Washington/Tripolis - Die Stimmung in Libyen und Ägypten bleibt höchst angespannt. Nun reagieren die USA mit militärischen Drohgebärden auf die anhaltenden Ausschreitungen. Nach dem Angriff auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi verlegt das Pentagon zwei Kriegsschiffe vor die Küste des Landes.
Aus US-Regierungskreisen verlautete, der Zerstörer USS "Laboon" habe seine Position bereits am Mittwoch erreicht. Die USS "McFaul" sei auf dem Weg und werde innerhalb weniger Tage ihr Ziel erreichen. Weiter hieß es, die Schiffe hätten bisher noch keine konkrete Aufgabe.
Beide Zerstörer sind jedoch mit Tomahawk-Raketen ausgerüstet, die auch während des Nato-Einsatzes gegen den früheren Machthaber Muammar al-Gaddafi eingesetzt wurden. Die Schiffe gäben den Kommandeuren die Möglichkeit, flexibel auf jeden Einsatz zu reagieren, die der US-Präsident anordne, hieß es aus Pentagon-Kreisen.
Rund 50 Marines sind laut US-Medien inzwischen in Bengasi im Einsatz. Sie sollen die verbliebenen US-Bürger vor weiteren Übergriffen schützen. Am Dienstag war das US-Konsulat mit Raketen und Granaten angegriffen worden. Botschafter Chris Stevens und drei Mitarbeiter wurden getötet, auch mehrere libysche Sicherheitskräfte starben.
Neue Demonstrationen in Ägpyten und Tunesien
Auch in Ägypten spitzt sich die Lage zu. Vor der US-Botschaft in Kairo haben erneut Hunderte aufgebrachte Muslime demonstriert. Wie der TV-Sender CNN in der Nacht zum Donnerstag berichtete, gab es Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. Die Protestierenden hätten Steine geworfen. Es habe Verletzte und Festnahmen gegeben, berichtete CNN unter Berufung auf ägyptische Angaben.
Die Sicherheitskräfte hätten Tränengas eingesetzt. Am Dienstag hatten Demonstranten auch in Kairo versucht, in die US-Botschaft einzudringen. Als Auslöser gilt ein in den USA produzierter Filmtrailer, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird.
Die Unruhen greifen auch auf andere Länder über. Unweit der tunesischen Hauptstadt Tunis setzte die Polizei am Mittwochabend Tränengas gegen rund 300 Demonstranten ein, die auf das Gelände der dortigen US-Botschaft vordringen wollten, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Offiziellen Angaben zufolge wurden fünf Menschen festgenommen, mindestens zwei Polizisten wurden nach Angaben der Sicherheitskräfte verletzt.
Die Menge, darunter auch viele Frauen, gehörten offenbar der Salafisten-Bewegung an und hatten zunächst friedlich demonstriert. Später verbrannten sie eine US-Fahne und riefen US-feindliche Parolen.
USA gehen von gezieltem Angriff aus
Nach dem Angriff auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi gehen die US-Geheimdienste Hinweisen auf einen gezielten Terroranschlag nach. Auch über eine Verwicklung des Terrornetzwerks al-Qaida wird spekuliert. Der Angriff sei "geplant, koordiniert, organisiert ausgeführt" worden, erklärte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus Mike Rogers. Es sei sicher kein Zufall, dass sich der Anschlag am 11. September ereignet habe, dem elften Jahrestag der Qaida-Terroranschläge in den USA.
Rogers erklärte weiter, die US-Geheimdienste hätten noch nicht ermittelt, wer hinter der Tat stecke, aber "unsere Liste wird kürzer". Das FBI schickte nach Angaben aus Behördenkreisen Teams nach Libyen, die die Ermittlungen unterstützen sollen.
CNN berichtete unter Berufung auf US-Quellen, die Angreifer hätten die Proteste vor dem Konsulat als Ablenkungsmanöver genutzt. Ob die Angreifer die Ausschreitungen initiiert oder nur für ihr Vorhaben ausgenutzt hätten, sei allerdings unklar.
Ein weiterer ranghoher US-Vertreter sagte CNN zufolge, dass das Weiße Haus voraussichtlich Drohnen nach Libyen schicken werde, um Extremisten aufzuspüren, die womöglich mit dem Angriff zu tun hätten. Die Informationen sollten dann den libyschen Behörden ausgehändigt werden, hieß es.
jok/dpa/Reuters/AFP/dapd
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