Geiselnahme in Frankreich Was wir wissen - und was nicht

Bei der Geiselnahme in Frankreich deutet alles auf einen Terroranschlag hin. Die Polizei hat den Täter erschossen, zuvor hatte der Mann drei Menschen getötet. Die Fakten im Überblick.


Was wir wissen:

  • In Trèbes, einer kleinen Gemeinde in Südfrankreich, etwa zehn Kilometer von Carcassonne entfernt, ist es zu einer Geiselnahme gekommen. Es wurden mindestens drei Menschen getötet. Der Täter wurde anschließend von der Polizei erschossen.
  • Mehreren Medienberichten zufolge berief sich der Täter auf die Terrormiliz "Islamischer Staat".
  • Der Täter hatte offenbar in Carcassonne ein Auto in seine Gewalt gebracht. Dabei tötete er den Beifahrer. Der Fahrer wurde schwer verletzt und nach Angaben französischer Medien in ein Krankenhaus gebracht.
  • Mit dem Auto versuchte der Täter vier Polizisten zu rammen und schoss einem der Polizisten in die Schulter. Die Polizisten waren joggen und trugen zwar keine Uniform, aber sportliche Kleidung mit Polizei-Emblem.
  • In einer Filiale des Supermarkts Super U in Trèbes nahm der Mann anschließend mehrere Geiseln. Zwei Menschen wurden getötet.
  • Ein Polizist, der sich zuvor gegen eine Geisel austauschen ließ, ist dabei schwer verletzt worden. Innenminister Gérard Collomb sprach von einer Heldentat. Der Beamte habe sein Telefon mit einer offenen Verbindung auf dem Tisch liegen lassen, sagte Collomb. So hätten die Einsatzkräfte hören können, was sich im Supermarkt abspielte. Als Schüsse fielen, seien sie eingeschritten.
  • Am Nachmittag bestätigte das Innenministerium den Tod des Geiselnehmers. Demnach wurde er von Polizisten getötet.
  • Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Tat am Nachmittag für sich. In einer knappen Botschaft die von "Amaq", der sogenannten Nachrichtenagentur des IS verbreitet wurde, hieß es, "ein Soldat des 'Islamischen Staats'" habe den Angriff ausgeführt. Wie üblich erhielt die Mitteilung keine weiteren Informationen wie konkrete Angaben zum Attentäter oder gar Täterwissen. Ob der Mann also mit dem IS im Irak oder in Syrien in Kontakt stand, ist daher unklar.
  • Der Täter heiße Redouane L. und sei 26 Jahre alt, sagte Innenminister Collomb nach dem Ende der Geiselnahme. Collomb sagte, er gehe davon aus, dass der Attentäter allein gehandelt habe und zuvor als Dealer und Kleinkrimineller in Erscheinung getreten sei. "Wir hatten ihn im Blick, aber keine Hinweise auf eine Radikalisierung. Er hat plötzlich gehandelt", sagte der Innenminister.
  • Über den Familienstand berichtet "Le Parisien" unter Berufung auf eine Nachbarin Folgendes: L. habe mit seinen Eltern und mehreren Schwestern in Carcassonne unter einem Dach gelebt. Er habe noch am Freitagmorgen eine Schwester zur Schule begleitet. Eine andere Nachbarin beschrieb den Mann als "ruhig und sympathisch". Er habe für jeden ein freundliches Wort übrig gehabt.
  • Der Geiselnehmer soll die Freilassung des Terroristen Salah Abdeslam gefordert haben, der als einziger Attentäter die Terrorattacken im November 2015 überlebte. Das berichten mehrere französische Medien unter Berufung auf Innenminister Collomb.
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Geiselnahme in Südfrankreich: Schüsse im Supermarkt

Was wir nicht wissen:

  • Die Behörden gehen von einem Einzeltäter aus. Der IS reklamiert den Angriff für sich. Ob es Hintermänner gibt oder ob Redouane L. direkten Kontakt zum IS hatte, ist offen.
  • Ob es andere Komplizen außerhalb eines islamistischen Umfelds gab, ist auch unklar.
  • Es sind noch nicht alle Hintergründe zum Täter bekannt. Er soll zwar in Carcassonne gelebt haben, es ist aber noch nicht bekannt, was für eine Ausbildung er hatte oder welchen Beruf er ausgeübt hat.
  • Der Täter soll bei der Geiselnahme "Allahu Akbar" gerufen haben. Das berichten mehrere französische Medien unter Berufung auf Zeugenaussagen.
  • Französische Medien berichten ebenfalls, dass der Geiselnehmer auf salafistischen Seiten und Plattformen aktiv gewesen sein soll.

Im Video: Einsatzkräfte vor dem Supermarkt in Südfrankreich

höh/aev/syd/dpa/AFP/Reuters/AP

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