere Menschen wurden verletzt. Dutzende wurden festgenommen.

kuz/AFP/dpa/Reuters



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istiklal 01.01.2011
1. Spon
Mein Beileid den getöteten. Mir fällt an dem Artikel leider auf, dass selbst die Redakteure von Spon anfangen die Menschen in Christen und Muslime zu unterteilen d.h religiöser Zugehörigkeit. Dabei sind diese Menschen alles Araber und leben zusammen in Ägypten. Die Anschläge und Morde an Christen sollen das Land destabilisieren und Spon hilft kräftig mit die Menschen nach religiöser Zugehörigkeit zu sortieren, wenn ich nämlich schon lese "muslimischer Polizist" dann wird mir wirklich übel, wie wäre es mit Polizist? Oder fangen wir dann schon an Bäcker, Anwälte oder Kfz-Mechaniker nach religiösen Zugehörigkeiten ein zu teilen?
kein Ideologe 01.01.2011
2. 123123
Zitat von sysopEs war offenkundig ein Selbstmordattentat: Bei einem Anschlag im ägyptischen Alexandria starben in der Silvesternacht mindestens 21 Menschen, vorwiegend Christen. Papst Benedikt XVI. forderte in seiner Neujahrsansprache, Gewalt gegen seine Glaubensgenossen zu unterbinden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,737332,00.html
Ein Satz fällt auf:"Christen und Muslime bewarfen sich nach Augenzeugenberichten mit Steinen." Das setzt doch voraus, daß sich die friedfertigen Moslems keinesfalls mit den Opfern, sondern mit den mutmaßlichen Tätern solidarisiert haben. Aber sicher erklärt mit das gleich jemand.
weltbetrachter 01.01.2011
3. Gewalt gegen Christen unterbinden ???
Nein, Gewalt gegen j e d e n Menschen unterbinden !!! Auch i n n e r h a l b der kath. Kirche. Aber anscheinend geht die sichtweise des Papstes nicht soweit. Schade.
unente, 01.01.2011
4. Papst verlangt besseren Schutz für Christen
Jaja, jeder denkt nur an sich und seine "Angehörigen". Wenn "Christen" aber in muslimischen Ländern Massaker anrichten, gibt es noch nicht einmal den Versuch, die Verbrechen in einem Strafprozess zu ahnden.
janne2109 01.01.2011
5. was er verlangt
interessiert niemanden. was mich interessiert, wie darf ich (Mensch/Bürger) diesen Satz auslegen:Ein begründeter Einzelfall für eine Ausnahme von dieser Haltung könne aber etwa sein, dass männliche Prostituierte ein Kondom verwenden. ??? Weibliche Prostituierte dürfen nicht? ( die es doch in viel größerer Anzahl gibt) Damit ist die Tätigkeit als männliche Prostituierter erlaubt? ( was ja für manch eine gute Katholikin wunderbar wäre) Die männlichen Prostituierten lassen sich in der Mehrzahl von Herren kaufen. Ist damit schon der Weg geöffnet, Misshandlung von Männern an männlichen Kindern eine Absolution zu erteilen? Bitte klärt mich auf!
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