Anschlag in Islamabad Attentäter erschießen pakistanischen Minister

In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad haben unbekannte Schützen das Feuer auf ein Mitglied der Regierung eröffnet. Der Minister für religiöse Minderheiten kam bei dem Anschlag ums Leben. Der einzige Christ im Kabinett hatte sich gegen die strengen Blasphemiegesetze ausgesprochen.

Politiker Bhatti (Archivbild von 2005): Tod auf dem Weg ins Krankenhaus
REUTERS

Politiker Bhatti (Archivbild von 2005): Tod auf dem Weg ins Krankenhaus


Islamabad - Nach Angaben der Polizei wurde Shahbaz Bhatti von mehreren bewaffneten Personen angegriffen. Der Politiker war auf dem Weg zur Arbeit und hatte gerade das Haus verlassen. Er wurde laut Sicherheitskräften zunächst schwer verletzt und starb nach Angaben eines Kliniksprechers noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Der Polizeichef der pakistanischen Hauptstadt, Kalim Imam, sagte, Bhatti sei von zehn Kugeln getroffen worden.

Bhatti gehörte der regierenden Volkspartei PPP an, war als Minister für das Ressort religiöse Minderheiten zuständig und der einzige Christ im Kabinett. Er hatte sich in der Vergangenheit gegen die strengen Blasphemiegesetzte in Pakistan eingesetzt und wurde immer wieder von islamistischen Radikalen bedroht. Bhatti sagte noch vorigen Monat in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa, er erhalte Todesdrohungen, sei aber bereit, notfalls für seine Haltung zu sterben.

Wer hinter dem Anschlag steckt, ist noch unklar. Anfang des Jahres hatte ein Attentäter den Gouverneur der Provinz Punjab umgebracht. Der Mann, der als Bodyguard des Politiker arbeitetet, gab als Motiv an, er sei wütend darüber gewesen, dass der Gouverneur sich gegen die Blasphemiegesetzte ausgesprochen habe. Eine Regelung darin besagt, dass für "Beleidigung des Islam" die Todesstrafe verhängt werden kann.

ffr/AP/Reuters/dpa

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