Anschlag in Afghanistan Attackierte CIA-Basis plante Drohnen-Angriffe

Schwerer Schlag für die CIA: Bei einem Attentat in Afghanistan kamen sieben Geheimdienstler ums Leben. Laut "Washington Post" spielt die betroffene Basis eine Schlüsselrolle bei der Vorbereitung geheimer Luftangriffen auf die Terroristenstützpunkte in der Region.

US-Drohne über Afghanistan: CIA späht Ziele aus
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US-Drohne über Afghanistan: CIA späht Ziele aus


Kabul/Washington/Miranscha - Auf dem afghanischen Militärstützpunkt, wo am Mittwoch sieben CIA-Agenten bei einem Anschlag getötet wurden, hat der US-Geheimdienst einem Zeitungsbericht zufolge die umstrittenen Drohnen-Angriffe im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan vorbereitet. Wie die "Washington Post" am Freitag berichtete, sind auf der Chapman-Militärbasis in der Provinz Khost seit mehreren Jahren auch CIA-Agenten stationiert. Sie sammeln demnach Informationen über mögliche Ziele für die Angriffe unbemannter Flugzeuge gegen mutmaßliche Taliban-Kämpfer und das Terrornetzwerk al-Qaida.

Erst am Freitag kamen bei einem mutmaßlichen US-Drohnen-Angriff in Pakistan mindestens drei Extremisten ums Leben. Die Getöteten waren in einem Auto im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan unterwegs, als die Rakete von einer Drohne abgefeuert wurde, hieß es in Sicherheitskreisen. "Die Leichen wurden bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Wir bemühen uns, sie zu identifizieren", sagte eine Person. Am Donnerstag kamen bei einem ähnlichen Angriff mindestens zwei Menschen ums Leben.

Pakistanischen Angaben zufolge haben die USA in den nordwestlichen Grenzgebieten zu Afghanistan 2009 insgesamt 50-mal Raketen von Drohen abgefeuert. Dabei seien 415 Menschen getötet worden. 2008 seien bei 32 Angriffen rund 240 Personen ums Leben gekommen. Die USA gehen seit längerem mit ferngesteuerten Drohnen gegen Extremisten vor, die nach ihren Angaben im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan Zuflucht finden.

Attentäter gab sich als Rekrut aus

Laut "Washington Post" wurden auf dem Stützpunkt auch Spitzel rekrutiert. Der Attentäter, der unter seiner Kleidung einen Sprengstoffgürtel versteckt hatte, hatte sich demnach als angeblicher Informant ausgegeben, um auf das Gelände zu gelangen. Er kam in einer afghanischen Heeresuniform in die am Stadtrand gelegene Kaserne und sprengte sich in einer Turnhalle in die Luft. Eine CIA-Sprecherin wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Der Selbstmordattentäter hatte am Mittwoch auf dem Stützpunkt sieben Agenten mit in den Tod gerissen, sechs weitere Geheimdienstmitarbeiter wurden verletzt. Insgesamt kamen neun Menschen ums Leben. Es war der schwerste Verlust der CIA seit dem Anschlag auf einen Militärstützpunkt in der libanesischen Hauptstadt Beirut 1983, als acht Agenten ums Leben kamen.

In den USA ist das Entsetzen groß. Der Fernsehsender CNN spricht mit Blick auf das verheerende Attentat von "einem der schlimmsten Tage für die CIA überhaupt". US-Präsident Barack Obama ehrte in einem Brief an die CIA-Mitarbeiter den "Mut und die Ehre" der gestorbenen Agenten. Die Organisation sei so stark wie nie herausgefordert worden, schrieb der US-Präsident.

Geheimdienstexperten in Washington schütteln nun den Kopf darüber, dass der Mann mit Einladung, aber ohne Sicherheitsprüfung auf die schwer bewachte Militärbasis gelangen konnte. Zu dem Anschlag bekannten sich die Taliban in Pakistan. Sie teilten am Freitag mit, der Anschlag sei von einem ehemaligen afghanischen Militärangehören ausgeführt worden, der die Seiten gewechselt habe. Ein Sprecher der afghanischen Armee wies dies der "Washington Post" zufolge zurück. Die Taliban bezeichneten den Anschlag als Vergeltung für den Tod eines ihrer Kommandeure bei einem US-Raketenangriff. Damit solle die Fähigkeit der CIA geschwächt werden, Luftangriffe in Pakistan vorzubereiten.

Harsche Kritik an der CIA: "paramilitärische Organisation"

Die Lage in Afghanistan gerät damit weiter außer Kontrolle. Die Zahl der getöteten US-Soldaten verdoppelte sich 2009 gegenüber dem Vorjahr auf 304; 2008 waren es nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP 151 gewesen. Außerdem kamen 109 Soldaten aus Großbritannien, 32 aus Kanada und 59 aus weiteren Staaten ums Leben. Insgesamt war das vergangene Jahr das verlustreichste für die internationalen und die US-Truppen in Afghanistan seit der Invasion vom Oktober 2001.

Die "New York Times" sieht einen Grund für den Rückschlag der CIA aber auch in den immer umfangreicheren und gefährlicheren Missionen des Geheimdienstes. In eine "paramilitärische Organisation" habe sich die CIA in den vergangenen Jahren verwandelt, die an allen Fronten im Anti-Terror-Kampf in Einsatz ist, sei es in Afghanistan, Pakistan oder im Jemen. Allein während des vergangenen Jahres habe der Geheimdienst einen "Archipel von Basen" im Süden und Osten Afghanistans aufgebaut, die Spione näher an ihre Einsatzziele heranbringen sollten.

Detroit-Desaster belastet Geheimdienst

Kaum zu begreifen für manche Terrorexperten ist neben dem Desaster in Afghanistan auch, dass die US-Spione nicht eher auf den Detroit-Bomber Umar Faruk Abdulmutallab als Sicherheitsrisiko kamen, obwohl er Kontakte zu dem radikal-islamischen Prediger Anwar al-Awlaki hatte, den die Agenten seit Jahren im Visier haben. Zuletzt leuchtete er wegen seiner Kontakte zum Amokläufer von Fort Hood, dem muslimischen Major Nidal Malik Hasan, hell auf den Radarschirmen der CIA-Zentrale in Langley auf.

Dazu kamen die Warnungen des Vaters des Detroit-Attentäters wie auch belauschte Gespräche von Qaida-Führern im Jemen, nach denen ein Nigerianer auf einen Anschlag vorbereitet werde. Eine sinnstiftende Verbindung zwischen den Informationen aber stellte niemand her.

"Es gab keinen Mangel an zusammengetragenen Informationen, aber einen Mangel an Vermögen, was man mit diesen Informationen anfängt", sagte ein Regierungsbeamter zu CNN. Viele fühlen sich mit Schrecken an die Anschläge vom 11. September 2001 erinnert, als ebenfalls eine Reihe einzelner Erkenntnisse von einem zersplitterten Geheimdienst-System nicht zu einem Bild zusammengefügt werde konnte.

Die offensichtlichen Patzer der Spione dürften zu einer Belastungsprobe des Verhältnisses zwischen US-Präsident Barack Obama und Geheimdiensten werden - dabei hatte sich Obama bald nach seiner Amtsübernahme um gute Beziehungen bemüht. CIA-Mitarbeiter sollen nicht für die Folter von Terrorverdächtigen büßen, wenn sie sich damit an den Rat des Justizministeriums hielten, erklärte er im April sehr zum Verdruss seiner linken Basis. Die Agenten - damals in der Kritik wegen "harscher Verhörmethoden" der Bush-Ära - arbeiteten "mutig an den Frontlinien einer gefährlichen Welt", stellte sich der neue Präsident vor die Spione.

Gut möglich, dass Obama nach den jüngsten Vorfällen nun nicht mehr ganz so verständnisvoll ist. Für Dienstag hat er die Chefs seiner Geheimdienste zum Krisengipfel geladen. Dann dürfte Tacheles geredet werden.

ase/dpa/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
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Marie Laveau 01.01.2010
1. mutmaßlich
"Erst am Freitag kamen bei einem mutmaßlichen US-Drohnen-Angriff in Pakistan mindestens drei Extremisten ums Leben." Muss es nicht heißen, Erst am Freitag kamen bei einem US-Drohnen-Angriff in Pakistan mindestens drei mutmaßliche Extremisten ums Leben.
Neurovore 01.01.2010
2. ...
Zitat von sysopSchwerer Schlag für die CIA: Bei einem Attentat in Afghanistan kamen sieben Geheimdienstler ums Leben. Laut "Washington Post" spielt die betroffene Basis eine Schlüsselrolle bei der Vorbereitung geheimer Luftangriffen auf die Terroristen-Stützpunkte in der Region. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,669739,00.html
Was soll das denn? Wenn sich jemand eine Bombe umschnallt und damit Menschen in die Luft sprengt, ist es ein Attentäter; wenn jemand eine Rakete von einer Drohne abfeuert und damit Menschen in die Luft sprengt, dann sind es CIA-Mitarbeiter, Spione oder Geheimdienstler... Also mal Tacheles: die in Afghanistan operierenden CIA-Agenten sind staatlich gelenkte Attentäter und Killer, mehr nicht. Insofern muß man den Anschlag begrüßen, wurden dadurch doch vermutlich etliche Unschuldige gerettet. Gut gemacht!
Neurovore 01.01.2010
3. Nochwas
"Pakistanischen Angaben zufolge haben die USA in den nordwestlichen Grenzgebieten zu Afghanistan 2009 insgesamt 50-mal Raketen von Drohen abgefeuert. Dabei seien 415 Menschen getötet worden. 2008 seien bei 32 Angriffen rund 240 Personen ums Leben gekommen." Also durchschnittlich *8 Tote pro Raketenangriff*. Wer will da noch ernsthaft behaupten, daß darunter keine Unschuldigen sind?
MarkusKrawehl, 01.01.2010
4. Freude - sicher nicht!
Zitat von NeurovoreWas soll das denn? Wenn sich jemand eine Bombe umschnallt und damit Menschen in die Luft sprengt, ist es ein Attentäter; wenn jemand eine Rakete von einer Drohne abfeuert und damit Menschen in die Luft sprengt, dann sind es CIA-Mitarbeiter, Spione oder Geheimdienstler... Also mal Tacheles: die in Afghanistan operierenden CIA-Agenten sind staatlich gelenkte Attentäter und Killer, mehr nicht. Insofern muß man den Anschlag begrüßen, wurden dadurch doch vermutlich etliche Unschuldige gerettet. Gut gemacht!
Begrüßen kann ich den Tod dieser und anderer Menschen definitiv nicht. Wer deren Tod als Grund zur Freunde ansieht, ist definitiv nicht mehr ganz richtig im Kopf. Viele der Opfer hattten sicherlich auch eine Familie. Wer jedoch nach diesem Anschlag darüber sich Gedanken macht, ob die Präsenz der Truppen in Afghanistan jemals tatsächlich die erhoffte Demokratisierung des Landes nach US-Muster bringen kann, ist jedoch schonmal auf dem richtigen Weg. Einige NeoCon-Greise in Washington werden es auf jeden Fall nicht sein, stattdessen werden sie noch mehr junges Blut für ihre Visionen einer US-Weltherrschaft anfordern.
Coldplay17, 01.01.2010
5. Unschuldige gerettet ?
Zitat von NeurovoreWas soll das denn? Wenn sich jemand eine Bombe umschnallt und damit Menschen in die Luft sprengt, ist es ein Attentäter; wenn jemand eine Rakete von einer Drohne abfeuert und damit Menschen in die Luft sprengt, dann sind es CIA-Mitarbeiter, Spione oder Geheimdienstler... Also mal Tacheles: die in Afghanistan operierenden CIA-Agenten sind staatlich gelenkte Attentäter und Killer, mehr nicht. Insofern muß man den Anschlag begrüßen, wurden dadurch doch vermutlich etliche Unschuldige gerettet. Gut gemacht!
Sie haben wohl vergessen, dass die meisten Opfer der afghanischen Zivilbevölkerung auf das Konto von islamistischen Attentätern gehen !?
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