Anschlag im Westjordanland Unbekannter erschießt vier Israelis

Ein blutiger Zwischenfall überschattet die Friedensbemühungen in Nahost. Im Westjordanland kamen vier Israelis bei einem Anschlag ums Leben. Nach Angaben der Armee eröffnete ein palästinensischer Schütze das Feuer auf den Wagen der Opfer. Zu der Tat bekannte sich die militante Hamas-Organisation.


Jerusalem - Zwei Tage vor Beginn direkter Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern sind bei einem Anschlag auf ihr Auto im Westjordanland vier israelische Staatsbürger, zwei Männer und zwei Frauen, getötet worden. Nach Angaben der israelischen Armee gab ein palästinensischer Schütze mehrere Schüsse auf das Auto der Opfer ab.

Der Anschlag habe sich an der Bani-Naim-Kreuzung in der Nähe der Siedlerhochburg Kiriat Arba ereignet, sagte eine Militärsprecherin. Ein Hubschrauber sei unterwegs, um die Toten zu bergen, sagte die Militärsprecherin. Nach israelischen Medienberichten ist unter den Opfern eine schwangere Frau. Alle vier Opfer sind laut Armee miteinander verwandt.

In Washington beginnen am Donnerstag nach zweijähriger Unterbrechung wieder direkte Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern. Auch in der Vergangenheit hatten radikale palästinensische Friedensgegner vor entscheidenden Verhandlungen versucht, den Friedensprozess durch Gewalt zu sabotieren.

Hamas übernimmt die Verantwortung für den Anschlag

Wenige Stunden nach dem Anschlag bekannte sich die radikal-islamische Hamas-Organisation zu der Tat. Der Sprecher des militärischen Flügels sagte der Nachrichtenagentur AP am Abend, seine Organisation habe den Anschlag ausgeführt. Hamas ist gegen die Aufnahme von Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern.

Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fajad verurteilte den Anschlag auf das Schärfste. Diese Aktion stehe im Widerspruch zu den Interessen der Palästinenser und unterminiere alle Bemühungen der Palästinenser um internationale Unterstützung, sagte er am Abend in Ramallah. Seine Regierung werde versuchen, weitere Zwischenfälle zu verhindern.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ordnete nach Angaben eines Mitarbeiters an, die Täter "ohne jegliche diplomatische Zurückhaltung" zu verfolgen. Der tödliche Angriff zeige, dass es bei den Friedensgesprächen keine Kompromisse bezüglich der israelischen Forderungen nach mehr Sicherheit geben dürfe. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak bezeichnete den Anschlag als "schmerzlich und schlimm". Er versicherte, dass Sicherheitskräfte und Soldaten ihr Möglichstes tun würden, um die Täter zu fassen.

Die israelischen Behörden hatten schon im Vorfeld befürchtet, dass militante Palästinenser versuchen könnten, mit Angriffen auf Israelis die neuen Gespräche zu sabotieren. Zuvor hatte der palästinensische Präsident Mahmud Abbas eine aktive Vermittlungsrolle der Vereinigten Staaten bei den neuen Verhandlungen gefordert. Wenn die Gespräche zum Stillstand kommen sollten, müsse die Regierung von US-Präsident Barack Obama Vorschläge unterbreiten, um die Differenzen zu überbrücken, sagte Abbas am Dienstag.

Abbas appelliert an den "guten Willen"

Auf Einladung von Obama nehmen Abbas und Netanjahu am Donnerstag nach fast zwei Jahren wieder direkte Verhandlungen auf. Obama hat erklärt, er hoffe auf ein Friedensabkommen innerhalb eines Jahres. Abbas sagte vor Journalisten, diese Frist sei angemessen, schließlich seien viele der strittigen Themen schon in früheren Gesprächsrunden diskutiert worden. "Wenn es einen guten Willen gibt, dann ist das mehr als genug (Zeit)", sagte Abbas. Allerdings hat sich Netanjahu nicht dazu bereiterklärt, die Gespräche dort wieder aufzunehmen, wo sie 2008 zwischen seinem Vorgänger Ehud Olmert und Abbas abgebrochen wurden.

Weiterhin umstritten sind unter anderem die Zukunft von Ostjerusalem und der israelische Siedlungsbau im Westjordanland. Abbas forderte, Netanjahu müsse einen zehnmonatigen Baustopp in den Siedlungen, der am 26. September ausläuft, unbedingt verlängern. Geschehe das nicht, "wird es schwer für uns, die Verhandlungen fortzusetzen", sagte er.

US-Außenministerin Hillary Clinton hat Abbas und Netanjahu am Dienstag zu getrennten Gesprächen empfangen. Außerdem trifft sie mit den Außenministern aus Ägypten und Jordanien sowie dem Sondergesandten des Nahost-Quartetts, Tony Blair, zusammen.

An diesem Mittwoch will Obama separate Gespräche mit Netanjahu und Abbas führen. Anschließend soll es ein gemeinsames Abendessen mit beiden Gästen geben. Die direkten Verhandlungen zwischen Netanjahu und Abbas beginnen dann am Donnerstag. Formell eröffnet werden sie von Clinton. Es sind die ersten Direktverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern seit 20 Monaten.

ffr/Reuters/AP/AFP/apn/dpa

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