Attentat in der Türkei: PKK bestreitet Verantwortung für Anschlag

Von Jan Lukas Strozyk

Die kurdische Terrorgruppe PKK dementiert, für das Attentat in der türkischen Stadt Gaziantep verantwortlich zu sein. Ein Spitzenpolitiker der Regierungspartei brachte Syriens Regime in Verbindung mit dem Bombenanschlag, bei dem neun Menschen ums Leben kamen.

Ein Polizist steht vor den Überresten eines Geldautomaten: PKK dementiert Verantwortung Zur Großansicht
DPA

Ein Polizist steht vor den Überresten eines Geldautomaten: PKK dementiert Verantwortung

Ankara - Kurdische Separatisten haben am Dienstag dementiert, für das Bombenattentat in der Stadt Gaziantep verantwortlich zu sein. "Unsere Kämpfer haben mit dem Anschlag nichts zu tun", hieß es in einem Statement, dass über eine der kurdischen Untergrundorganisation PKK nahestehenden Webseite verbreitet wurde. In der Nacht zum Dienstag ist ein weiteres Opfer des Anschlags verstorben, die Zahl der Toten steigt damit auf neun. Knapp 70 Menschen wurden verletzt.

Wer den Anschlag verübt hat, ist damit weiter unklar. In dertürkischen Tageszeitung "Hürriyet" brachte der Vizepräsident der Regierungspartei AKP, Hüseyin Celik, den syrischen PräsidentenBaschar al-Assad in Verbindung mit der Attacke. Zwar trage der Anschlag nicht direkt die Handschrift der Syrer, aber Assad verfahre mittlerweile nach dem Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund", sagte Celik und spielte damit auf Spekulationen um eine Zusammenarbeit zwischen kurdischen Terroristen und dem syrischen Regime an. Der AKP-Abgeordnete Samil Tayyar, der Gaziantep im Parlament vertritt, behauptete, dass der Anschlag vom syrischen Geheimdienst und der PKK gemeinsam verübt wurde. Ein weiterer AKP-Politiker sagte, die PKK nutze Methoden der gefürchteten syrischen Schabiha-Miliz.

Kurz nach dem Anschlag sollen sich spontane Protestzüge in den Straßen von Gaziantep versammelt haben. Die Demontranten riefen Parolen gegen die PKK und den Kurdenführer Abdullah Öcalan. Sie sollen versucht haben, ein Büro der prokurdischen Partei BDP anzuzünden. Das berichtet die türkische Tageszeitung "Radikal". Die BDP hat den Anschlag scharf verurteilt.

Autobombe per Abschleppwagen

In der Zwischenzeit wurden weitere Details zu dem Anschlag bekannt. Türkische Zeitungen berichten, dass sich die Bombe in einem Auto befunden habe, dass mit gestohlenen Nummernschildern versehen war. Ein Abschleppwagen hatte das Fahrzeug offenbar nach Gaziantep gebracht und wenige Minuten vor der Explosion in der belebten Korutürk-Straße im Norden der Stadt nahe einer Polizeistation abgestellt. Um 19.38 Uhr wurde die Bombe per Fernzünder gezündet. Nach Angaben der türkischen Behörden ist der Fahrer des Abschleppwagens ermittelt worden, er wird von der Polizei verhört.

Türkische Medien veröffentlichten am Dienstag Details zu den Opfern des Anschlags. Demnach handelt es sich bei acht der neun Toten um in der Südost-Türkei registrierte Bürger, die Herkunft eines 13-jährigen Mädchens ist noch unklar. In Gaziantep waren in den vergangenen Wochen mehrere tausend Flüchtlingsfamilien aus Syrien angekommen.

Die Ermittlungsarbeiten der Polizei dauern weiter an. Im Laufe des Tages wir Ministerpräsident Recep Erdogan in Gaziantep erwartet. Er hatte in der Vergangenheit davor gewarnt, dass derKonflikt in Syrien in die Türkei übergreifen und die Gefahr durch der PKK im Grenzgebiet verstärken könnte.

mit Material von Reuters/afp

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Kurdenkonflikt: Problemfall Öcalan

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