Anschlag auf Revolutionsgarden Iran wirft Westen Terrorunterstützung vor

Es sind schwere Vorwürfe, die Teheran nach dem verheerenden Attentat auf die Revolutionsgarden erhebt. Amerikanische und britische Geheimdienste hätten die Terroristen ausgerüstet und trainiert. Auch Pakistan soll mitverantwortlich sein.

Fernsehbilder nach dem Anschlag auf Revolutionsgarde: "Schrecklicher Terrorakt"
AFP

Fernsehbilder nach dem Anschlag auf Revolutionsgarde: "Schrecklicher Terrorakt"


Teheran - Die Rebellengruppe, die sich zu dem Selbstmordanschlag auf die iranischen Revolutionsgarden bekannt hat, soll laut Teheran von britischen und US-Geheimdiensten ausgebildet worden sein. Der Heereschef der Revolutionsgarden, Mohammed Pakpur, sagte am Sonntag im iranischen Fernsehen, die Basis der Rebellen befinde sich in den Nachbarländern Irans, dort würden sie trainiert und ausgerüstet.

Festgenommene hätten ausgesagt, dass sie von ausländischen Geheimdiensten ausgerüstet würden, sagte Pakpur, ohne nähere Angaben zu den Festnahmen zu machen. "In diesen Ländern arbeiten US- und britische Geheimdienste", und die Rebellengruppe Dschundallah "wird von den amerikanischen und britischen Geheimdiensten trainiert".

Die sunnitische Rebellengruppe Dschundallah (Gottes Soldaten) hatte sich dem iranischen Staatsfernsehen zufolge zu dem seit Jahren schwersten Anschlag auf die Garde bekannt. Die Organisation kämpft nach eigenen Angaben für die Rechte ihrer Minderheit in dem überwiegend schiitischen Land.

Bei dem Selbstmordanschlag starben am Sonntagmorgen nach Angaben der Nachrichtenagentur Irna mindestens 31 Menschen, die iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtete unter Berufung auf informierte Kreise von 49 Toten, im iranischen Fernsehen war am Montag von mindestens 42 Todesopfern die Rede. Unter den Toten sind auch Kommandeure. Zahlreiche Menschen wurden bei dem Blutbad in der Provinz Sistan-Balutschistan im Südosten des Landes verletzt.

Pakistan weist Vorwürfe zurück

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte am Wochenende erklärt, der pakistanische Geheimdienst hätte mit den verantwortlichen Personen zusammengearbeitet. Innenminister Mostafa Mohammed Nadschar forderte Pakistan auf, "schnellstmöglich die Terroristen an Iran zu übergeben", wie das staatliche iranische Fernsehen auf seiner Website meldete. Pakistan wies die Vorwürfe am Montag zurück. Ministerpräsident Syed Yusuf Raza Gilani verurteile den "schrecklichen Terrorakt", teilte sein Büro in Islamabad mit.

Nach Ansicht der Behörden könnte die Tat auch einen kriminellen Hintergrund haben. Der Dschundallah wird Verstrickung in den Drogenhandel vorgeworfen. Das Drei-Länder-Eck im Südosten Irans gilt als Hauptroute von Drogenhändlern, die Rauschgift aus Pakistan und Afghanistan nach Europa schmuggeln. Derzeit sitzt Abdul-Hamid Rigi, der Bruder von Dschundallah-Anführer Abdulmalik Rigi, wegen Mordes, Entführung und Drogenhandels in der Todeszelle. Erst im Juli waren 13 Dschundallah-Mitglieder in Zahedan hingerichtet worden.

Zwischen der Dschundallah und iranischen Sicherheitskräften kommt es regelmäßig zu Zusammenstößen. Die Gruppe ist in der Vergangenheit auch für Terroranschläge in der Provinz verantwortlich gemacht worden. Im Mai starben bei einem Anschlag auf eine Moschee in Zahedan 25 Gläubige, rund 80 wurden verletzt.

amz/AP/Reuters



Forum - Wie sieht die Zukunft Irans aus?
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paparatzi, 27.08.2009
1.
Zitat von sysopNach den Wahlen und den innenpolitischen Unruhen sind die Gegensätze zwischen Regierung und Opposition in Iran keineswegs ausgeglichen. Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
Ohne Kristallkugel reine Spekulation. Das Durchwurschteln des Systems kann noch Jahre andauern - hier und da Zugeständnisse, dann wieder Härte zeigend - die Protestbewegung ist da und wird bei jeder passenden Gelegenheit auf sich aufmerksam machen. Ein Barometer wird wohl der Ausgang des Schauprozeß sein.
mbockstette 27.08.2009
2. Chamenei weist Vorwürfe gegen das Ausland zurück
Zitat von sysopNach den Wahlen und den innenpolitischen Unruhen sind die Gegensätze zwischen Regierung und Opposition in Iran keineswegs ausgeglichen. Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
"Bislang hieß es in Iran, fremde Mächte steckten hinter den Protesten gegen Präsident Ahmadinedschad. Von dieser Position weicht Ajatollah Ali Chamenei nun ab. Der geistliche Führer des Landes sieht keine Anzeichen für Aktivitäten des Auslands - und droht den Bassidsch-Milizen mit Strafverfolgung". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,645206,00.html
BillBrook 27.08.2009
3.
Zitat von paparatziOhne Kristallkugel reine Spekulation. Das Durchwurschteln des Systems kann noch Jahre andauern - hier und da Zugeständnisse, dann wieder Härte zeigend - die Protestbewegung ist da und wird bei jeder passenden Gelegenheit auf sich aufmerksam machen. Ein Barometer wird wohl der Ausgang des Schauprozeß sein.
Aber wie sollen da jemals wieder irgendwelche Wahlen stattfinden?
Leto_II., 27.08.2009
4.
Zitat von sysopNach den Wahlen und den innenpolitischen Unruhen sind die Gegensätze zwischen Regierung und Opposition in Iran keineswegs ausgeglichen. Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
Die Gegensätze scheinen ja auch zwischen Regierung und Staatsführung zu bestehen. Ahmadinedschad hat von seinem Chef eine Ohrfeige kassiert, innen- und aussenpolitisch: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,645206,00.html Wollen die beiden sich schon gegenseitig demontieren?
Leto_II., 27.08.2009
5.
Vielleicht wird ihm Ahmadinedschad zu mächtig oder er will den Klerus beruhigen. Rafsanjani hat erst kürzlich Chamenei den Rücken gestärkt und diese demontiert nun Ahmadinedschad.
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