Attentat auf Israelis in Bulgarien USA beschuldigen Hisbollah

Die USA wollen die Verantwortlichen für die tödliche Attacke in Bulgarien ausgemacht haben. Wie die "New York Times" berichtet, soll eine Terrorzelle der Hisbollah hinter dem Angriff auf israelische Touristen stecken - angeblich als Vergeltung für einen getöteten iranischen Atomforscher.

Ausgebrannter Reisebus in Bulgarien: Suche nach Verantwortlichen geht weiter
AFP

Ausgebrannter Reisebus in Bulgarien: Suche nach Verantwortlichen geht weiter


Washington - Hochrangige US-Regierungsbeamte machen die proiranische Hisbollah für den Selbstmordanschlag auf eine israelische Reisegruppe in Bulgarien verantwortlich. Das berichtet die "New York Times" unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Der Attentäter sei ein Mitglied der bulgarischen Zelle der Hisbollah, einer mit der Führung in Teheran verbündeten Schiiten-Organisation im Libanon, schreibt die "New York Times" am Freitag.

Nach Aussage eines Regierungsbeamten handelt es sich um eine Vergeltung für Attentate auf iranische Atomwissenschaftler, für die Iran israelische Agenten verantwortlich gemacht hatte. "Das lief nach dem Motto: 'Wie du mir, so ich dir'", zitiert das Blatt einen Beamten, der nicht namentlich genannt wird. Aus Israel gibt es bisher keine Reaktionen auf den Bericht. Bei den mutmaßlichen Attentäter soll es sich nach Angaben des bulgarischen Innenministeriums nicht um einen Bulgaren handeln.

Bei dem Anschlag am Flughafen in Burgas waren sieben Menschen getötet und mehr als 30 verletzt worden. Der mutmaßliche Attentäter hatte sich offenbar als Tourist getarnt und war in einen Bus mit israelischen Reisenden gestiegen. Sekunden später zerriss eine Detonation das Fahrzeug: Der mutmaßliche Selbstmordattentäter hatte einen wohl in seinem Rucksack versteckten Sprengsatz gezündet.

Spekulation über iranische Beteiligung

Auch die israelische Regierung hatte schon kurz nach dem Anschlag über Drahtzieher aus Iran spekuliert. "Alle Anzeichen deuten auf Iran hin", erklärte Regierungschef Benjamin Netanjahu am Mittwoch. Iran überziehe die ganze Welt mit Terror. In den vergangenen Monaten habe es mehrere Versuche Teherans gegeben, Israelis in Thailand, Indien, Georgien, Kenia, Zypern und an anderen Orten anzugreifen.

Vize-Außenminister Danny Ayalon äußerte sich später vorsichtiger. Man wollte unter anderem eine diplomatische Initiative bei den Vereinten Nationen anstoßen. Die Hisbollah müsse auf die Liste der internationalen Terrororganisationen gesetzt werden.

Offenbar wollte Jerusalem mit diesen gemäßigten Worten Bedenken zerstreuen, Israel könne Burgas zum Anlass nehmen, einen Erstschlag gegen das iranische Atomprogramm zu unternehmen.

jok/dpa



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