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Anschlag auf Revolutionsgarden: Iran gibt Westen und Pakistan Schuld am Blutbad

Von Ulrike Putz, Beirut

Wer steckt hinter dem blutigen Bombenattentat auf die Revolutionsgarden in Südwest-Iran? Teheran attackiert die USA, Großbritannien und Pakistan. Sicherheitsexperten halten eine Beteiligung westlicher Geheimdienste an Widerstandsaktionen durchaus für denkbar.

Dschundallah-Kämpfer mit Geiseln: Revolutionswächter häufig Ziel von Anschlägen Zur Großansicht
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Dschundallah-Kämpfer mit Geiseln: Revolutionswächter häufig Ziel von Anschlägen

Die Anschuldigungen gegen den Westen ließen nicht lange auf sich warten: Kaum wurde am Sonntag das ganze Ausmaß des Selbstmordattentats gegen Führer der iranischen Revolutionswächter in Iran offenbar, meldete sich deren oberster Kommandeur zu Wort. Der von der Rebellenorganisation Dschundallah (Armee Gottes) ausgeführte Anschlag im unruhigen Südwesten des Landes sei auf Anweisung und mit Unterstützung der USA und Großbritanniens verübt worden, so General Mohammed Ali Dschaafari. "Hinter den Kulissen sind die amerikanischen und britischen Geheimdienste, und es wird Vergeltungsmaßnahmen geben müssen, um sie zu strafen", so der Chef der Garde, der "eine vernichtende Reaktion" ankündigte.

Von Pakistan, das später ins Zentrum der Verdächtigungen rückte, war anfangs nur am Rande die Rede: "Unglücklicherweise" hätten die iranischen Behörden auch Verbindungen zwischen den Dschundallah und Pakistan aufgetan, so Dschafari. Es war Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad höchstpersönlich, der den Chef der mächtigen Garden Stunden später korrigierte, und Pakistan gar die Hauptverantwortung an den Machenschaften der Dschundallah zuordnete. Beobachter werteten das als versöhnliche Geste gegenüber dem Westen. Möglich, dass Iran die in Sachen Nuklearprogramm begonnenen Gespräche mit Washington nicht durch Anschuldigungen gefährden wolle, so Scott Lucas, Experte für iranisch-amerikanische Beziehungen an der Universität Birmingham in seinem Blog "Enduring America". Tatsächlich spricht aus iranischer Sicht einiges dafür, Pakistan ins Blickfeld zu rücken: Pakistan wird seit langem verdächtigt, Extremisten-Gruppen wie der Dschundallah als Rückzugsgebiet zu dienen. Iran wirft Pakistan vor, die Aktivitäten der Milizen aus seinem Territorium zu dulden.

Der iranische Vorwurf, hinter der Dschundallah stünden die USA und Großbritannien, wirkt auf den ersten Blick reflexhaft. Doch Experten halten es durchaus für möglich, dass westliche Mächte sich inneriranischer Oppositionsgruppen bedienen, um das Regime ins Straucheln zu bringen. In einer großangelegten Analyse amerikanischer Geheimoperationen in Iran nannte der Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh im Juli 2008 explizit die Dschundallah als eine der Gruppen, die von den USA gefördert würden. Hersh, der in seiner langen Karriere als investigativer Journalist zahlreiche Skandale aufklärte - zuletzt enthüllte er die Folterexzesse amerikanischer Soldaten im irakischen Gefängnis Abu Ghureib - stützte seine Recherchen für das im "New Yorker" erschienene Stück auf Aussagen von hochrangigen Mitgliedern der amerikanischen Sicherheitsdienste.

US-Kongress genehmigte 75 Millionen Dollar zur Förderung der Demokratie

Robert Baer, ein ehemaliger Mitarbeiter des US-Geheimdiensts CIA, habe ihm gegenüber zugegeben, dass Washington Rebellen in Balutschistan unterstütze, darunter auch die Dschundallah, so Hersh. "Es ist ironisch, dass wir wieder mit sunnitischen Fundamentalisten arbeiten, genauso wie wir es in Afghanistan in den achtziger Jahren gemacht haben", zitiert Hersh den Ex-CIA-Mann. Die USA hatten in den achtziger Jahren die afghanischen Taliban verdeckt mit Hunderten Millionen Dollar in ihrem Kampf gegen die einmarschierende sowjetische Armee unterstützt. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen wandten sich die afghanischen Extremisten dann jedoch gegen ihre vormaligen Verbündeten in Washington.

Die Dschundallah scheint dabei nicht die einzige extremistische Gruppe in Iran zu sein, die einen guten Draht nach Washington hat. Auch die jahrelang von den USA als Terrorgruppe eingestuften Volksmudschahidin und diverse Kurdenorganisationen würden inzwischen von Washington gefördert, zitiert Hersh einen Mitarbeiter des Pentagon. Tatsächlich hatte der US-amerikanische Kongress im Jahr 2006 ein Budget von 75 Millionen Dollar genehmigt, das der "Förderung demokratischer Tendenzen" in Iran zu Gute kommen sollte. Laut Hersh soll es im Jahr 2007 einen Antrag gegeben haben, diesen Betrag um 200 Millionen Dollar zu erhöhen. Dass Gelder aus diesen Töpfen direkt Extremisten-Gruppen zugeflossen sind, erscheint unwahrscheinlich. Doch sind Milizen in Nahost meist ein kleiner Flügel einer ansonsten wohltätigen Organisation, an die durchaus US-Gelder gegangen sein könnten.

Bei den Milizionären der Dschundallah soll es sich um eine kleine Gruppe kampfbereiter balutischer Sunniten handeln: Nur etwa hundert Bewaffnete sollen den harten Kern der Gruppe bilden. Die 2002 gegründete Dschundallah, die 2005 den bewaffneten Kampf aufnahm, gibt an, für die Minderheitenrechte der Sunniten im mehrheitlich schiitischen Iran zu kämpfen. Der Selbstmordattentäter vom Sonntag, dessen Namen die Website der Gruppe mit Abdulawahed Mohammedi Sarawani angibt, habe ein Zeichen gegen die andauernde Diskriminierung der Sunniten seitens des Teheraner Regimes setzen wollen.

Revolutionswächter immer wieder Ziel der Anschläge

Abd al-Malik Rigi, der Chef der Gruppe, nannte das Vorgehen der staatlichen Sicherheitsorgane gegen seine Volksgruppe in einem Interview 2007 Völkermord. Die iranische Revolutionsgarden waren immer wieder Ziel der Anschläge der Gruppe: Nach mehreren blutigen Sprengstoffattacken verübte ein Bruder des Dschundallah-Führers Rigi im Dezember 2008 den ersten Selbstmordanschlag auf iranischem Territorium. Er sprengte sich vor einem Hauptquartier der Sicherheitskräfte in die Luft. Im Mai dieses Jahres riss ein Selbstmordattentäter 25 Menschen mit in den Tod, als er seinen Sprengsatz in einer Moschee in der Provinzhauptstadt Sahedan zündete.

Inzwischen wurden mehr Details zu dem Anschlag bekannt, bei dem am Sonntag nach dem letzten Stand bis zu 43 Menschen getötet wurden. Danach hatten sich hochrangige Offiziere der Revolutionswächter zu versöhnlichen Gesprächen mit Vertretern der lokalen Minderheiten in Sistan-Balutschistan treffen wollen, so Mohammed Taghi Rachschani, Chefredakteur der "Zahedan News" gegenüber SPIEGEL ONLINE. Die Versammlung, zu der Hunderte Stammesfürsten und Gardisten erwartet wurden, sollte in der Kleinstadt Pischin in der unsicheren Grenzregion zu Pakistan stattfinden. Die Explosion ereignete sich demnach in dem Moment, in dem die anreisenden Offiziere in einem Zelt vor dem zum Kongresszentrum umfunktionierten Sportpalast der Stadt begrüßt werden sollten. "Glücklicherweise waren viele der Abreisenden noch nicht angekommen, sonst hätte es viel mehr Tote gegeben", so Rachschani. Seit dem Attentat glichen sowohl Pischin als auch die 550 Kilometer entfernt gelegen Provinzhauptstadt Sahedan Herrlagern. Polizei und Revolutionsgarde sei massiv auf den Straßen präsent.

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Forum - Wie sieht die Zukunft Irans aus?
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1.
paparatzi, 27.08.2009
Zitat von sysopNach den Wahlen und den innenpolitischen Unruhen sind die Gegensätze zwischen Regierung und Opposition in Iran keineswegs ausgeglichen. Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
Ohne Kristallkugel reine Spekulation. Das Durchwurschteln des Systems kann noch Jahre andauern - hier und da Zugeständnisse, dann wieder Härte zeigend - die Protestbewegung ist da und wird bei jeder passenden Gelegenheit auf sich aufmerksam machen. Ein Barometer wird wohl der Ausgang des Schauprozeß sein.
2. Chamenei weist Vorwürfe gegen das Ausland zurück
mbockstette 27.08.2009
Zitat von sysopNach den Wahlen und den innenpolitischen Unruhen sind die Gegensätze zwischen Regierung und Opposition in Iran keineswegs ausgeglichen. Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
"Bislang hieß es in Iran, fremde Mächte steckten hinter den Protesten gegen Präsident Ahmadinedschad. Von dieser Position weicht Ajatollah Ali Chamenei nun ab. Der geistliche Führer des Landes sieht keine Anzeichen für Aktivitäten des Auslands - und droht den Bassidsch-Milizen mit Strafverfolgung". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,645206,00.html
3.
BillBrook 27.08.2009
Zitat von paparatziOhne Kristallkugel reine Spekulation. Das Durchwurschteln des Systems kann noch Jahre andauern - hier und da Zugeständnisse, dann wieder Härte zeigend - die Protestbewegung ist da und wird bei jeder passenden Gelegenheit auf sich aufmerksam machen. Ein Barometer wird wohl der Ausgang des Schauprozeß sein.
Aber wie sollen da jemals wieder irgendwelche Wahlen stattfinden?
4.
Leto_II., 27.08.2009
Zitat von sysopNach den Wahlen und den innenpolitischen Unruhen sind die Gegensätze zwischen Regierung und Opposition in Iran keineswegs ausgeglichen. Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
Die Gegensätze scheinen ja auch zwischen Regierung und Staatsführung zu bestehen. Ahmadinedschad hat von seinem Chef eine Ohrfeige kassiert, innen- und aussenpolitisch: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,645206,00.html Wollen die beiden sich schon gegenseitig demontieren?
5.
Leto_II., 27.08.2009
Vielleicht wird ihm Ahmadinedschad zu mächtig oder er will den Klerus beruhigen. Rafsanjani hat erst kürzlich Chamenei den Rücken gestärkt und diese demontiert nun Ahmadinedschad.
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Iran: Vom Königreich zur Islamischen Republik

Republik Iran
Land
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa
Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei (Bild), und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit August 2013 Hassan Rohani.
Leute
Corbis
Iran hat rund 75 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 76 (Deutschland ist auf Platz 5). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 80 Jahren).
Wirtschaft
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Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
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Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).
Irans Atomprogramm
Streit
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Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
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Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
dpa
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.

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Haftbedingungen in Iran: Gefangen, gequält, bedroht
Chronik
Aufstieg von Mohammed Resa
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Im Zweiten Weltkrieg gilt der monarchische Staat Iran als Freund der Achsenmächte. Britische und sowjetische Truppen besetzen daher 1941 das Land. Resa Schah muss abdanken. Die Alliierten inthronisieren seinen Sohn Mohammed Resa . Wegen seiner proamerikanischen Reformpolitik gerät der Schah erstmals 1963 in die Kritik von Ajatollah Ruhollah Chomeini, einem damals hochrangigen religiösen Führer, den die Regierung ein Jahr später in die Türkei abschiebt. Chomeini geht schließlich in den Irak. Dort bleibt er 13 Jahre und entwickelt er das Staatsmodell des islamischen Staates. Mit seiner repressiven Politik und seinem dekadenten Herrschaftsstil bringt der Schah eine wachsende Opposition aus sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten gegen sich auf.
Ajatollah Chomeini und die islamische Revolution
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1978 mobilisieren Liberale und Konservative, Säkulare und Religiöse, Linke und Rechte Massenproteste gegen den Schah. Zur Leitfigur des Protests wird Ajatollah Chomeini. Den landesweiten Streiks und Massendemonstrationen in Teheran schließen sich Hunderttausende an. Armee und Polizei gehen teilweise brutal gegen die Demonstranten vor. Dennoch enden die Proteste mit dem Sturz des Schahs am 16. Januar 1979. Nach Chomeinis Rückkehr aus dem Exil in Frankreich, wohin er 1978 gedrängt worden war, spricht sich die Bevölkerung in einem Referendum für die Islamische Republik aus, deren oberster Führer der Großajatollah selbst wird.

Die Außenpolitik Chomeinis wendet sich vor allem gegen die USA und Israel. Am 4. November 1979 besetzen islamische Kräfte die amerikanische Botschaft und nehmen mehr als 50 Geiseln, die erst nach 444 Tagen wieder freikommen. Chomeini billigt die Aktion. Die Beziehungen zu den USA erreichen ihren Tiefpunkt. Unterstützt von den USA überfällt der Nachbarstaat Irak am 22. September 1980 Iran. In dem folgenden acht Jahre langen Krieg zwischen den beiden Ländern sterben etwa eine Million Menschen.
Phase der Islamisierung
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Im Laufe des Kriegs treibt die Regierung die Islamisierung des Landes voran. Für Frauen gilt eine strenge Kleiderordnung, in öffentlichen Verkehrsmitteln die Geschlechtertrennung. Chomeini lässt linksgerichtete politische Häftlinge ermorden, vor allem Anhänger der Volksmudschahidin, die noch während der Revolution auf Seiten Chomeinis standen.

1989 stirbt der religiöse Führer. Der Expertenrat, ein Gremium aus höchsten religiösen Sachverständigen, ernennt Ajatollah Ali Chamenei zum Nachfolger. In den Folgejahren hat Iran stark unter zunehmender Korruption zu leiden. Die Liberalisierung der Wirtschaft bleibt weitgehend wirkungslos. Bereits 1995 verhängen die USA erste wirtschaftliche Sanktionen, weil Iran nach US-Auffassung den internationalen Terrorismus unterstützt.
Vom Reformer Chatami zum Hardliner Ahmadinedschad
AFP
Der als liberaler Geistlicher geltende Mohammed Chatami gewinnt 1997 die Präsidentschaftswahl. Seine innenpolitischen Reformbemühungen geraten allerdings ins Stocken, da er versucht, zu viele politische Lager zusammenzubringen, und die nach wie vor einflussreichen konservativen Hardliner erheblichen Widerstand leisten. Im Juni 2005 erobert der frühere Bürgermeister Teherans und konservative Hardliner Mahmud Ahmadinedschad das Amt des Präsidenten. Außenpolitisch sorgt er vor allem durch Vorantreiben eines Atomprogramms und harsche verbale Angriffe gegen Israel für Ärger. Infolge seiner Wiederwahl als Präsident im Sommer 2009 kam es wegen Unregelmäßigkeiten zu wochenlangen Massenprotesten, die teils brutal niedergeschlagen wurden. Zahlreiche Demonstranten wurden getötet, Hunderte Menschen verhaftet.
Entspannung gegenüber dem Westen
Bei der neuerlichen Präsidentenwahl im Sommer 2013 durfte Ahmadinedschad nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten. Es siegte der als gemäßigt geltende Kandidat Hassan Rohani, der seitdem mildere Töne nach außen anstimmt. Der Westen und Iran einigen sich im November auf einen "Gemeinsamen Aktionsplan" im Streit um das iranische Atomprogramm.


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