Anschlag auf Touristen Israel schickt Rettungsteam nach Bulgarien

Sie sollen die Leichen und Verletzten in die Heimat bringen: Ein israelisches Rettungsteam ist nach dem Terroranschlag auf einen Touristenbus in Bulgarien ans Schwarze Meer geflogen - bei der Attacke waren mindestens sechs Israelis getötet worden.

Bulgarische Polizisten am Ort des Anschlags: Mindestens sieben Tote
REUTERS

Bulgarische Polizisten am Ort des Anschlags: Mindestens sieben Tote


Tel Aviv/Sofia - Die bulgarischen Behörden gehen inzwischen davon aus, dass der blutige Anschlag auf israelische Touristen in Burgas mit mindestens sieben Toten von einem Selbstmordattentäter ausgeführt wurde. Man habe einen Mann ausgemacht, der über einen gefälschten us-amerikanischen Führerschein verfügt habe, sagte Innenminister Zwetan Zwetanow am Donnerstag.

Ein Rettungsteam aus Israel flog in der Nacht auf Donnerstag nach Bulgarien. Der israelische Rundfunk meldete, Rettungskräfte und Militärs hätten den Auftrag, die Leichen und Verletzten zurück nach Israel zu holen. Nach israelischen Angaben wurden bei der Bombenexplosion in einem Reisebus mindestens sieben Menschen getötet, unter ihnen sechs israelische Staatsbürger. Mehr als 30 weitere Menschen seien zum Teil schwer verletzt worden. Unter den Opfern seien viele Jugendliche.

Die israelische Regierung vermutet Iran hinter dem Anschlag. "Alle Anzeichen deuten auf den Iran hin", erklärte Regierungschef Benjamin Netanjahu. Iran überziehe die ganze Welt mit Terror. In den vergangenen Monaten habe es mehrere Versuche Teherans gegeben, Israelis in Thailand, Indien, Georgien, Kenia, Zypern und an anderen Orten anzugreifen.

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak sagte im israelischen Rundfunk am Donnerstag, für den Anschlag seien Mitglieder der libanesischen Hisbollah-Miliz verantwortlich. Den Auftrag hätten sie von Iran erhalten. In Israel werde davon ausgegangen, dass Teheran damit den jüdischen Staat von weiteren Anschlägen auf iranische Atomwissenschaftler abhalten wolle, meldete der Sender.

In Israel wurden zudem Vorwürfe über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen auf dem Flughafen des beliebten Touristenorts im Südosten Bulgariens laut. In den vergangenen Monaten habe es dort schon mehrere Anschlagversuche gegeben.

Eine Augenzeugin berichtete telefonisch im israelischen Armeerundfunk von dem Angriff. "Wir haben uns hingesetzt und nur Sekunden später hörten wir einen lauten Knall und dann rannten wir weg. Wir entkamen durch ein Loch im Bus", berichtete Awiwa Malka vom Ort des Anschlags. "Wir haben Leichen gesehen und viele Verletzte." "Wir hörten eine sehr starke Explosion", sagte ein bulgarischer Augenzeuge dem Fernsehsender TV7. "Der Bus war voller Leute und Kinder. Überall war Fleisch und Blut." Ein anderer Bus habe ebenfalls Feuer gefangen. Es sei das komplette Chaos gewesen.

Der Bürgermeister von Burgas, Dimitar Nikolow, sagte, insgesamt 171 Menschen seien mit einem Flugzeug aus Israel angekommen, um ihren Urlaub an der Schwarzmeerküste zu verbringen. In dem Bus seien 47 Menschen gewesen. 33 seien bei der Explosion verletzt worden. Der Flughafen der Stadt wurde geschlossen, alle Flüge wurden nach Warna umgeleitet. Der in Burgas residierende israelische Rabbi Haim Twerdowitsch sagte im israelischen Fernsehsender Kanal 2, einige der Verletzten hätten schwere Brandwunden.

US-Präsident Barack Obama verurteilte den Anschlag. "Die Vereinigten Staaten werden an der Seite ihrer Verbündeten stehen und jegliche Unterstützung leisten, um die Attentäter zu identifizieren und ihrer Strafe zuzuführen", erklärte er. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilte die Attacke. "Wir müssen alles dafür tun, dass unsere israelischen Gäste ohne Angst überall in der europäischen Region reisen können", erklärte er. Bulgarien hat umgehend die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen sowie Bus- und Bahnstationen verschärft.

hen/dpa/Reuters



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