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Anschlag im Westjordanland: Vater von getötetem Kleinkind erliegt seinen Verletzungen

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AFP

Westjordanland: Trauer nach Tod von Saad Dawabscha

Der Brandanschlag auf das Haus einer palästinensischen Familie im Westjordanland hat ein zweites Todesopfer gefordert. Ein bei dem Attentat vor einer Woche schwer verletzter Mann starb an schweren Verbrennungen.

Die Tat hat Israel und die Palästinensergebiete erschüttert: Ende Juli starb ein Kleinkind nach einem Brandanschlag im Westjordanland, offenbar verübt von radikalen Siedlern. Nun ist auch der bei dem Attentat schwer verletzte Familienvater tot. Saad Dawabscha erlag nach palästinensischen Angaben in einem israelischen Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Seine Leiche soll obduziert werden.

Ein Palästinenservertreter sagte, die Ergebnisse der Obduktion dienten als Beweismittel. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas hatte vor einigen Tagen seinen Außenminister angewiesen, wegen des Brandanschlags Beschwerde beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag einzureichen.

Am 31. Juli hatten Unbekannte in Duma Brandflaschen in zwei palästinensische Häuser geworfen. In den Flammen verbrannte der 18 Monate alte Ali. Der 32-jährige Vater Saad erlitt Verbrennungen dritten Grades und wurde zur Behandlung nach Südisrael gebracht. Die 26-jährige Mutter Riham und der vierjährige Bruder Ahmed wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik bei Tel Aviv eingeliefert.

"Offene und umfassende Konfrontation"

Da am Tatort hebräische Inschriften gefunden wurden, gehen israelische Sicherheitsbehörden von einem terroristischen Hintergrund aus. Der Brandanschlag hatte zu gewaltsamen Protesten geführt - der Tod des Familienvaters könnte nun weitere Spannungen zur Folge haben.

Hamas-Sprecher Hossam Badran schrieb am Samstag auf Facebook, nichts werde "diese mörderischen Siedler-Attacken stoppen". "Wir können nicht warten, bis sie in unsere Dörfer und Häuser kommen". Die Palästinenser im Westjordanland hätten "nur eine Wahl: die offene und umfassende Konfrontation mit dem Besatzer", schrieb Badran.

Dem israelischen Rundfunk zufolge bereitet sich die Armee des Landes auf neuerliche Proteste im Westjordanland und auf "palästinensische Racheakte" vor. Die Palästinensische Autonomiebehörde kündigte die Einrichtung von aus Zivilisten gebildeten "Volkskomitees" zum Schutz der Bürger an. Die Vereinten Nationen riefen die politischen und religiösen Anführer beider Seiten zur Zusammenarbeit und zur Vermeidung einer Eskalation der Lage auf.

Der Anschlag hatte in Israel auch eine Debatte über den Umgang des jüdischen Staates mit radikalen Siedlern ausgelöst. Das Sicherheitskabinett beschloss, die sogenannte Administrativhaft auch auf jüdische Verdächtige auszuweiten. Diese Art der Haft kann in Israel ohne Anklage verhängt werden. In der Woche nach dem Anschlag wurden zwei ultranationalistische Juden in Administrativhaft genommen, die an terroristischen Aktivitäten beteiligt gewesen sein sollen.

wit/AFP

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